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Gutachten im Auftrag der Grünen: Nachrüstungen im lothringischen Kernkraftwerk haben die Anlage moderner, aber nicht sicherer gemacht





Cattenom/Berlin
Experte: Sicherheitsstandard in Cattenom auf dem Niveau der 70er
Gutachten im Auftrag der Grünen: Nachrüstungen im lothringischen Kernkraftwerk haben die Anlage moderner, aber nicht sicherer gemacht

wie,  26. Februar 2016, 02:00 Uhr
Die Sicherheitsvorkehrungen im Kernkraftwerk Cattenom sind veraltet, auch Nachrüstungen machen die 30 Jahre alte Anlage nicht sicher. Das geht aus einem Gutachten im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion vor.
Der Sicherheitsstandard im Kernkraftwerk Cattenom entspricht den Anforderungen der 1970er Jahre, als die Anlage geplant wurde. Das sagt der Atomexperte Manfred Mertins, der lange Zeit für die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit tätig war. Mertins hat im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion ein Gutachten über das 1986 in Betrieb genommene Kraftwerk an der lothringischen Obermosel verfasst. Sein Fazit: Die Nachrüstungen in Cattenom nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima haben die Anlage in Teilen moderner, aber nicht sicherer gemacht. Noch immer liege das Sicherheitsniveau des Kernkraftwerks deutlich unter dem in Deutschland geltenden Standard.

Viele Sicherheitsvorkehrungen in Cattenom sind laut Mertins anders als in Deutschland nur einfach ausgelegt. Falle ein System aus, gebe es keine zusätzliche Sicherung mehr. Auf 70 Seiten listet der Fachmann für Reaktorsicherheit die zum Teil bekannten Schwachstellen auf: unzureichende Notstromversorgung, mangelnde Erdbebensicherheit, nicht ausreichender Hochwasserschutz, kein Schutz vor Flugzeugabstürzen. Das Entscheidende sei, dass es bei einem Ausfall aller Sicherheitssysteme nur einen „bedingten Grundschutz“ gebe, um die nukleare Katastrophe zu verhindern. Der gravierendste Mangel sei, dass eine Kernschmelze in der Anlage nicht beherrschbar sei.

„Cattenom ist so schlecht und gefährlich, stünde es auf unserer Seite der Grenze, es müsste nach dem Prinzip Gefahr im Verzug sofort stillgelegt werden“, sagt Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag, der Zeitung „Trierischer Volksfreund“. Er fordert, dass die Bundesregierung mit Frankreich Verhandlungen aufnimmt. „Sie hat immer noch nicht verstanden, dass sie sich bei grenznahen Atomkraftwerken wie Cattenom nicht mit dem Verweis auf die ausländische Aufsichtsbehörde wegducken darf“, so Hofreiter. Aufgrund des Moselverlaufs und der vorherrschenden Windrichtung trügen das Saarland und Rheinland-Pfalz mit das höchste Risiko eines Atomunfalls in Cattenom. Diese Woche hat der französische Energiekonzern EDF mitgeteilt, dass Cattenom noch bis 2046 in Betrieb bleiben soll (wir berichteten). Der saarländische Grünen-Bundestagsabgeordnete Markus Tressel bezeichnet das als unverantwortlich. „Dieser alte Risikomeiler muss im Gegenteil sofort für immer vom Netz“, sagte Tressel.
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