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Laien predigen sonntags in katholischen Pfarreien – Konservative befürchten Abwertung der Eucharistie-Feier





Gersheim
Eine Frau am Tag des Herrn
Laien predigen sonntags in katholischen Pfarreien – Konservative befürchten Abwertung der Eucharistie-Feier

Von  Christine Kloth, 
12. Januar 2017, 02:00 Uhr
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Am kommenden Wochenende hat Susanne Karl (56) ihre Premiere: Sie wird im Auftrag des Bischofs von Speyer für die Gläubigen in Herbitzheim das Wort Gottes verkünden. Dabei trägt sie ein liturgisches Gewand. Sie darf aber nicht am Altar stehen, auf dem Priesterstuhl Platz nehmen oder Sakramente spenden. Das ist nach wie vor dem Pfarrer vorbehalten. Foto: Iris Maurer Foto: Iris Maurer
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Ulrike Hoffmann

Der Priestermangel führt in der katholischen Kirche zum Umdenken. Auch an Sonn- und Feiertagen leiten nun immer mehr Laien, darunter viele Frauen, den Wort-Gottesdienst – mit Segen des Bischofs.

Statt des Pfarrers predigt jetzt in der katholischen Kirche die Pfarr-Sekretärin. Im weißen langen Gewand steht Susanne Karl vor den Gläubigen von St. Barbara Herbitzheim. Die studierte Diplom-Agrar-Ingenieurin singt und spricht Segensgebete – und das im Auftrag des Bischofs an einem Sonntag, dem Tag des Herrn. Noch vor nicht allzu langer Zeit wäre dieses Bild auch für Kirchgänger im Saarland undenkbar gewesen.

Doch der Priestermangel zwingt die katholische Kirche dazu, Laien, darunter viele Frauen, nun auch an Sonn- und Feiertagen verstärkt zuzulassen. 2015 wurden bundesweit laut dpa nur noch 58 Männer zu Priestern geweiht. Auch in den Bistümern Trier und Speyer ist die Zahl stark rückläufig: Im Jahr 2016 gab es lediglich drei Priesterweihen. Die Folge: Frei werdende Stellen bleiben unbesetzt. Gerade meldet etwa die Pfarreien-Gemeinschaft Püttlingen mit immerhin 10 000 Gläubigen, dass sie seit fast einem Jahr ohne geistliches Oberhaupt auskommen muss. Zukunft ungewiss.

Auch die Pfarrei Heilig Kreuz Gersheim, in der Susanne Karl arbeitet, bekam die Folgen knapper Besetzung zu spüren. Ein Pfarrer, ein Kaplan und ein Pastoralreferent mit halber Stelle betreuen hier 5000 Gläubige. Das Problem: Jeder der beiden Geistlichen darf am Wochenende nur maximal drei Eucharistie-Feiern (siehe Info) vorstehen. Es gibt aber acht Kirchen. Also hätte in zwei Kirchen gar kein Gottesdienst stattfinden können. So kam die Idee einer so genannten Wort-Gottes-Feier (siehe Info) als rotierendes Zusatzangebot an Sonntagen für die Gemeinde auf.

„Es ist natürlich kein Ersatz für die Heilige Messe, aber die Möglichkeit, auch an den Sonntagen Gottesdienst zu feiern, an denen keine Eucharistie in der Kirche vor Ort möglich ist“, erklärt Karl. Während einer Wort-Gottes-Feier darf sie laut Bistum Speyer keine Sakramente spenden, höchstens die in einer Eucharistie vom Priester gewandelten Brothostien austeilen.

Seit mehr als zehn Jahren arbeitet Karl als Pfarr-Sekretärin für Heilig Kreuz Gersheim. Die dreifache Mutter engagiert sich in der katholischen Frauenarbeit und gestaltet Andachten, Wallfahrten und Frauen-Gottesdienste. Da lag es nahe, sich beim Bischöflichen Ordinariat mit zwei weiteren Frauen aus der Pfarrei zur Wort-Gottesdienst-Leiterin ausbilden zu lassen. „Die Seelsorger vor Ort und die meisten Gläubigen empfinden unsere Arbeit als Bereicherung“, sagt Karl.

Doch konservative Kräfte in der Kirche befürchten durch das Zulassen von Wort-Gottes-Feiern am Sonntag die Abwertung der Eucharistie-Feier. „Zum nächsten Baumarkt und in die Oper nehmen die Leute viel weitere Wege in Kauf als zur Messfeier“, hat der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa dazu einmal gesagt. Sprich: Es sei nicht nachzuvollziehen, wenn Katholiken am Sonntag Mühe und Weg scheuen, um zur nächsten Eucharistie-Feier zu gelangen und stattdessen eine priesterlose Wort-Gottes-Feier besuchen.

Argumente, die Ulrike Hoffmann aus Schmelz nicht nachvollziehen kann. Als Vertreterin der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands im Bistum Trier sieht sie die Zunahme der häufig von Frauen geleiteten Wort-Gottes-Feiern im Bistum Trier und im Bistum Speyer mit großem Wohlwollen. „Es geht dabei ganz klar um das Bibel-Wort – und nicht um die Heilige Wandlung mit Brot und Wein wie in der Eucharistie-Feier“, sagt sie. Insofern könne von einer Relativierung der Eucharistie-Feier keine Rede sein. Im Gegenteil. Die Kirche profitiere von der größeren Vielfalt an Sonntagsgottesdiensten. „Gott sei Dank“, so das Fazit der ehemaligen Synodalen der Bistums-Synode Trier, „überwiegen die positiven, Mut machenden Signale von Priestern“.

Oder vom Speyrer Bischof. In der Beauftragung an Susanne Karl dankt Karl-Heinz Wiesemann ihr ausdrücklich für ihren „wertvollen Dienst in der Kirche von Speyer“. Sie trage dazu bei, „dass die Gemeinde sich am Tag des Herrn versammelt und aus der Quelle des Wortes Gottes immer neue Kraft schöpfen kann“. So stehe ihr Dienst „in tiefer geistlicher Beziehung zur pfarrlichen Feier der Eucharistie“. Dieses S chreiben sei ein „Hoffnungsfunken für die Zukunft der Kirche“, sagt Susanne Karl. Und ein großes Zeichen von Veränderung.

Meinung:

Überleben dank Pragmatismus

Von SZ-Redakteurin Christine Kloth

Frauen hatten Jahrhunderte lang in der katholischen Amtskirche wenig zu melden. Das ändert sich langsam – und das ist gut so. Laien, darunter meist Frauen, bekommen durch die Wort-Gottes-Feiern am Sonntag eine wichtige Rolle. Denn: Sie helfen der Kirche, im Dorf zu bleiben. Leere Kirchenbänke und Priestermangel zwingen die Kirchen-Oberen dazu, diese Entwicklung zu fördern. Ein geradezu weltlicher Pragmatismus, der überfällig ist. Denn vor allem junge Frauen haben kein Verständnis mehr für die Tatsache, bei kirchlichen Ämtern weitgehend außen vor zu bleiben. Weil sie überall sonst – in Beruf, Schule und Partnerschaft – erleben, dass Männer und Frauen sich auf Augenhöhe begegnen. Darum sollte die Amtskirche sich auch zu einem Priesteramt für Frauen durchringen. Jetzt – und nicht erst im nächsten Jahrhundert.

Zum Thema:

Auf einen Blick Der größte Teil des Saarlandes gehört zum Bistum Trier, der Saarpfalz-Kreis ist Teil des Bistums Speyer. Die Heilige Messe ist eine Kombination aus Wortgottesdienst und der Eucharistie-Feier mit der Heiligen Kommunion. Während den Wort-Gottesdienst Laien halten können, sind Wandlung und Abendmahlsworte dem Priester vorbehalten. Die Eucharistiefeier folgt einem weitgehend festgeschriebenen Ablauf. Bei der Wort-Gottes-Feier steht die Verkündigung des Wortes Gottes im Mittelpunkt. Laien dürfen sie leiten und dabei ein liturgisches Gewand tragen. Mit der Teilnahme an der Wort-Gottes-Feier können die Gläubigen in den Bistümern Trier und Speyer unter bestimmten Voraussetzungen ihre Sonntagspflicht erfüllen. ko

Zum Thema:

Hintergrund Das Bistum Trier hat mehr als 500 Christen zu Leitern von Wort-Gottes-Feiern ausgebildet, die Mehrzahl ist beauftragt. Wie viele Frauen darunter sind, wurde nicht mitgeteilt. Seit 2015 wurden im Bistum Speyer 37 Wortgottesdienst-Leiter (23 Frauen) ausgebildet. 13 sind beauftragt. Darunter fünf Saarländerinnen. ko




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