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Mehrere hundert Gäste bei Trauerfeier für Werner Zimmer





Saarbrücken
Bewegender Abschied von einer Größe des Sports
Mehrere hundert Gäste bei Trauerfeier für Werner Zimmer

Von  Peter Wagner, 
12. Mai 2015, 00:00 Uhr
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Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer würdigte die Ausstrahlung und die Freundlichkeit des verstorbenen Werner Zimmer. Fotos: Dietze
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FCK-Boss Stefan Kuntz schreibt ins Kondolenzbuch.
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Die Fußball-Idole Uwe Seeler (l.) und Franz Beckenbauer waren Weggefährten und Freunde für Werner Zimmer.
Ein Mensch, der viel zu erzählen hatte, aber noch lieber zuhörte – so bleibt der große saarländische Sportjournalist Werner Zimmer in Erinnerung. Sein Lebenswerk wurde gestern bei einer Trauerfeier gewürdigt.


 
. Dem Journalisten Werner Zimmer, so beschrieb es SR-Intendant Thomas Kleist, sei immer wichtig gewesen, dem Zuschauer bestmögliche und umfassende Berichterstattung zu bieten. Auch die Trauerfeier für den als „Mister Sportschau“ bekannten Fernsehmoderator gestern in der Saarbrücker Congresshalle trug markante Züge der Zimmerschen Berufsauffassung: Prägnant, zügig, und dennoch höchst würdevoll wurde seines Lebenswerks gedacht. „Es fehlte rein gar nichts, und keiner hat etwas doppelt gesagt“, brachte es ein Weggefährte auf den Punkt. Zimmer war am 20. April im Alter von 78 Jahren gestorben.

Die wenigsten der mehreren hundert Gäste im großen Saal des Hauses dürften eine solch harmonische Kombination aus weltlicher und christlicher Abschiedsfeier je miterlebt haben. Die eigentliche Beerdigung des St. Ingberters hatte bereits im Familienkreis stattgefunden. Monsignore Stephan Wahl und der SR-Journalist und Theologe Georg Gitzinger geleiteten die Gäste durch das Programm aus Reden, liturgischen Elementen und Musik, dargeboten von Mitgliedern der Radio-Philharmonie Saarbrücken und Kaiserslautern. Gemeinsam wurde das Vater Unser gebetet, es wurden Fürbitten gelesen, und zum Abschluss intonierten die Musiker die Liverpooler Fußballer-Hymne „You'll never walk alone“ – „Du gehst nie allein“. In modernen Zeiten, in denen vieles „etwas später“ anfängt als angekündigt, abgesehen von Gottesdiensten und Fußballspielen, passte wunderbar, dass die Gedenkfeier wie verheißen um Schlag 12 Uhr begann. Eingeladen hatten der Landessportverband, der Saarländische Leichtathletik-Bund und der Saarländische Rundfunk.

Werner Zimmer hatte dank seines Berufes viele Menschen kennengelernt und blieb mit vielen Größen des Sportes auch Freund statt nur journalistischer Begleiter. Was sie an ihm schätzten, verrieten der Hamburger Axel Lange aus der Prominenten-Gruppe der „Schneeforscher“ und Horst Zingraf, Ex-Torhüter von Saar 05, beide Freunde der Familie: dass Werner Zimmer ein feiner Kerl gewesen sei, der verlässlich Zuwendung bot. Und der außerdem eine Gabe besaß, die man bei Menschen mit so großen Hintergründen selten erlebt: zuhören können. Zuhören statt von sich erzählen! Die „Schneeforscher“, die zusammen golfen, Ski fahren und Geld für wohltätige Zwecke sammeln, waren unter anderem mit Franz Beckenbauer, Uwe Seeler und Erich Ribbeck vertreten. Den deutschen Sport repräsentierten in Saarbrücken der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Alfons Hörmann, sowie der Präsident des Deutschen Fußball Bundes, Wolfgang Niersbach.

Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer nannte Werner Zimmer eine „berührende Persönlichkeit“ mit einer „Ausstrahlung, die ihn aus dem Alltag hob“. Die „Haltung“, die er verkörpert habe, „sei nicht die Wahrung des Scheins gewesen, sondern Ausdruck der Menschenfreundlichkeit“. Kramp-Karrenbauer sagte, dass sie ihn jetzt am liebsten im Saal sitzen sähe, „lächelnd, leicht geneigter Kopf, nickend, wenn ihm was gefällt. Leichtes Hochziehen der Augenbraue, wenn etwas nicht so gut war.“ Bei dieser Beschreibung lächelten und nickten viele mit. Die Ministerpräsidentin zitierte aus einem Lied von Herbert Grönemeyer: „Du hast jeden Raum mit Sonne geflutet.“ Und Kramp-Karrenbauer würdigte auch die Verdienste Zimmers für das Saarland. Es sei ihm Anliegen gewesen, für die Menschen im Saarland etwas zu erreichen.

Dazu zählte auch sein unermüdlicher Einsatz für die Fernseh-Berichterstattung über die Tour de France. Thomas Kleist verriet, wie Zimmer, bereits zehn Jahre in Rente, im Juli 2011 die journalistischen Kollegen aufmunterte, nachdem die ARD beschlossen hatte, im nächsten Jahr auf Direktübertragungen von der Tour zu verzichten. „Ich kann die doch nicht allein lassen“, habe er gesagt, und am Ziel des Rennens in Paris Wein aus Pappbechern und Lyoner ausgegeben.

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Zur PersonWerner Zimmer, 1936 in Schaffhausen geboren, war der bekannteste saarländische Sportjournalist. Von 1966 bis 1993 moderierte er „Die Sportschau“ der ARD und berichtete von Großereignissen in aller Welt. In jungen Jahren ein sehr guter Läufer, kam er als Student zu Jobs beim Saarländischen Rundfunk, wo er Karriere bis zum stellvertretenden Intendanten machte. Zimmer war Präsident des Saarländischen Leichtathletik-Bundes und Vizepräsident des Landessportverbandes des Saarlandes. wp


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