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Wirtschaftsstudie zeigt: Unsere Nachbarn lieben Kleidung, Kosmetik und die Küche in der Landeshauptstadt





Saarbrücken
Warum es Franzosen ins Saarland zieht
Wirtschaftsstudie zeigt: Unsere Nachbarn lieben Kleidung, Kosmetik und die Küche in der Landeshauptstadt

Von  Hélène Maillasson, 
19. Oktober 2016, 02:00 Uhr
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Besonders beliebt bei den französischen Nachbarn: die irische Textil-Kette Primark in der Bahnhofstraße. Nächstes Jahr will das Unternehmen aber auch eine Filiale in Metz eröffnen. Foto: Oliver Dietze, Bearbeitung: SZ

Foto: Oliver Dietze, Bearbeitung: SZ
Die Lothringer geben gerne Geld im Saarland aus – vor allem in der Hauptstadt Saarbrücken. Viele Kaufleute haben sich auf diese Kundschaft eingerichtet und profitieren davon. Doch die Konkurrenz erhöht den Druck.

Es ist Samstagnachmittag in Saarbrücken: Wer in der Bahnhofstraße stehen bleibt, die Augen schließt und nur den Gesprächen der Passanten lauscht, könnte fast meinen, er wäre in Frankreich. Vor allem am Wochenende strömen die Nachbarn Richtung Saarland, um einzukaufen – zum Segen für den hiesigen Einzelhandel. Und dieser Segen könnte noch größer sein, ist man bei der Industrie- und Handelskammer des Saarlandes (IHK) überzeugt – und hat daher erstmals eine Studie in Auftrag gegeben, die Aufschluss über das Konsumverhalten der Franzosen im Saarland geben sollte. „Für viele saarländische Geschäfte, insbesondere im Raum Saarbrücken, hat sich der Anteil der französischen Kunden zu einer festen Größe ihrer Einnahmen und damit zu einem entscheidenden Beitrag ihres Geschäftserfolges entwickelt“, sagt Leander Wappler von der IHK. Es gelte, diesen Anteil zu halten, beziehungsweise auszubauen. Dabei soll die nun vorliegende Untersuchung des Instituts für Konsum- und Verhaltensforschung an der Saar-Uni helfen.

Ein wichtiges Ergebnis: Französische Kunden kommen in der Regel nicht allein zum Einkaufen ins Saarland. Am liebsten gehen sie mit ihrer Familie (45 Prozent) oder Freunden (33 Prozent) auf Shopping-Tour, wie die Befragung von 226 Personen ergab. „Der grenzüberschreitende Konsum gilt als soziales Erlebnis“, folgert die Studie. Am häufigsten wird das Einkaufen mit einem Restaurantbesuch (47 Prozent) verbunden. Hier könne man ansetzen, um die Angebote zu verbessern, meint Wappler. Dazu müssten die lokalen Akteure aus Einzelhandel, Gastronomie und Kultur noch stärker an einem Strang ziehen. Bei ihren Shopping-Touren bevorzugen die Franzosen das Bewährte. „Je vertrauter die Geschäfte sind, desto häufiger kaufen sie im Saarland ein“, heißt es in der Studie. Das bestätigt auch Alexander Hauck, Geschäftsführer der City-Marketing Saarbrücken. „Die City von Saarbrücken hält viele Vorteile bereit, zum Beispiel Warensortimente mit geringem Beratungs- und Erklärungsbedarf, die in der Regel ohne Sprachbarrieren einfach konsumiert werden können, auf einer geraden Strecke zwischen St. Johanner Markt und Europa-Galerie.“

Die Franzosen kaufen dort der Studie zufolge am häufigsten Kleidung und Accessoires (65 Prozent). Sie fahren aber auch gerne in den Globus zum Lebensmitteleinkauf. Das Warenhaus ist mit 16 Prozent das beliebteste Ziel – neben der Drogeriekette dm (15 Prozent). An dritter Stelle folgt der Textil-Discounter Primark in der Saarbrücker Fußgängerzone (acht Prozent).

Doch Saarbrücken bekommt zunehmend Konkurrenz. So können die Lothringer bald im eigenen Land bei Primark einkaufen – im Metzer Einkaufscenter Muse, das in knapp einem Jahr eröffnen soll. Und vor einem Monat wurde in Farébersviller – 25 Kilometer vor Saarbrücken – der Grundstein für ein weiteres 55 000 Quadratmeter großes Einkaufszentrum gelegt. „Wir schauen uns diese Entwicklung genau an, doch grundsätzlich werden die Vorteile Saarbrückens davon unberührt bleiben“, sieht Sebastian Kurth, Leiter der Europa-Galerie, keinen Grund zur Sorge. „Wir sind hier mitten in der Stadt, ein paar Minuten von der Grenze entfernt, und die Menschen, die zu uns kommen, können auch von der ganzen Stadt profitieren.“ Die Verkehrsanbindung spielt in der Tat eine große Rolle für die Attraktivität: „Je positiver die Infrastruktur beurteilt wird und je geringer der Zeitaufwand empfunden wird, um im Saarland einzukaufen, desto häufiger kaufen französische Konsumenten im Saarland ein“, heißt es in der Studie.

Auch die Französischkenntnisse des Verkaufspersonals werden laut Untersuchung geschätzt. Das haben die meisten Geschäftsleute in Saarbrücken umgesetzt. „Im Center ist alles zweisprachig. Außerdem machen wir gezielt Werbung in Frankreich und auf Französisch“, sagt Kurth. Max Schoenberg, Vorsitzender des Saarbrücker Vereins für Handel und Gewerbe, denkt darüber hinaus. „Saarbrücken sollte auf sein internationales Flair setzen.“ In seinen Mode- und Schuhgeschäften werden die Kunden in verschiedenen Sprachen bedient. Das komme gut an. Und Werbung für Saarbrücken komme dem gesamten Land zugute, meint Schoenberg. Viele ausländische Kunden kennen nur die Landeshauptstadt. „Doch wer bei mir einkauft und nach einem Ausflugstipp fragt, dem empfehle ich gerne die Völklinger Hütte oder die Altstadt in St. Wendel“, sagt Schoenberg.



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