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Deutsche Kinder hinken im internationalen Vergleich hinterher – Soziale Herkunft schlägt sich stärker als in anderen Staaten auf Bildungserfolg nieder





Mathe macht Grundschülern das Leben schwer
Deutsche Kinder hinken im internationalen Vergleich hinterher – Soziale Herkunft schlägt sich stärker als in anderen Staaten auf Bildungserfolg nieder

30. November 2016, 02:00 Uhr
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Die Schüler in Deutschland sind „herausfordernder“ – und das schlägt sich offenkundig auch bei den Leistungen nieder. Während in anderen Ländern die Viertklässler in Mathe und den Naturwissenschaften deutlich besser geworden sind, stehen laut der internationalen Bildungsstudie „TIMSS“ ihre Altersgenossen hierzulande schlechter da als noch 2011. SZ-Korrespondent Hagen Strauß beantwortet zentrale Fragen.

Sind deutsche Schüler Mathe-Muffel?

Danach sieht es aus. Die Schüler anderer Länder sind leistungsstärker geworden, und zwar nicht nur jene, die in den Vergleichstests sowieso immer gut abschneiden – in Singapur oder Taiwan zum Beispiel. Auch die Kinder in Staaten wie Dänemark, Niederlande, England, Ungarn oder Slowenien haben leistungsmäßig „deutlich zugelegt“, so der Dortmunder Bildungsforscher Wilfried Bos. Besonders hoch ist der Anteil derer, die hierzulande nach der vierten Klasse lediglich die Grundrechenarten beherrschen (23,3 Prozent). Sie liefen Gefahr, in den weiterführenden Schulen den Anschluss zu verlieren, betonte Bos. Die Zahl der Schüler mit Spitzenleistungen (5,3 Prozent) habe sich nicht verändert.

Wie sieht es in den Naturwissenschaften aus?

In Chemie und Physik schnitten die rund 4000 getesteten Viertklässler in Deutschland (weltweit waren es 300 000 in gut 50 Staaten) etwas besser ab als in Mathe. Im OECD- und EU-Vergleich befänden sich die Schüler „auf Augenhöhe“, lobte Bos. Demnach stieg die Quote der Spitzenschüler von 7,1 (2011) auf 7,6 Prozent an. Zur Wahrheit gehört aber auch: Im Vergleich zu Ländern wie Schweden (11,1) oder Russland (20 Prozent) ist der Anteil immer noch sehr niedrig. Und zieht man die TIMSS-Erhebung von 2007 heran, ging es bei der Topschüler-Quote in den Naturwissenschaften insgesamt sogar bergab. Gleichzeitig sank aber auch der Anteil der deutschen Grundschüler, die kein ausreichendes Kompetenzniveau erreichen, und zwar leicht auf 21,6 Prozent.

Gibt es Leistungsunterschiede zwischen Jungen und Mädchen in Deutschland?

Ja. In Mathe sind laut Bos die Jungen schlechter geworden, die Mädchen aber nicht besser. Und in den Naturwissenschaften haben die Mädchen ihre Leistungen etwas anheben können, während die Jungen wiederum etwas schlechter geworden sind. Gerade in den naturwissenschaftlichen Fächern würden die Mädels inzwischen stärker gefördert und motiviert, heißt es in der Studie. Regionale Unterscheide zum Beispiel nach Bundesländern bietet die Expertise übrigens nicht.

Wo liegen die Gründe für den Leistungsdämpfer?

Grundsätzlich gilt: Die deutschen Grundschüler gehen gerne in die Schule. Den Einrichtungen gelingt es auch, die Kinder zu motivieren. So berichteten fast Dreiviertel von „einem unterstützenden Klima“ im Matheunterricht. Bos ergänzte: Die Lehrer seien gut ausgebildet, „das ist weltweit ein wirkliches Pfund“. Gleichwohl gibt es aber immer mehr Risikoschüler, zu wenige Überflieger und einen besorgniserregenden Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungserfolg. Laut Studie ist das in den meisten EU-Ländern anders. Noch etwas kommt hinzu: Grundschüler mit Migrationshintergrund konnten sich in den Tests zwar verbessern, haben aber in Deutschland weiterhin große Leistungsrückstände im Vergleich zu Kindern mit hierzulande geborenen Eltern. Fazit: Die deutsche Schülerschaft, so Bos, sei vielfältiger geworden und damit komplizierter als bei früheren Tests.



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