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Wie behördliche Auflagen für legale Anbieter den Schwarzmarkt fördern





Berlin/Saarbrücken
Der Staat und das Glücksspiel
Wie behördliche Auflagen für legale Anbieter den Schwarzmarkt fördern

André Stahl (dpa),Pascal Becher (SZ),  09. Januar 2017, 02:00 Uhr
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Die Deutschen zocken immer seltener an Automaten, dafür boomt das Glücksspiel im Netz. Foto: dpa

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Die „Spielhallenflut“ soll eingedämmt werden. Da sind sich Bund und Länder einig. 2017 sollen deshalb noch schärfere Regeln gelten. Schwarz betriebene Casinos und das illegale Internet-Glücksspiel boomen weiter, warnt Saartoto.

Die Daddelautomaten-Branche hat schon bessere Zeiten erlebt. Die Auflagen für Hersteller und Betreiber von Glücksspiel-Automaten in legalen Spielhallen und in Gaststätten werden immer weiter verschärft. Und im Juli greifen die neuen Mindestabstandsregeln zwischen staatlich kontrollierten Spielhallen. Von den etwa 9500 legalen Spielhallen dürften danach etwa die Hälfte dicht machen – und erneut viele Spieler in unkontrollierte und schwarz betriebene Casinobuden sowie ins illegale Online-Spiel abwandern.

Das wird auch den Ministerpräsidenten der Länder bewusst sein. In übertriebenen Jubel brachen sie jedenfalls nicht aus, als sie sich Ende Oktober nach langer Hängepartie auf neue Regeln für Sportwetten-Lizenzen einigten. Die erfolglose Beschränkung auf 20 Konzessionen für private Anbieter wurde aufgehoben. Was eine Einigung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner war. Die Länder konnten so ihr staatliches Lottomonopol wohl noch einmal für zwei bis drei weitere Jahre retten. Das Grundproblem aber bleibt. Das boomende Internet-Glücksspiel wird weiter nicht legalisiert und damit nicht reguliert. Die Folge: Staatlichen Lottogesellschaften bricht der Markt weg – was Ausschüttungen für Sport, Kultur und Kommunen schmälert.

Ein anderes Problem scheinen „Zweitlotterien“ zu sein. Das Geschäftsmodell der Anbieter in Großbritannien, Gibraltar und Co. sind Wetten auf staatliche Angebote wie „Lotto 6aus49“ und „Eurojackpot“, warnt die Saartoto-Geschäftsführung. „Diese Unternehmen gauckeln Tippern vor, beim Original zu spielen, zahlen keine Steuern in Deutschland und wirtschaften ausschließlich in die eigenen Taschen.“

Die Ministerpräsidenten der Länder versprachen jüngst, stärker gegen illegale Online-Angebote vorzugehen. Wohlwissend um die Konsequenzen dieser Vogel-Strauß-Politik: Noch mehr Menschen werden über illegale Online-Anbieter zocken, der Staat verliert Milliarden, Geldwäsche grassiert. Legale Betreiber von Glücksspielen dagegen werden härter an die Kandare genommen.

Dabei ist die Glücksspielregulierung seit Jahren in sich nicht schlüssig. Alles dreht sich um Suchtprävention. Auch staatliche Betreiber und Lottogesellschaften, die Vertrauen genießen, können so kaum expandieren. Glücksspiel aber gelte als Freizeit-Massenprodukt, für das aus Sicht der Automatenbranche der Verbraucherschutz im Vordergrund stehen sollte. „Der deutsche Glücks- und Gewinnspielmarkt ist geprägt von Wettbewerbsverzerrungen zwischen den Anbietern sowie von Defiziten im Verbraucher-, Daten- und Jugendschutz“, sagen die Branchenexperten Franz Peren und Reiner Clement. Die Konsequenz? Der Umsatz im regulierten Markt stagniert, unreguliertes Onlinespiel hingegen boomt. Von den 2014 etwa 13,8 Milliarden Euro Umsatz entfielen, so Peren und Clement, nur knapp 10,6 Milliarden auf Lotterien, Pferdewetten, Spielbanken und gewerbliche Geldspielgeräte. Das Volumen des „Grau-Marktes“ wie Sportwetten und Online-Poker und des „Schwarzmarkt“ schätzen sie bereits auf 3,2 Milliarden – mit stark wachsender Tendenz.





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