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„Die Alternative wäre, die Menschen ersaufen zu lassen“





Saarbrücken
„Die Alternative wäre, die Menschen ersaufen zu lassen“
21. März 2017, 02:00 Uhr

„Sea-Eye“ hat bereits über 5500 Menschen aus dem Mittelmeer gerettet – und wird dafür auch angefeindet, sagt Sprecher Hans-Peter Buschheuer.

Spielen Sie mit „Sea-Eye“ Schleuserbanden in die Hände?

Nein, natürlich nicht. Das ist ein politischer Vorwurf, den wir oft von Rechten, aber auch von Frontex hören. Die Alternative zu unserer Arbeit wäre doch, die Menschen ersaufen zu lassen. Und das kann einfach nicht der humanitäre Anspruch unserer Gesellschaft sein.

Aber ermuntern Sie Menschen durch Ihre Präsenz im Mittelmeer nicht erst zur Flucht?

So wird es gerne hingedreht. Aber die Realität sieht doch anders aus. Die Menschen, die sich vor der libyschen Küste versammeln, um die gefährliche Überfahrt übers Mittelmeer zu wagen, sind bereits Monate oder sogar Jahre unterwegs. Geflüchtet vor Krieg und Tod in ihrer Heimat, – und nicht, weil sie unbedingt zu uns kommen wollten. Sea-Eye ist da nur ein Strohhalm, den sie ergreifen, um sich zu retten. Unsere Rettungsboote sind keine Taxis. So etwas zu glauben, ist zynisch.

Warum gibt es Ihre Organisation?

Wir haben uns 2015 als Reaktion auf die Einstellung von „Mare nostrum“ gegründet. Die italienische Marine-Operation rettete hunderttausende Flüchtlinge vor dem Tod im Mittelmeer. Doch dann wurde sie gestoppt. Der Grund? Der altbekannte Vorwurf: Die Seenotretter sorgen erst dafür, dass Flüchtlinge kommen. Nur: Bis heute machen sich weiter unzählige Flüchtlinge auf den Weg nach Europa, weiter über das Meer – und drohen dort zu ertrinken. Die Annahme war also falsch.

Wie viele Menschen haben Sie bereits gerettet?

Exakt 5568.

Honoriert das die Bevölkerung – in Zeiten der Flüchtlingskrise?

Da hat sich eigentlich nichts geändert. Die, die uns schon vorher gehasst haben, hassen uns noch immer. Und die, die einen humanitären Anspruch haben, stehen weiter hinter uns. Das zeigt sich auch am ungebrochenen Spendenaufkommen.

Das Gespräch führte Pascal Becher.


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