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"Gauck ist für uns untragbar"





"Gauck ist für uns untragbar"
21. Februar 2012, 00:12 Uhr
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Oskar

Lafontaine

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Lafontaine

Herr Lafontaine, die Kandidatenfindung ist an der Linken völlig vorbeigelaufen. Ärgert Sie das?Lafontaine: Mich betrübt es schon, wie die Kandidatur zustande gekommen ist. Zuerst hieß es von der Regierung, man wolle eine überparteiliche Lösung suchen


 
Herr Lafontaine, die Kandidatenfindung ist an der Linken völlig vorbeigelaufen. Ärgert Sie das?

Lafontaine: Mich betrübt es schon, wie die Kandidatur zustande gekommen ist. Zuerst hieß es von der Regierung, man wolle eine überparteiliche Lösung suchen. Nun ist ein koalitionspolitisches Machtgerangel die Grundlage der Kandidatenfindung gewesen, bei dem Kanzlerin Merkel die Verliererin ist.

Hätte die Linke schon vor zwei Jahren Herrn Gauck im ersten Wahlgang mitgewählt, dann wäre dem Land das Debakel um Christian Wulff erspart geblieben. War das ein strategischer Fehler Ihrer Partei?

Lafontaine: Wir schauen auf die Inhalte, die ein Präsidentschaftskandidat vertritt. Herr Gauck ist zum Beispiel für Hartz IV und den Afghanistan-Krieg. Schon deshalb können wir ihn unmöglich unterstützen. Hinzu kommt, dass Gauck die Occupy-Bewegung wegen ihrer Proteste gegen die Bevormundung der Politik durch die Banken kritisiert und herabsetzt. Das ist ebenfalls völlig untragbar.

Gauck ist für die Linke also auch diesmal nicht wählbar?

Lafontaine: Wir können diesen Kandidaten, der etwas aus der Zeit gefallen ist, nicht mittragen. Das gilt heute genauso wie vor zwei Jahren.

Zeitweilig stand die Koalition wegen ihres Streits um die Nominierung Gaucks sogar auf der Kippe. Zumindest das müsste Sie doch gefreut haben.

Lafontaine: Ich empfinde keine Schadenfreude. Unser Interesse muss es sein, dass Deutschland gut regiert wird. Deshalb bedauern wir es, dass Kanzlerin Merkel die Finanzkrise nicht in den Griff bekommt. Anstatt den Finanzmärkten ständig hinterherzuhecheln, muss die Europäische Zentralbank direkt Kredite an die Staaten vergeben. Alles andere macht keinen Sinn.

Macht denn jetzt ein eigener Präsidentschaftskandidat der Linken Sinn?

Lafontaine: Da möchte ich das Ergebnis der Parteigremien abwarten.

Führende Linke wie etwa Bodo Ramelow favorisieren bereits eine eigene Persönlichkeit.

Lafontaine: Jeder Vorschlag wird in unseren Gremien ausführlich beraten werden.

Die Jugendorganisation Ihrer Partei will den Kabarettisten Georg Schramm ins Rennen schicken. Eine gute Idee?

Lafontaine: Auch das ist ein interessanter Vorschlag. Wichtig ist, dass der Kandidat das Vertrauen der Bevölkerung genießt. Der Kandidat Gauck hat in grundlegenden Fragen eine andere Meinung als die Mehrheit der Bevölkerung. Deshalb wird er ihr Vertrauen kaum nachhaltig gewinnen können.

Sollte die Linke wieder einen eigenen Favoriten küren, dann wird er einmal mehr nur ein Zählkandidat sein. Ist es klug, eine Persönlichkeit einfach so zu verheizen?

Lafontaine: Wenn alle in die falsche Richtung laufen und einen Kandidaten unterstützen, der den Abbau des Sozialstaats und den Krieg als Mittel der Politik für richtig hält, dann muss es wenigstens eine politische Kraft geben, die dagegen hält.Foto: Rehder/dpa

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