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Ein neuer, zwei Milliarden teurer Sarkophag soll die nächsten 100 Jahre vor den Folgen der Katastrophe schützen





Koblenz
Historischer Tag in Tschernobyl
Ein neuer, zwei Milliarden teurer Sarkophag soll die nächsten 100 Jahre vor den Folgen der Katastrophe schützen

Andreas Stein,Wolfgang Jung (dpa),  30. November 2016, 02:00 Uhr
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Die Metallkonstruktion des Schutzmantels ist 25 000 Tonnen schwer, 108 Meter hoch und 162 Meter lang. „Damit könnte man das Stade de France oder die Freiheitsstatue abdecken“, so die Planer. Die Hülle wurde in den letzten 14 Tagen über die Ruine geschoben. Foto: dpa/photostream Foto: dpa/photostream
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Bild des Grauens: Am 26. April 1986 war ein Test im AKW Tschernobyl außer Kontrolle geraten, Reaktor 4 explodierte. Foto: dpa

Foto: dpa

Nur wenige wissen, dass ein wesentlicher Teil des größten beweglichen Bauwerks der Welt von einer kleinen deutschen Firma stammt. „Wir sind stolz, dass wir bei etwas mitgearbeitet haben, das den Planeten ein bisschen sicherer macht“, sagt der Vertriebsleiter der Koblenzer Kalzip GmbH, Christoph Schmidt. Sie hat 160 000 Quadratmeter dünner Außen- und Innenhaut für den gewaltigen, über 100 Meter hohen Schutzbogen geliefert. Geschäftsführer Jörg Schwall erklärt: „Wir sind Weltmarktführer für Aluminium-Stehfalz-Eindeckungen.“ Damit verkleidet die Firma Fassaden und Dächer. In Tschernobyl hat sie ausnahmsweise hitzebeständigeres Edelstahl verwendet.

In geringerem Maße dort beteiligen sind auch zwei andere deutsche Firmen: Skylotec, ein Neuwieder Hersteller von Absturzsicherungen für die Arbeiter, sowie der Schraubenproduzent EJOT im nordrhein-westfälischen Bad Berleburg. Dieser hat nach Angaben eines Sprechers drei Millionen Schrauben beigesteuert. Das sei zwar nur ein kleiner Teil der Jahresproduktion von acht Milliarden. „Aber es ist ein Prestigeobjekt.“ Ein Skylotec-Sprecher ergänzt: „Tschernobyl kennt jeder. Es ist etwas Besonderes, an diesem Projekt teilzunehmen.“

Für Kalzip ist es einer der beiden größten Aufträge der 1968 begonnenen Firmengeschichte, mit einem Volumen „in kleinerer zweistelliger Millionenhöhe“, wie Geschäftsführer Schwall sagt. Seit 2005 gehört Kalzip zur indischen Tata-Gruppe, die auch die Automarken Jaguar und Land Rover übernommen hat. Vertriebsleiter Schmidt erinnert sich, dass das Projekt in der Firma zunächst „keine große Lobby“ gehabt habe. „Du schickst die Mitarbeiter ja in den Tod“, habe er gedacht. Dann aber habe die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit in einem zweitägigen Seminar Bedenken ausgeräumt. Schwall versichert: „Beim Röntgen beim Arzt hier in Deutschland bekommt man eine höhere Strahlendosis.“ Rund 20 Mitarbeiter meldeten sich freiwillig für den Einsatz in der Ukraine – immerhin erhalten sie eine Erschwerniszulage.



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