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Weltuntergang mit Verspätung





Weltuntergang mit Verspätung
Von epd-Mitarbeiter Stephan Cezanne,  03. Dezember 2012, 00:16 Uhr
Klicken Sie auf das Bild, um eine größere Ansicht zu erhalten. tt-untergang4-fotolia

Die Welt geht am 21. Dezember unter, so prophezeit es der Kalender der Maya. Doch Endzeit-Forscher raten zu Gelassenheit. Unser Foto zeigt einen historischen astronomischen Maya-Kalender - in eine Steinplatte geschlagen.

Foto: fotolia

Der Himmel beginnt zu kochen!" - "Die Natur stürzt in die gellende Leere! In 20 Sekunden ist das Universum am Ende! Und da, das Licht der Unendlichkeit bricht über uns herein!" - So stellt sich der britische Satire-Autor Douglas Adams (1952-2001) in seiner schrillen Kultroman-Serie "Per Anhalter durch die Galaxis" den Weltuntergang vor, die "größte Show des


 
Der Himmel beginnt zu kochen!" - "Die Natur stürzt in die gellende Leere! In 20 Sekunden ist das Universum am Ende! Und da, das Licht der Unendlichkeit bricht über uns herein!" - So stellt sich der britische Satire-Autor Douglas Adams (1952-2001) in seiner schrillen Kultroman-Serie "Per Anhalter durch die Galaxis" den Weltuntergang vor, die "größte Show des Universums".

Folgt man den Warnungen esoterischer Kreise, könnte es auch in der Realität bald spannend werden. Grund: Um den 21. Dezember 2012 herum soll Außerordentliches passieren - vielleicht eine ungeheuerliche Katastrophe, vielleicht ein Quantensprung des menschlichen Bewusstseins, auf alle Fälle eine Umwertung von allem, was bisher da war. Allerdings spricht in der Esoterik-Szene kaum noch jemand von Weltuntergang, sondern vielmehr von einem bevorstehenden spirituellen Bewusstseinswandel.

Die bekannteste der Voraussagungen im Umfeld des Datums 21. Dezember 2012 ist der Maya-Kalender - neben Prophezeiungen der Hopi-Indianer und Weissagungen des legendären Nostradamus (1503-1566). An diesem Tag ende abrupt der Langzeitkalender der alten mittelamerikanischen Maya-Kultur, heißt es. Dies sei zugleich das Ende der menschlichen Zivilisation, wird geraunt.

Erster Auslöser für diese Spekulationen war Mitte der 80er Jahre ein Buch mit dem Titel "Der Maya-Faktor". Wissenschaftler halten das Ganze schlicht für Hirngespinste. Der Maya-Kalender endet nicht, sondern springt lediglich in eine neue Epoche um - vergleichbar mit dem Sprung 1999 auf 2000, erklärt der Münsteraner Mediziner und Sachbuch-Autor Thomas Grüter ("Faszination Apokalypse"). Grüter: "Selbst heutige Maya-Indianer haben klargestellt, dass die Prophezeiungen aus ihrer Sicht völliger Blödsinn sind."

Der Endzeit-Forscher ruft zu Gelassenheit auf. Man sollte das weitgehend ignorieren, sagt Grüter dem Evangelischen Pressedienst epd. "In den letzten 50 Jahren hat es für fast jedes Jahr eine Untergangsprophezeiung gegeben. Natürlich musste man das genauso wenig ernst nehmen wie die Spekulationen rund um den 21. Dezember 2012."

Seit Jahrzehnten plagen apokalyptische Ängste und Fantasien die westlichen Gesellschaften, auch in Film und Literatur, bilanziert der evangelische Theologe Ulrich H. J. Körtner von der Universität Wien mit Blick auf Katastrophen-Filme wie "2012" von Roland Emmerich. Der Fortschrittsoptimismus der Moderne werde von einer "Unterströmung apokalyptischen Denkens" begleitet, schreibt Körtner im Magazin "zeitzeichen". Dies beschränke sich nicht auf Sekten, die immer schon Endzeiterwartungen gehegt haben.

Grüter zufolge gibt es eine "sehr unangenehme Form" des Endzeitglaubens in den USA. Als Beispiel nennt er eine rund zehn Jahre alte "Newsweek"-Umfrage, der zufolge 45 Prozent der Christen in den USA glauben, dass die Welt in einer Schlacht zwischen Gut und Böse enden werde, dieser Endkampf unmittelbar bevorstehe und die Christen aufgerufen seien, diesen Kampf auf der Seite der Guten zu führen. Diese apokalyptische Weltsicht sei viel gefährlicher als "alle Untergangsprophezeiungen, die sich auf irgendwelche Mayas oder Hopis berufen".

Der Zukunftsforscher Horst W. Opaschowski plädiert angesichts von Endzeit-Spekulationen für mehr Optimismus: "Die Menschen sollen zukunftshungrig werden." Zukunftsorientierung jedoch werde in der öffentlichen Diskussion weitgehend ausgeblendet, kritisierte Opaschowski, der von 1979 bis 2010 wissenschaftlicher Leiter der Stiftung für Zukunftsfragen in Hamburg war. Zu den Prophezeiungen rund um den Maya-Kalender sagt der Wissenschaftler: "Ganz schnell vergessen."

Historikern zufolge treten Endzeiterwartungen immer dann auf, wenn die Zeit und Umwelt als belastend, ja unerträglich erfahren wird. Doch in Europa und weltweit sind Pessimismus und Fatalismus nicht angebracht, meint Opaschowski: "Wir leben nun einmal in unruhigen Zeiten: In einer Ära von Dauerkrisen inmitten von Finanz-, Wirtschafts-, Umwelt- und Gesellschaftskrisen."

Wann nun geht der Welt wirklich die Luft aus? Aufgrund der zunehmenden Leuchtkraft der Sonne wird die Erde in etwa 500 Millionen Jahren "voraussichtlich zu heiß für höheres Leben sein, und in etwa 1,5 Milliarden Jahren verkochen die Ozeane", gibt Thomas Grüter neuere Berechnungen von Astrophysikern wieder. Grüter: "Weil die Menschen dann längst ausgestorben sein werden, müssen wir uns darum keine besonderen Sorgen machen."

Hintergrund

Um den 21. Dezember 2012 herum wird in der Esoterik-Szene ein besonderes Ereignis erwartet. Die Prophezeiungen reichen von der kompletten Zerstörung des Planeten bis zum Beginn eines neuen - besseren - Zeitalters. Wissenschaftler halten das Ganze schlicht für großen Unfug. Die bekannteste Voraussage beruft sich auf den Maya-Kalender. Dieser soll Ende 2012 abbrechen. Bernd Harder von der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften widerspricht dieser Auslegung: "Unser Kalender endet ja auch nicht am 31. Dezember dieses Jahres, sondern er fängt einfach am anderen Tag wieder von vorne an. Das ist beim Maya-Kalender genau dasselbe, nur dass die Epoche länger ist."

Weitere Theorien zum 21. Dezember 2012 stützen sich auf den Arzt und Astrologen Nostradamus, der im 16. Jahrhundert für Ende 2012 großes Unheil prophezeit haben soll. Genauso sollen die Hopi-Indianer eine Zeit großer Umwälzungen für dieses Datum vorausgesagt haben.

Ein mysteriöser Planet Niribu nähert sich anderen Mutmaßungen zufolge im Dezember 2012 mit seinen Bewohnern, den Annunaki, der Erde. Rund alle 3600 Jahre trete Nibiru in die inneren Regionen unseres Sonnensystems ein und verursache große Katastrophen, heißt es auf diversen Webseiten. Dazu erklärte das Nasa-Institut für Astrobiologie: "Nibiru und andere Geschichten über unberechenbare Planeten sind Internet-Scherze." Es gebe dafür keine Basis an Fakten. epd



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