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Asylsuchende am Zweibrücker Flughafen protestieren gegen schleppende Verfahren





Zweibrücken
Flüchtlinge treten in den Hungerstreik
Asylsuchende am Zweibrücker Flughafen protestieren gegen schleppende Verfahren

Von  Jan Althoff, 
20. Oktober 2015, 00:00 Uhr
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Eine Gruppe von Flüchtlingen am Zweibrücker Flughafen ist in den Hungerstreik getreten. „Wir können die Lage im Camp akzeptieren, aber wir brauchen eine Perspektive“, sagen sie. Foto: Althoff Foto: Althoff
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Der frühere Zweibrücker Flughafen ist inzwischen eine Flüchtlingsunterkunft.Foto: Kolling Foto: Kolling
Die Geduld einiger syrischer Flüchtlinge, die auf dem Flughafen Zweibrücken untergebracht sind, ist am Ende: Weil es mit ihren Verfahren nicht vorangeht, sind etwa 50 von ihnen gestern in einen Hungerstreik getreten.
Die Flüchtlingskrise ist nicht nur eine Herausforderung für die deutsche Gesellschaft und Bürokratie, sondern auch für die Flüchtlinge selbst: Gestern ist eine Gruppe von etwa 50 Flüchtlingen, die in der Zweibrücker Erstaufnahme-Einrichtung am Flughafen untergebracht sind, in den Hungerstreik getreten. Hintergrund ist die Dauer der Verfahren. „Wir wissen noch nichts über unsere medizinische Erstuntersuchung, haben noch keinen Termin für unser Verfahren in Trier“, sagt einer der Asylsuchenden. Gemeint ist in erster Linie das Registrierungsverfahren, für das die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier zuständig ist; erst danach startet das eigentliche Asylverfahren unter Federführung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge.

Zunächst habe man einen Termin bekommen, der sei verschoben worden, mittlerweile gebe es gar keine Termine mehr. „Wir können die Lage im Camp akzeptieren, aber wir brauchen eine Perspektive“, sagt ein anderer. Seinen Namen will keiner aus der Gruppe sagen. Unter den Flüchtlingen gehe das Gerücht um, wer mit Journalisten rede, werde in ein anderes Lager geschickt – was Jürgen Buchholz, Leiter der Einrichtung, zurückweist. Kritisiere man die langen Wartezeiten, sagt ein Flüchtling, bekomme man zu hören: „Ihr seid hier sicher, habt was zu essen und müsst nicht frieren.“ „Wir wissen das zu würdigen“, sagt ein anderer junger Mann aus der Gruppe. „Aber wir wollen nicht in Lagern leben und ein paar Euro bekommen. Wir wollen arbeiten, Geld verdienen, unsere Ausbildung beenden.“

Mit dem Leben in der Aufnahmestelle sind manche zufrieden, andere weniger: „Die Leute fühlen sich wie im Gefängnis“, sagt einer und zeigt ein Handybild, auf dem man den Zaun zwischen Abflughalle und Flugfeld sieht. Die Einrichtung sei so weit ab vom Schuss, dass man nirgendwo hingehen könne, Bustickets seien zu teuer. Ein Mann, der in der Familienabteilung untergebracht ist, erzählt, er bekomme jede Nacht nur zwei bis drei Stunden Schlaf, weil ständig irgendein Kind weine.

„Ich kann die Leute verstehen“, sagt Jürgen Buchholz. „Das Problem ist einfach, dass die übergeordneten Strukturen wegen der Menge zusammengebrochen sind“, sagt er. Man müsse sich klarmachen, dass jeden Tag 400 bis 500 Flüchtlinge nach Rheinland-Pfalz kommen. Die ADD habe ihm mitgeteilt, sie habe derzeit nicht genug Personal. Neue Mitarbeiter würden im Schnellverfahren geschult. Noch in dieser Woche soll ein ADD-Vertreter nach Zweibrücken kommen und den Flüchtlingen die Problematik erläutern. Die medizinische Erstuntersuchung „läuft“, allerdings seien die Ärzteteams der Kreisverwaltung derzeit selbst durch Krankheitsfälle geschwächt. Wer Beschwerden habe, werde jedoch auf jeden Fall medizinisch versorgt. Außerdem sei von Montag bis Freitag jeden Tag ein Kinderarzt in der Einrichtung.

Vom Hungerstreik ist Buchholz milde überrascht. „Es stand als Möglichkeit im Raum“, sagt er. Erst gestern Morgen habe er erstmals schlechte Stimmung in der Unterkunft gespürt. Dass niemand länger als unbedingt nötig in der Einrichtung leben will, sei absolut nachvollziehbar. In die Familienabteilung nachts „komplette Ruhe reinzubringen“, sei schwierig, wenn nicht unmöglich. Sinn des kritisierten Zaunes sei nicht, die Flüchtlinge auf dem Gelände zu halten, sondern einen unkontrollierten Besucherstrom zu verhindern und den Flüchtlingen so einen Rest an Privatsphäre zu geben. Fakt sei, dass sich alle Mitarbeiter der Einrichtung „unendlich viel Mühe“ gäben, den Aufenthalt für die Flüchtlinge möglichst angenehm zu gestalten. Auch, wenn der noch eine Weile dauern sollte.


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