Sie sind hier: HomePolitikSZ-Artikel aus der Druckausgabe

Eine Sturmwarnung verdirbt den meisten Narren im Saarland den Rosenmontag – Gefeiert wird dennoch kräftig





Tränen, Trotz und ein paar positiv Verrückte
Eine Sturmwarnung verdirbt den meisten Narren im Saarland den Rosenmontag – Gefeiert wird dennoch kräftig

Thomas Schäfer,den SZ-Lokalredaktionen,  09. Februar 2016, 02:00 Uhr
Klicken Sie auf das Bild, um eine größere Ansicht zu erhalten.

Da war die gute Laune zurück: Lena Pirritano, Beate Becker, Monika Kuhl und Ellen Ysmail (von links) beim närrischen Treiben im Bürgerhaus Burbach. Foto: Andreas Lang Foto: Andreas Lang
Frau Antje, das erzählte sie gestern ganz offen, musste weinen. Es waren keine Freudentränen. Als gegen 7 Uhr in der Früh feststand, dass der Umzug durch Burbach, der größte im Saarland mit Jahr für Jahr weit über 100 000 Zuschauern, nicht stattfindet, waren Beate Becker und die restlichen Antjes aus Holland ganz schön traurig. In ihren schönen Kostümen, „alles selbst genäht“, hatten sich die rund 50 „Daarler Dabbese“ doch so auf den alljährlichen Umzug gefreut. Am Nachmittag im Burbacher Bürgerhaus versuchten sie, das Beste aus dem ungewohnten Rosenmontag zu machen. „Wir lassen es immer krachen“, versprach Frau Antje mit einem breiten Lächeln im Gesicht.

Auch der Mittvierziger Achim war gestern zunächst „sautraurig“. Gemeinsam mit einer Gruppe gruseliger Gesellen war er für den Burbacher Umzug aus Esslingen bei Stuttgart angereist – und dann das. Im Bürgerhaus hatte sich seine Laune aber wieder schnell gebessert. „Wir kommen nächstes Jahr wieder, keine Frage.“ Außerdem waren die Esslinger sonntags schon beim Umzug in Dudweiler dabei, „traumhaft“ sei der gewesen.

Für die Karnevalsgesellschaft „Mir sin do“ war der diesjährige Rosenmontag dagegen ein Albtraum. „Es ist nicht zu ändern, wir machen es uns jetzt hier im Bürgerhaus gemütlich“, sagte Präsident Josef Weiß, der den Umzug in Abstimmung mit Feuerwehr und Polizei abgesagt hatte. „Unser Sicherheitskonzept sieht vor, dass der Zug ab Windstärke 8 abgesagt wird. Das hat uns allen leidgetan – aber was will man machen?“ Ein Ersatz-Umzug sei aus organiatorischen Gründen nicht machbar, erklärte Weiß, „schon gar nicht kurzfristig“. So tröstete man sich mit der Vorfreude aufs nächste Jahr und genoss ein paar feucht-fröhliche Stunden im trotz allem gut besuchten Bürgerhaus.

Es waren fast überall im Saarland die gleichen Bilder: Statt singend und feiernd durch die Straße zu ziehen, mussten sich die Narren diesmal mit Musik und Tanz in Hallen, Kneipen und Gemeindehäusern begnügen. Von den rund 30 geplanten Rosenmontagsumzügen fanden nach einigem Hin und Her lediglich zwei statt: im Tholeyer Ortsteil Überroth sowie in Gerlfangen im Landkreis Saarlouis. Leichtsinnig oder mutig? In Gerlfangen jedenfalls wollte man nach fünfjähriger Pause unbedingt wieder einen Fastnachtsumzug auf die Beine stellen. Und siehe da: Um 14.11 Uhr, als der Zug eigentlich starten sollte, schien sogar die Sonne – doch es fehlte, abgeschreckt von den Wettervorhersagen, das Publikum. Als sich der Zug mit gut 20 Minuten Verspätung in Bewegung setzte, gab es immerhin mehr Zuschauer als Aktive auf der Straße.

In Überroth mit seinen gut 730 Einwohnern entschieden sich die Organisatoren nach einer Krisensitzung dafür, den Umzug stattfinden zu lassen. Man wollte allen, die sich so viel Arbeit gemacht hatten, eine Chance geben, hieß es. Doch fiel der Entschluss nicht einstimmig. Aber nachdem einige Gefahrenpunkte minimiert und der Startpunkt des Zuges an eine windgeschützte Stelle verlegt worden war, konnten die Narren loslegen. Bei Liedern wie „Oh, wie ist das schön“ spitzte sogar die Sonne über Überroth heraus. „Das haben ein paar positive Irre möglich gemacht“, freute sich der Überrother Sitzungspräsident Ingo Holz.

Nichts ist unmöglich, lautete das Motto auch in Merchweiler. „Wir haben den wahrscheinlich ersten Indoor-Umzug des Saarlandes veranstaltet“, sagte Carsten Boeckmann, Chef der Karnevalsgesellschaft „Mir senn do“. Nach geschätzten 2x11 Minuten war der Umzug der Fußgruppen in der Allenfeld-Halle zwar schon wieder vorbei – Berliner und Bonbons waren aber unters närrische Volk gebracht. Die Improvisation kam prima an.

Andernorts im Saarland wird darüber nachgedacht, den Umzug nachzuholen. So wollen zum Beispiel die Fastnachter in Riegelsberg bis Ende des Monats einen Ersatztermin bekanntgeben.


Teilen und diskutieren

Kommentieren Sie diesen Beitrag über Facebook, Twitter oder Google+:

FACEBOOK
GOOGLE+
TWITTER








Anzeige
Neu für Vereine:
SaarZeitung

Termin melden

Text schicken


ANZEIGE
Beilagen






Anzeige