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Kölner Medien fühlen sich von Polizeiführung „verladen“





Köln/München
Kölner Medien fühlen sich von Polizeiführung „verladen“
epd,  07. Januar 2016, 02:00 Uhr
Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ hat nach den sexuellen Übergriffen gegen Frauen in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof schwere Vorwürfe gegen die Polizei erhoben. Die Polizeiführung habe sich aufgeführt wie ein „Verhörter“, der nie mehr aussage, als er wirklich müsse, sagte der Chefredakteur der Zeitung, Peter Pauls, gestern. Erst nach und nach sei klar geworden, dass die Pressemitteilung der Polizei vom Neujahrsmorgen, in der „friedliche Feiern“ beschrieben wurden, nicht der Wahrheit entspreche. „Es geht hier ja um Informationen, die zwingend von der Polizei kommen müssen: Delikte, Zahl der Verfahren, wie viel Geschädigte, Dunkelziffer“, sagte Pauls. „Montagabend war mir schlagartig klar, dass die Polizeiführung uns verlädt.“

Das erklärte auch der in Köln sitzende Westdeutsche Rundfunk. Er sei auf Grundlage eigener Recherche am 2. Januar auf seiner Webseite in die Berichterstattung eingestiegen – ohne Hinweise auf Täter mit Migrationshintergrund.

Das ZDF erklärte unterdessen, die Entscheidung, in der „heute“-Sendung am Montagabend (4. Januar) nicht über die Übergriffe in Köln zu berichten, sei falsch gewesen. „Die Nachrichtenlage war klar genug“, teilte der stellvertretende ZDF-Chefredakteur Elmar Theveßen mit. „Es war ein Versäumnis, dass die 19-Uhr-,heute‘-Sendung die Vorfälle nicht wenigstens gemeldet hat.“

Ungeachtet dessen kritisierte der frühere Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) die öffentlich-rechtlichen Medien. Es sei „ein Skandal, dass es Tage gedauert hat, bis die öffentlichen Medien die Berichte aufgegriffen“ hätten, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Für den CSU-Politiker „besteht der Verdacht, dass die gebührenfinanzierten Medien ihrem Informationsauftrag nur noch unzureichend nachkommen“.

Der Deutsche Presserat mahnte demgegenüber eine verantwortungsvolle Berichterstattung über den Migrationshintergrund von Straftätern an. Im Fall der massenhaften Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht sei die Nennung des Migrationshintergrundes „noch akzeptabel“.


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