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Europa-Richter rütteln an Preisbindung für Arznei und stärken Internet-Apotheken





Saarbrücken/Luxemburg
Sorge um Land-Apotheken im Saarland
Europa-Richter rütteln an Preisbindung für Arznei und stärken Internet-Apotheken

mzt/dpa,  20. Oktober 2016, 02:00 Uhr
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Werden Pillen aus dem Internet billiger? Foto: dpa

Foto: dpa
Der EU-Gerichtshof hat die Medikamenten-Preisbindung in Deutschland beanstandet und Sorgen um ländliche Apotheken geweckt. Ihnen könnte die Internet-Konkurrenz aus dem Ausland schaden.

Ein wegweisendes Urteil des Europäischen Gerichtshofs löst bei den Apotheken in Deutschland Alarmstimmung aus. „Wir sind entsetzt“, sagte Carsten Wohlfeil, Geschäftsführer der Apothekerkammer des Saarlandes. Er befürchtet, dass viele Apotheken – insbesondere auf dem Land – schließen müssen. „Mittelfristig wird die Versorgung – gerade wenn ich ans Nordsaarland denke – problematisch“, sagte Wohlfeil.

Die Luxemburger Richter kippten gestern für Versandapotheken im EU-Ausland die Preisbindung, die in Deutschland für rezeptpflichtige Medikamente gilt. Diese Preisbindung schränke den grenzüberschreitenden freien Warenverkehr ein und verstoße damit gegen EU-Recht, heißt es in dem Urteil (Az.: C-148/15). Nach bestehender Gesetzeslage können Pharmaunternehmen zunächst festlegen, zu welchen Preisen sie Arzneimittel an Apotheken und Großhändler in Deutschland abgeben. Diese dürfen dann jedoch nur einheitlich festgeschriebene Zuschläge erheben. Dadurch kostet ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel überall dasselbe. Daran mussten sich bisher auch Versandapotheken mit Sitz im EU-Ausland halten.

Jetzt rechnet Wohlfeil damit, dass Versandapotheken wie Doc Morris mit Rabatten massiv vor allem um chronisch kranke Patienten werben. Die Umsätze von Landapotheken hängen nach Einschätzung des Apothekerkammer-Geschäftsführers aber stark gerade von dieser Kundengruppe ab. Müssten Apotheken vor Ort aufgeben, leide die Versorgung. Zum Beispiel „macht der Versandhandel keinen Notdienst“, sagte Wohlfeil. Als Lösung fordert er ein generelles Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln in Deutschland.

Sorgen, dass auch der Merziger Arzneimittel-Importeur Kohlpharma von dem Urteil betroffen ist, sind offenbar unbegründet. „Es hat keine wirtschaftlichen Auswirkungen“, sagte ein Firmensprecher. Das Urteil beeinflusse nicht die Herstellerabgabepreise. > , Meinung



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