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Studie: Jeder zweite Deutsche hält den Islam für eine Bedrohung



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Gütersloh
Studie: Jeder zweite Deutsche hält den Islam für eine Bedrohung
dpa-Mitarbeiter Carsten Linnhoff,  09. Januar 2015, 00:00 Uhr
Eine vor dem Anschlag von Paris durchgeführte Umfrage zeigt: Der Islam macht immer mehr Menschen in Deutschland Angst. 57 Prozent empfinden ihn als Bedrohung. 61 Prozent meinen, er passe nicht in die westliche Welt.
 
Ein türkisches Paar vor einem Weihnachtsbaum: Droht hier die Christianisierung des Morgenlandes? Grünen-Chef Cem Özdemir hat im Dezember auf Facebook ein Foto seiner Eltern eingestellt. Ironischer Begleittext: „Meine das Abendland bedrohenden fundamentalistischen Eltern bei einer islamischen Zeremonie.“ Wer bedroht hier wen? Für Özdemir geht es wohl nicht um Bedrohung, sondern um die Dokumentation: Meine Eltern als türkische Einwanderer haben schon früh Werte der deutschen Gesellschaft übernommen.

Eine gestern vorgestellte Studie der Bertelsmann-Stiftung belegt Özdemirs Befund: Muslime in Deutschland stehen immer mehr zu Staat und Gesellschaft. Je länger sie in Deutschland sind, je mehr Generationen hier aufwachsen, desto größer ist die Identifikation. Generell beschreibt sich die Mehrheit der hochreligiösen Muslime im Land als fromm und liberal.

Özdemirs Ironie zeigt aber auch: Nicht-Muslime nehmen diese Annäherung innerhalb der Gesellschaft kaum wahr. Die Studie bestätigt das. 57 Prozent der befragten Nicht-Muslime empfinden den Islam als Bedrohung. 2012 waren es noch 53 Prozent. Während vor drei Jahren noch 52 Prozent sagten, der Islam passe nicht in die westliche Welt, waren es 2014 bereits 61 Prozent.

Mouhanad Khorchide, Soziologe an der Uni Münster, zeigt sich von der Studie nicht überrascht. „Immer mehr muslimische Frauen sind Akademikerinnen. Trotzdem wird immer das Paradebeispiel der unterdrückten, kopftuchtragenden muslimischen Frau in der Öffentlichkeit strapaziert. Das ist aber nicht das real existierende Bild.“ Er fordert, positive Vorbilder und Erfolge von Muslimen in Deutschland auch zu zeigen. „Das wird einfach zu wenig kommuniziert, nur die negativen Geschichten stehen immer an erster Stelle.“

Detlef Pollack widerspricht Khorchide in einem Punkt. Der Religionssoziologe weist auf den Zusammenhang von Gewalt und Islam hin. „Das Bild des Islam ist eben nicht nur positiv. Fast täglich gibt es Nachrichten über Gewalt im Zusammenhang mit dem Islam. Es ist fast unausweichlich, dass die Menschen in Deutschland Gewalt und Islam verknüpfen, auch wenn das mit der Rolle der Muslime in Deutschland nichts zu tun hat.“ Der Wissenschaftler verweist auf eine ältere seiner Studien, nach der 70 bis 80 Prozent der Befragten den Islam mit Gewaltbereitschaft verbinden. „Das ist ungerecht, denn das spiegelt die Situation der Muslime in Deutschland natürlich nicht wider“, sagt Pollack. Er sieht im Austausch und Kontakt mit Muslimen die einzige Chance, die Vorurteile zu durchbrechen.

Die Angst vor dem Islam ist laut Studie übrigens dort am größten, wo die wenigsten Muslime leben: In Nordrhein-Westfalen, wo jeder dritte deutsche Muslim zu Hause ist, fühlen sich 46 Prozent bedroht. In Thüringen und Sachsen mit nur sehr wenigen Muslimen sind es 70 Prozent.
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