Die achteckige Krone aus purem Gold zieren 144 Edelsteine und ebenso viele Perlen. Doch das allein macht nicht ihren unschätzbaren Wert aus. Vermutlich schon der erste deutsche Kaiser Otto I. trug sie vor mehr als 1000 Jahren. Für Jahrhunderte galt sie als eine der wichtigsten Insignien des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation, das sich über ganz Mitteleuropa erstreckte. Heute liegt die Krone hinter Panzerglas in der Schatzkammer der alten Hofburg von Wien.
«Wir zählen jährlich etwa 280 000 Besucher», sagt Anja Priewe von der Marketingabteilung des Museums. Touristen drängen an den Kostbarkeiten vorbei, nur wenige bleiben längere Zeit vor einem einzelnen Objekt stehen. Einer, der die Reichsinsignien genau studiert hat, ist der französische Historiker Henri Gaillard, der viel über ihre Geschichte erzählen kann. «Anfang des 19. Jahrhunderts wurden sie vor Napoleons Truppen aus Aachen und Nürnberg in Sicherheit gebracht», erklärt er.
Zu den Zeichen der Macht des Heiligen Römischen Reiches gehören neben der Krone als wichtigste Teile Reichsapfel, Zepter, Schwert und die Heilige Lanze. «Sie sind der einzige in diesem Umfang erhaltene Kronschatz aus dem Mittelalter», sagt Gaillard. Zu den weiteren herausragenden Kulturgütern in dem Wiener Museum zählen der Schatz des 1430 gegründeten Ordens vom Goldenen Vlies mit seinem mehr als drei Meter breiten Ornat sowie die österreichische Kaiserkrone aus dem Jahr 1602, ein Hauptwerk der europäischen Goldschmiedekunst.
Die sich auf 20 Räume ausdehnende Schatzkammer besteht aus einer weltlichen und einer geistlichen Abteilung. Unter den mehr als 500 Ausstellungsstücken findet die österreichische Kaiserkrone viele Bewunderer. Aus dem Gemurmel sind Rufe wie «lovely» und «how beautiful» zu vernehmen. Ein Aquamarin von 492 Karat fasziniert vor allem weibliche Besucher.
Kostbar mit Juwelen besetzte Reliquiare wie das Anjou-Kreuz aus dem 14. Jahrhundert, prächtige Messgewänder und Monstranzen zeugen von der tiefen Religiosität vergangener Jahrhunderte in den katholischen Gegenden des Römischen Reiches. Sie stehen in Schaukästen aus dunklem Eichenholz, die Kaiser Karl VI. in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Auftrag gab. Ein Marienbild aus Federn von Papageien und Kolibris, gefertigt im 16. Jahrhundert in Mexiko, dürfte Naturschützer weniger begeistern.
Wenn Touristen aus aller Welt nach Wien strömen, bilden sich auch Schlangen vor der Schatzkammer, für deren Besichtigung man eineinhalb Stunden einplanen sollte. Ruhiger wird es in der Nebensaison. «Günstig sind November sowie Januar bis März», sagt Priewe. Zwischen dem 13. und 24. Februar hat das Museum jedoch geschlossen. Ansonsten ist die Schatzkammer täglich außer dienstags von 9.00 bis 17.00 Uhr geöffnet, der Eintritt kostet zwölf Euro.
Um die historischen Zusammenhänge der Schätze besser zu verstehen, empfiehlt sich ein Audioguide. Besonders Interessierte können mit einwöchiger Voranmeldung eine Privatführung reservieren. Sie tauchen so anhand der einzigartigen Exponate tief in die Geschichte von Europa ein.

































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