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Text und Film: Zeitung und Fernsehen in einem besonderen Projekt in der Region





Homburg
Evakuierung wird im Fernsehen gezeigt
Text und Film: Zeitung und Fernsehen in einem besonderen Projekt in der Region

bea,  19. Oktober 2016, 02:00 Uhr
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Die Hauptstraße in Einöd glich in Septembertagen 1939 einem großen Menschen- und Viehtreck. Diese bislang unbekannte Aufnahme erschien erstmals in der mehrteiligen Serie zur Evakuierung aus der Roten Zone in der Saarbrücker Zeitung im September 2014. Foto: Ortsarchiv Einöd/Repro: Thorsten Wolf Foto: Ortsarchiv Einöd/Repro: Thorsten Wolf
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Die SR-Rundfunk-Journalistin Annette Bak bei einem Planungsgespräch mit SZ-Redakteur und Historiker Jürgen Neumann vor einem Drehtermin in Homburg. Foto: Eberhard Jung Foto: Eberhard Jung
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Ein Vortrag mit anschließender Diskussion im Homburger Saarpfalz-Gymnasium gehörten zum Film. Der Lehrer Eberhard Jung (rechts) mit seiner Geschichts-AG und SR-Team. Foto: J. Martin/SPG

Foto: J. Martin/SPG
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Anfang September 1939 begann eine der großen Räumungsaktion in vielen Orten und Dörfern in der Saarpfalz und in Lothringen. Zwischen Blieskastel, Einöd, Bitche, Obergailbach und Zweibrücken wurden Tausende zwangsevakuiert. Sie lebten in der „Roten Zone“ – einem Kampfgebiet hinter dem berüchtigten Westwall. Der SR hat darüber einen zweiteiligen Film gedreht, der am 27. Oktober und 1. November ausgestrahlt wird.

Das Leben der Menschen in der „Roten Zone“ und die damit verbundene Evakuierung im Jahr 1939 ist viel mehr als nur das Auflisten von Ereignissen. Diese Zeit wurde zum Schlüsselerlebnis vieler Menschen in den Städten und Dörfern zwischen Einöd und Lothringen. Sie selbst sind Zeugnisse für das Betrachten und Beschreiben einer „Geschichte von unten“ – einer Geschichte des normalen Volkes im Alltag. Sie zeigen, was Tyrannei, Absolut-Herrschaft oder Diktatur „von oben herab“ für negativen Folgen haben können. „Es war spannend zu sehen, wieviel aus dieser Zeit noch heute erinnert wird und dass die Menschen auf beiden Seiten der Grenze letztlich Ähnliches erlebt haben. Angefangen vom meist mehr oder weniger chaotischen Aufbruch, zur Aufnahme bis hin zu den Plünderungen, die beide Seiten erlitten haben“, erzählt die SR-Journalistin Annette Bak, die den Film „Heute noch müssen wir weg!“ mit ihrem Team drehte. Unterstützt wurde sie dabei von „unendlich vielen Menschen, denen das Thema am Herzen liegt. Erstaunlicherweise gibt es in den Dörfern dies und jenseits der Grenze sehr viele, die sich oft ihr Leben lang mit dem Thema auseinandergesetzt haben beziehungsweise die sich für ihre Dorfgeschichte interessieren, die Bilder gesammelt und eigentlich oft nur darauf gewartet haben, dass sie die Fotos irgendwann veröffentlichen können.“

Obwohl die politischen Verhältnisse entlang der Grenze höchst unterschiedlich waren, gleichen sich die Erlebnisse hüben wie drüben auf verblüffende Weise. Das Leid der Lothringer und der Saarländer haben sich nicht unterschieden: Es war für beide schrecklich, ihr Zuhause zu verlassen, sich entwurzelt zu fühlen, und dort, wo sie zeitweilig Unterschlupf gefunden haben, zu merken, dass niemand sie wirklich wollte.

Für den Historiker und SZ-Redakteur Jürgen Neumann ist wichtig: „Diese Zeit ist mahnende Erinnerung, nicht für Wissenschaftler und an Geschichte Interessierte, sondern für die heutige Gesellschaft in ihrer ganzen Vielfalt. Diese Geschichte von damals verpflichtet uns zum Handeln gegen Diktatur, Rassismus, Antisemitismus und Intoleranz.“

Die erstmals in der Serie veröffentlichen – bis dato unbekannten – Fotos und Dokumente sollten Erinnerungen an das soziale und politische Leben vor 75 Jahren über den Tag hinaus lebendig halten, sowie die Bedeutung für eine pluralistische demokratische Gesellschaft aufzeigen. Jürgen Neumann weiter: „Geschichte ist vergänglich, wenn sie nicht für die nachfolgenden Generationen erfahrbar gemacht wird.“

Am morgigen Donnerstag findet im Auditorium des Europäischen Kulturparks Reinheim/Bliesbruck (auf der französischen Seite des Parks) ein Film-Preview und die Vorstellung des Buches von Annette Bak statt. Beginn ist um 18 Uhr, Einlass um 17.30 Uhr.

Sendetermine im Fernsehen in SR 3 sind für den 1. Teil der Donnerstag, 27. Oktober, um 20.15 Uhr; Teil 2 wird am Dienstag, 1. November (Feiertag Allerheiligen), um 18.15 Uhr ausgestrahlt.

„Dem Saarländischen Rundfunk mit seinem Film und der Saarbrücker Zeitung ist es mit einer einzigartigen Serie gelungen, Geschichte hautnah und erlebbar zu machen.“ Wer dies sagt, ist ein profunder Kenner der regionalen Geschichte: der Theologe Frank-Matthias Hofmann, der als Kirchenrat die Interessen der Pfälzischen Landeskirche und der Rheinischen Kirche bei der Saar-Regierung in Saarbrücken vertritt, hat selbst eine Studie zur „Seelsorge in der Grenzzone 1938-1945 und in den Evakuierungsgebieten 1939 und 1940“ erarbeitet. Diese wurde im Frühjahr im zweibändigen Handbuch „Die evangelische Kirche der Pfalz im Nationalsozialismus“ veröffentlicht. Eigentlich ist der Homburger Lehrer vom Saarpfalz-Gymnasium, Eberhard Jung, für die Verbindung SR und Zeitung „verantwortlich“. Er hat mit seiner Geschichts-AG die SZ-Serie über die „Evakuierung 1939“ diskutiert und mit dem SR zusammengearbeitet. „Wir haben in die gleiche Richtung gedacht,“ sagen Annette Bak und Jürgen Neumann unisono. Wobei der Historiker und Redakteur Neumann nur bei einem Teil mitwirkte, etwa bei Vorträgen in der Schule oder in Orten im Bliestal. Die SR-Journalistin Bak hat mit der Filmdokumentation „Heute noch müssen wir weg!“ ein einzigartiges Zeitdokument mit vielen unveröffentlichten Fotos geschaffen. Die mehrteilige SZ-Serie „Die Rote Zone 1939“ sorgte auch über die regionalen Grenzen für Aufsehen.

Zu dem Film ist auch ein Buch von Annette Bak (und anderen) im Geistkirch Verlag erschienen. Es hat den Titel „Heute noch müssen wir weg! Evakuierungen im saarländisch-lothringischen Grenzgebiet 1939 bis 1944. Es hat 104 Seiten, 80 Schwarz-Weiß-Abbildungen. Es kostet 14,80 Euro.

 

Zum Thema:

 

Hintergrund Die Serie „Evakuierung in der Roten Zone“ von Jürgen Neumann erschien zwischen September und Oktober 2014. Anlass war das Erinnern 75 Jahre danach. Diese Zeit wurde zum Schlüsselerlebnis vieler Menschen in den Städten und Dörfern zwischen Einöd und der lothringischen Grenze. Die Reaktion auf diese fast unbekannte Zeit war groß. In vielen Gesprächen kamen Zeitzeugen zu Wort. Sie schilderten ihre ganz persönlichen Eindrücke vom Alltag in der Fremde. Ihre vorübergehende neue Heimat lag in der Oberpfalz, in Rheinhessen, Mainfranken, Thüringen, Sachsen oder Sachsen-Anhalt. Bislang unbekannte Fotos wurden veröffentlicht. Grafiken und Infokästen veranschaulichten damals das Geschehene optisch und inhaltlich. Aufgrund seiner Serie war er 2015 zu einer mehrtägigen Vortragsreihe in die Fränkische Schweiz eingeladen. Für den Film der SR-Journalistin Annette Bak war Neumann mehrmals mit ihr zu Vorträgen in Schulen und zu Zeitzeugen-Gespräch mit dem Film-Team unterwegs. bea



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