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Der Google-Konzern wird Gesellschafter beim Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Saarbrücken





Saarbrücken
Software-Allianz der Marke Saarland
Der Google-Konzern wird Gesellschafter beim Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Saarbrücken

07. Oktober 2015, 00:00 Uhr
Klicken Sie auf das Bild, um eine größere Ansicht zu erhalten. Pressekonferenz Google und DFKI

Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Saarbrücken gibt am Dienstag (06.10.2015) gemeinsam mit Google Deutschland eine Pressekonferenz. Im Bild (v.l.): Dr. Wieland Holfelder von Google Germany GmbH, Prof. Dr. Wolfgang Wahlster vom DFKI und Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer. Foto: Becker&Bredel
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Wolfgang Wahlster
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Wieland Holfelder
Beim DFKI lernen Computerprogramme, Bilder und Texte zu verstehen. Diese Technologie soll künftig in Kooperation mit dem Internetkonzern Google weiterentwickelt werden. Ein Ziel sind Programme, die Kinderpornografie automatisch erkennen.


 
Saarbrücken. Was bewegt einen der größten Software-Konzerne der Welt mit über 55 000 Mitarbeitern, sich um einen Gesellschafteranteil und einen Sitz im Aufsichtsrat eines Forschungsinstituts im Südwesten Deutschlands zu bewerben, das nur ein Hundertstel dieser Größe hat? Die Antwort ist einfach: Dies ist die führende Forschungseinrichtung ihrer Art in Deutschland. Auf diese Formel ließen sich gestern Nachmittag in Saarbrücken die Festreden zur Aufnahme des Google-Konzerns in die Gesellschafterversammlung des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI)bringen.

Das DFKI zähle im internationalen Maßstab zu den ersten Adressen auf seinem Forschungsfeld, lobte Wieland Holfelder, Engineering Director bei Google-Deutschland, in seiner Ansprache. Beide Partner kennen sich schon geraume Zeit. Bei Verfahren des digitalen Sprachverstehens, der Kartografie und der Bilderkennung arbeiten sie bereits seit knapp zehn Jahren zusammen – neun Google-Forschungspreise gingen in dieser Zeit an DFKI-Informatiker. Rund eine Million Euro investiert der Google-Konzern jetzt in DFKI-Projekte, so Geschäftsführer Wolfgang Wahlster beim Festakt in Saarbrücken. Diese Zusammenarbeit soll nun erweitert werden. Dabei werde unter anderem ein Projekt der Verbrechensbekämpfung eine Rolle spielen, bei dem das DFKI mit dem Google-Konzern kooperiert, so Wahlster. Die Saarbrücker Informatiker haben eine Software zur Bildanalyse entwickelt, die Kinderpornografie im Internet automatisch erkennen könne. Das Programm, das auch bei Interpol, dem BKA und der Schweizer Bundespolizei eingesetzt werden solle, könne nicht nur allgemein zugängliche Webseiten analysieren, sondern auch ins sogenannte Deep-Web vordringen. Mit diesem Fachausdruck wird der Teil des World Wide Web bezeichnet, dessen Adressen über normale Suchmaschinen niemals zugänglich sind. Der Software-Sensor, der auf am DFKI entwickelte Verfahren der Bildanalyse setzt, könne auch auf andere Bildinhalte abgerichtet werden. Das würde es dann unter anderem erlauben, typische Videos von Terrororganisationen zu erkennen. Video-Portale wie Youtube und Suchmaschinen-Betreiber – hier schließt sich der Kreis zu Google – seien mit einem solchen Bild-Detektor in der Lage, illegales Material aus ihren Online-Datenbanken zu verbannen.

Es sind solche Techniken der Inhaltsanalyse von Fotos, Filmen, gesprochener und geschriebener Sprache, aber auch von Geodaten, die das DFKI zu einem begehrten Kooperationspartner gemacht haben. Ein DFKI-Projekt, das Google-Direktor Wieland Holfelder ansprach, zielt auf ein Navigationssystem, das in Gebäuden funktionieren und es im Google-Art-Projekt Museumsbesuchern erlauben soll, sich in einer großen Ausstellung besser zurechtzufinden. Im Übersetzungsdienst Google Translate stecken bereits Algorithmen eines anderen DFKI-Projekts, so Wolfgang Wahlster, und auch an der Erweiterung des sogenannten Knowledge Graph im Ausgabefenster der Google-Suchmaschine arbeiten Informatiker aus Saarbrücken mit. Selbst beim Auto der Zukunft gibt es erste Bande zwischen dem Saarbrücker Informatikinstitut und dem Google-Konzern. Ein aus dem DFKI heraus gegründetes Unternehmen hat gerade einen kompletten Fahrsimulator in die USA verschifft.

60 solcher Unternehmen, fünf allein in diesem Jahr, seien von DFKI-Wissenschaftlern gegründet worden, so Wahlster. Ein Grund, weshalb sich die Saarbrücker Forschungs-GmbH auch in wirtschaftlicher Hinsicht für das Saarland auszahle, so Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) in ihrer Festrede. Die Kooperation mit Google eröffne eine „Riesenbandbreite an Einsatzmöglichkeiten“, so Annegret Kramp-Karrenbauer. Für die Informatiker des Saarbrücker Forschungsinstituts biete die Kooperation mit diesem Unternehmen, das weltweit 2,5 Milliarden Nutzer zählt, die einmalige Chance, Anwendungen für einen riesigen Nutzerkreis zu programmieren, so Wolfgang Wahlster. „Kein anderes Unternehmen hat mehr Reichweite im Internet als Google.“

 

Zum Thema:

Das DFKI wurde im Jahr 1988 in Saarbrücken gegründet. Es zählt heute zu den größten Forschungszentren auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz. Zu seinen 17 Gesellschaftern aus der Industrie zählen neben Google, SAP, der Software AG und Microsoft Deutschland auch Airbus, BMW, Post und Telekom. Die Zentrale des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz sitzt in Saarbrücken, weitere Forschungsstandorte sind Kaiserslautern und Bremen. Am DFKI forschen derzeit über 450 Mitarbeiter und 350 Studenten. Die GmbH erzielte im vergangenen Jahr rund 41 Millionen Euro Umsatz. byl


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