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"Der Fuchs ist nur ein Problem für Jäger"





"Der Fuchs ist nur ein Problem für Jäger"
11. Dezember 2012, 00:05 Uhr
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Der Fuchs spaltet das Publikum. Manche mögen das Tier, andere fürchten es. Foto: Biosphäre

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Mario Natale Foto: Natale

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Der Fuchs spaltet das Publikum. Manche mögen das Tier, andere fürchten es. Foto: Biosphäre

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Mario Natale Foto: Natale

Herr Natale, Ihr Märchen vom listigen Fuchs und dem hinterlistigen Jäger ist ziemlich starker Tobak. Wer hat Sie so geärgert?Natale: Im Grunde niemand. Es geht mir darum, die Situation des Fuchses, die ich für nicht mehr zeitgemäß halte, darzustellen. Aber mein Ziel war nicht, mich für etwas zu rächen


 
Herr Natale, Ihr Märchen vom listigen Fuchs und dem hinterlistigen Jäger ist ziemlich starker Tobak. Wer hat Sie so geärgert?

Natale: Im Grunde niemand. Es geht mir darum, die Situation des Fuchses, die ich für nicht mehr zeitgemäß halte, darzustellen. Aber mein Ziel war nicht, mich für etwas zu rächen. Ich habe eine Form gewählt, welche ich schon öfter benutzt habe, gelegentlich auch in Leserbriefen an die Zeitung: Ich übernehme die Stimme eines Tieres und schreibe dann als dieses Tier. In dem Buch will ich für den Fuchs sprechen.

Wer ist der hinterlistige Jäger aus dem Märchen im wahren Leben? Oder gibt es ihn gar nicht?

Natale: Es gibt den hinterlistigen Jäger. Es gibt auch den hinterlistigen Menschen. Aber im Grunde betrachte ich hier die Jagd, wie sie heute noch von Jägern gefordert wird, etwa Forderungen nach Aufhebung der Schonzeit, Jagd auf Jungfüchse, was bei anderen Tierarten verpönt ist: Beim Fuchs hält man es für legitim. Das halte ich schon für hinterlistig. Der hinterlistige Jäger in meinem Märchen steht für die hinterlistige Jagd auf den Fuchs.

Wissen Sie, wovon Sie sprechen?

Natale: Ich komme selbst aus dieser Jagdszene. Damals bin ich durch meine Berufsjägerausbildung zur Fuchsjagd gekommen. Ich weiß sehr wohl, wovon ich spreche. Wenn man mal an einen Fuchsbau gekommen ist, der frisch begast wurde, mit Gaspatronen, und man öffnet die Röhre, und der Geruch von CS-Gas strömt einem entgegen - dann weiß man wovon man spricht.

Warum entzündet sich die öffentliche Debatte um die Jagd eigentlich so oft am Fuchs?

Natale: Ich gehe davon aus, dass der Fuchs eine Schlüsselrolle spielt in der Bestrebung der Jäger, alte Traditionen aufrecht zu erhalten Wenn die Gesellschaft irgendwann erkennt, dass die Fuchsjagd keinen Sinn macht und man sie nicht mehr haben will, dann wird sich die Gesellschaft auch über andere Aspekte der Jagd Gedanken machen. Das könnte zu Einschränkungen führen.

Aber warum immer zuerst der Fuchs?

Natale: Weil beim Fuchs am ehesten die Sinnlosigkeit einer Jagd gezeigt werden kann, jedenfalls von Seiten des Tierschutzes. Beim Rehwild wird von Förstern behauptet, sie fressen den Wald auf, das Wildschwein pflügt die Felder um, Wild macht oft irgendwelche Schäden. Aber der Fuchs? Die wenigsten Leute haben noch Hühner. Es gibt eigentlich keine sachliche Begründung für die Fuchsjagd. Der Fuchs ist letzten Endes nur ein Problem für die Jäger. Deswegen zielen die Tierschützer auf das Verbot der Fuchsjagd. Sie ist eine reine Spaßjagd. Und genau hier ist die Stelle, an der die Jäger wissen, dass sie ihre Freude an der Jagd verteidigen müssen.

Und was ist mit Fuchsbandwurm und Tollwut?

Natale: Weder Tollwut noch Fuchsbandwurm haben sich bislang durch Jagd bekämpfen lassen. Es gibt einfach keinen Beweis, dass irgend eine Krankheit durch die Jagd bekämpft werden könnte.

Jäger begründen die Jagd auf Füchse oft damit, dass sich die Tiere sonst zu stark vermehrten. Dass die Welt voller Füchse wäre. Ist das so falsch?

Natale: Die Welt ist längst voller Füchse. Füchse vermehren sich wie andere Beutegreifer orientiert an ihrem Nahrungsangebot. Deswegen gibt es ja auch Stadtfüchse. Der Jäger reguliert meines Erachtens bei keiner Wildart irgendeine Population. Die vielen Wildschweine bestätigen das doch auch. Der Effekt der Jagd ist eher, dass sich die Tiere von dort, wo gejagt wird, fernhalten, sie werden vergrämt. Dort unterbleiben natürlich dann Wildschäden.

Wie verträgt sich ein so polarisierendes Buch mit ihrer Funktion als Förster?

Natale: Sehr wohl, weil ich eine Berufsauffassung habe, wonach meine Aufgabe nicht nur darin liegt, bestimmte Mengen an Holz zu produzieren, sondern allgemein Verantwortung für die Natur und damit auch für Tiere zu übernehmen. Dass es dann zu Konflikten kommt mit Menschen, die anders denken, ist nie auszuschließen.

Nochmal zum Buch zurück. Für wen, warum haben Sie es geschrieben?

Natale: Ich habe die Hoffnung, dass es aus dem Kreis, der dieses Buch eigentlich nicht zu lesen braucht, herauskommt in die Gesellschaft. Denn mein Ziel ist, die Situation der Jagd auf Füchse darzustellen, damit sich die Gesellschaft eine Meinung bilden kann. Es ist eigentlich kein Buch für Tierschützer, wirklich informativ ist es für den, der sich für Natur bisher überhaupt nicht interessiert.

"Märchen vom Fuchs" klingt nach Kinderbuch"?

Natale: Durchaus auch. Abgesehen vom Vorwort sollten auch Kinder dieses Buch lesen. Die Geschichte ist doch auch nett.

"Das Märchen vom Fuchs", erschienen im Geistkirch-Verlag, 40 Seiten, Illustrationen von Kai Streckel, gibt es im Buchhandel für 12,80 Euro.



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