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Heckenschütze von Lebach wegen versuchten Mordes verurteilt



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Lebach/Saarbrücken
Heckenschütze von Lebach wegen versuchten Mordes verurteilt
18. September 2015, 14:43 Uhr
Klicken Sie auf das Bild, um eine größere Ansicht zu erhalten. Prozess Heckenschütze von Lebach

Vor dem Saarbrücker Schwurgericht hat am Montag (07.09.2015) der Prozess gegen den mutmaßlichen Heckenschützen von Lebach begonnen. Foto: Becker&Bredel
Wegen versuchten Mordes in 14 Fällen hat das Landgericht den Heckenschützen von Lebach zu einer Haftstrafe von neuneinhalb Jahren verurteilt. Der 27 Jahre alte Mann hatte im Februar 2015 am Waldrand bei Lebach mit einem illegalen Kleinkalibergewehr in Richtung fahrender Autos geschossen.
 
Was geht im Kopf eines Mannes vor, der am frühen Morgen in Richtung der Autos von wehrlosen Berufspendlern schießt? Will er töten? Nimmt er in Kauf zu töten? Oder denkt er sich nichts bei seiner Ballerei? Im Fall des Heckenschützen von Lebach haben die Richter des Saarbrücker Landgerichts nun ihr Urteil gefällt. Sie verurteilten den jungen Mann, der an einer Landstraße bei Lebach in Richtung von 14 Autos geschossen hatte, wegen versuchten Mordes in 14 Fällen, gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen, versuchten Eingriffs in den Straßenverkehr und Verstoßes gegen das Waffengesetz zu einer Gefängnisstrafe von neuneinhalb Jahren. Außerdem ordneten sie die Unterbringung des alkoholabhängigen Angeklagten in einer Entziehungsanstalt an. Wie durch ein Wunder waren in jener Nacht bei Lebach in den 14 Autos nur zwei Menschen verletzt worden.

Eine Kiste Bier am Tag

Die Tat und ihre Vorgeschichte erinnern an einen düsteren Kriminalfilm. Der spätere Angeklagte stammt aus normalen Familienverhältnissen und ging zunächst einen ganz normalen Weg. Als er 13 Jahre alt war, ließen sich seine Eltern scheiden. Vielleicht deshalb, vielleicht aus anderen Gründen begann der Junge zu trinken – und zwar zwei/drei Mal die Woche bis zum Umfallen. Es war in seiner Clique cool, wenn man viel trinken kann. Und er machte mit. Erst war es nur Alkohol, dann kamen nach und nach verschiedene Drogen dazu. Zeitweise sah es so aus, als würde er durch seine Ausbildung oder seine Arbeit als Zweiradmechaniker den Absprung schaffen – aber das klappte nicht. Die Spirale drehte sich abwärts. Schließlich wurde er arbeitslos, lebte von Hartz IV und konsumierte nach eigener Aussage am Tag fast eine Kiste Bier, Haschisch, Amphetamin und was es sonst gerade so gab. Außerdem sah er fern und kümmerte sich um Nachschub. Viel mehr lief nicht in seinem Leben. Also kam schnell Langeweile auf.

Mit dem Moped in den Wald

So war es auch in der Nacht des 19. März 2015. Die ganze Zeit über hatte der 27-Jährige Alkohol getrunken, Drogen konsumiert, ferngesehen und Videospiele gemacht. Aus Langeweile fuhr er nachts mit seinem Geländemoped durch den Wald. Dann bekam er die Idee, auf die Jagd zu gehen. Er zog Bundeswehrkleider an, holte sein illegales, altes Kleinkalibergewehr und fuhr zum alten Steinbruch. Dort habe er versucht, einen Fuchs oder Vögel zu erlegen, so die Einlassung des Angeklagten. Er habe mit einer Taschenlampe in den Wald geleuchtet und gehofft, Tieraugen leuchten zu sehen. Vergebens. Dann habe er gemerkt, dass die Reflektoren an Begrenzungspfosten der Landstraße aufleuchten. Also habe er sich an der Böschung in Position gelegt und auf einen Pfosten gezielt. Aber das Licht habe nicht gereicht. Also habe er gewartet, bis ein Auto kam und den Pfosten zum Leuchten brachte. Dann habe er geschossen. So der Angeklagte.

Pendler auf dem Weg zur Arbeit

Gegen fünf Uhr in der Früh war es an jenem Morgen dunkel und kalt in der Nähe des Waldes bei Lebach. Niemand sah den jungen Mann in Tarnkleidung auf der Böschung, teilweise verdeckt von einem Gebüsch. Er hatte sein Kleinkalibergewehr im Anschlag, zielte ins Dunkel an der Landstraße vor ihm. Dort war morgens um diese Zeit nicht viel los. Ab und zu kam ein Auto vorbei, seine Scheinwerfer erhellten kurze Zeit die dunkle Straße. Es waren Berufspendler auf dem Weg zur Arbeit. Sechzehn dieser Menschen werden jenen Morgen im März wohl nie in ihrem Leben vergessen. Sie saßen in vierzehn Autos, bei deren Vorbeifahrt ein Schuss aus dem Gewehr des jungen Mannes fiel. Dreizehn der Autos wurden direkt getroffen, meist in Höhe der Türen oder Scheiben. Zwei Männer wurden dabei leicht verletzt. Das Ganze dauert etwa eine halbe Stunde.

Was hatte der Mann im Visier?

Die Oberstaatsanwältin wertete das Tun des Angeklagten unter anderem als versuchten Mord in vierzehn Fällen. Sie forderte in ihrem Schlussplädoyer eine Haftstrafe von neun Jahren. Begründung: Der Angeklagte habe in jener Nacht heimtückisch auf die wehrlosen Autofahrer geschossen. Er habe dabei deren Tod billigend in Kauf genommen. Der Angeklagte weist diesen Vorwurf zurück. Er will nicht auf die Autos sondern auf einen Pfosten der Straßenbegrenzung geschossen haben. Die fahrenden Autos habe er aus Versehen getroffen. Er habe gar nicht daran gedacht, dass er Autos treffen oder gar Menschen verletzen könnte. Sein Verteidiger wertet das Ganze deshalb nicht als vielfachen Mordversuch sondern lediglich als mehrfachen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr. Dafür sei eine Haftstrafe von vier Jahren ausreichend, so der Anwalt in seinem Plädoyer. Gemeinsam beantragen Anklage und Verteidigung die Unterbringung des Mannes in einer Entziehungsanstalt.

Urteil der Richter

Die Richter folgten am Ende der Argumentation der Anklage. Sie waren nach der dreitägigen Beweisaufnahme überzeugt, dass der 27-Jährige in jener Nacht gezielt auf die fahrenden Autos geschossen habe. Warum er dies getan habe, das sei nicht mehr zu klären – vielleicht habe er seine Treffsicherheit  mit dem Gewehr testen wollen. Dass er dabei mit jedem Schuss einen oder mehrere der Menschen in den Autos hätte töten können, sei dem jungen Mann bewusst gewesen, so das Gericht weiter. Der Angeklagte habe dies in Kauf genommen, sich damit abgefunden und geschossen. Damit sei jeder Schuss ein Fall des versuchten Mordes gewesen.Insgesamt sei für die Schüsse in jener Nacht eine Haftstrafe von neuneinhalb Jahren angemessen. Außerdem sei die Unterbringung des Mannes in einer Entziehungsanstalt anzuordnen, nachdem er zur Tatzeit unter dem Einfluss von Alkohol gestanden und deshalb vermindert schuldfähig gewesen sein dürfe.

Fazit: Bis der 27-Jährige in Therapie kommt, muss er zwei Jahre und neun Monate seiner Strafe absitzen. Dann kommt er zwei Jahre in die Therapie hinter geschlossenen Mauern. Im Anschluss daran wird er vier Jahre und neun Monate hinter Gittern gesessen haben. Das ist die Hälfte der verhängten Haftstrafe von neun Jahren. Sodann wird entschieden werden, ob er nach Verbüßung dieser „Halbstrafe“ weiterhin im Gefängnis bleiben oder vorzeitig auf Bewährung entlassen werden kann.   
 

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