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Neuer Wirbel um Kanzlerkandidaten der SPD – Für Parteichef Gabriel geht es um alles





Düsseldorf
Kraft weiß es, aber sagt es nicht
Neuer Wirbel um Kanzlerkandidaten der SPD – Für Parteichef Gabriel geht es um alles

dpa-Mitarbeiter Tim Braune,  30. November 2016, 02:00 Uhr
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„Ich weiß, wer es wird, aber ich sage es Ihnen nicht.“ Will sich Hannelore Kraft nur wichtig machen? Foto: dpa/gamarini

Foto: dpa/gamarini
Gabriel, Schulz oder Scholz? Die SPD kann die Unruhe bei der K-Frage nur mit größter Mühe unter dem Deckel halten. Verwirrung stiftet jetzt NRW-Ministerpräsidentin Kraft.

Führt die SPD die Republik an der Nase herum? Montagabend in Düsseldorf. Die „Rheinische Post“ hat zum „Ständehaus-Treff“ geladen, ein großes Event in der Stadt. Natürlich schaut Ministerpräsidentin Hannelore Kraft vorbei. In sechs Monaten wird in Nordrhein-Westfalen gewählt. Die offene K-Frage der Bundespartei passt ihr gar nicht in den Kram. Sie will Klarheit. Und die gibt es längst, wenn man Kraft glauben schenken mag: „Ich weiß, wer es wird, aber ich sage es Ihnen nicht.“ Hat Parteichef Sigmar Gabriel sich also längst durchgerungen, Merkel im Herbst herauszufordern? Oder will Kraft Druck machen?

Auf jeden Fall unterläuft der Satz von Kraft die Strategie der SPD, in der K-Frage dieses Mal nichts zu überstürzen. Vor einer Woche hatte Gabriel seine Genossen in der Bundestagsfraktion aufgerufen: „Bleibt so cool, wie wir es in den letzten Wochen gewesen sind. Dann werden wir 2017 nicht nur den Bundespräsidenten stellen, sondern auch den Bundeskanzler.“ Aber wie cool ist Gabriel selbst? Vor ein paar Tagen brachte er beim Parteitag der Duisburger SPD plötzlich Olaf Scholz als Kandidaten ins Spiel.

Der wird zwar seit Monaten immer wieder mal genannt. Doch in den Zweikampf zwischen Gabriel und Martin Schulz will der Hamburger, der seine große Zeit in der Bundespolitik erst ab 2021 wähnt, nicht eingreifen. Scholz ist dementsprechend sauer. Einen Mitgliederentscheid wird es auch nicht geben. Zwar liebäugeln einzelne Landesverbände und die Jusos damit, weil die Konservativen damit in Frankreich gerade Millionen Bürger mobilisierten.

Gabriels Scholz-Vorstoß war aber wohl ohnehin nur eine Nebelkerze. Das wirkliche Endspiel findet zwischen ihm und Schulz statt. Zwar spricht sehr viel dafür, dass Gabriel es macht. Doch der Vorsitzende habe auch Momente, in denen er wieder zaudere, berichten informierte Genossen. Fast täglich erreichen die SPD Umfragen, in denen Schulz um Längen vor Gabriel liegt. Für den Vizekanzler geht es um alles.

Schulz, dessen Wechsel aus Brüssel weite Teile der SPD elektrisiert hat und die Chance für einen personellen Aufbruch bietet, würde auch den Parteivorsitz beanspruchen, wenn er Kanzlerkandidat wird. Allen in der SPD-Führung ist klar, dass der Wahlkampf 2017 in einer Hand vereint sein muss. Für das Auswärtige Amt müsste dann wohl jemand anderes als Schulz gefunden werden. Am einfachsten wird sich das Personalpuzzle auflösen, wenn Gabriel zugreift. Dann würde Schulz „nur“ Außenminister. Noch nicht völlig ausgeschlossen ist, dass ein Kanzlerkandidat Gabriel das Kabinett verlassen würde, um mehr Beinfreiheit für Attacken auf die Kanzlerin zu bekommen.

Wie sehr das Verhältnis zwischen Gabriel und Schulz durch die neue Rivalität gelitten hat, darüber gibt es widersprüchliche Informationen. Am Montagabend – just als Kraft in Düsseldorf den Mund spitzte, aber nicht pfiff – twitterte Gabriel ein Foto aus Wien. Darauf ist der Vizekanzler in trauter Runde mit Schulz zu sehen.



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