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Für viele ist Fasten heute Ausdruck eines modernen Lebensstils



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Für viele ist Fasten heute Ausdruck eines modernen Lebensstils
Von  Kna-Mitarbeiterinleticia Witte, 
10. Februar 2016, 02:00 Uhr
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Illustration: Fotolia, Lorenz
Nach den tollen Fastnachtstagen beginnt für viele Menschen nun die Fastenzeit. Bis Ostern verzichten manche komplett auf Alkohol, andere zumindest zeitweise aufs Handy oder Auto. Fasten wir heute noch aus religiösen Motiven? Oder gehört Entsagung bei vielen zum Lifestyle?
 
Verzicht auf Süßigkeiten, Alkohol, Smartphone, Fluchen, Auto oder Fleisch, und das alles 40 Tage lang. Was für manche eine große Herausforderung ist, scheinen andere relativ locker zu meistern. Vielleicht machen sie auch einfach weniger Aufhebens darum – weil Fasten für sie selbstverständlich dazugehört zwischen Aschermittwoch und Ostern. In diesen 40 Tagen der christlichen Fastenzeit in der Vorbereitung auf das Fest der Auferstehung Jesu geht es nicht nur um den Verzicht auf Genussmittel, sondern auch um Umkehr, Buße und die Unterbrechung von Gewohnheiten.

Doch nicht bei allen Fastenden steht das Religiöse im Vordergrund. Manch einer findet es schick zu verzichten. Man kennt das: Oft sind das die Freunde oder Kollegen, die nach der Fastnacht besonders laut verkünden, dass sie bis zum Osterbraten kein Fleisch mehr anrühren oder vom Auto aufs Rad umsteigen wollen. Andere möchten schlicht abnehmen. Ist Fasten heute eher Lifestyle als Spiritualität? Und warum verzichten wir, wenn nahezu alles fast immer verfügbar ist? Reist es sich einfach nur besser „mit leichtem Gepäck“, wie es die Gruppe „Silbermond“ in ihrem aktuellen Hit besingt?

„Gerade in einer Gesellschaft des Überflusses und der vielfältigen individuellen Verwirklichungsmöglichkeiten ergibt der Verzicht, den der Einzelne sich selbst auferlegt, Sinn“, betont Detlef Pollack, Religionssoziologe an der Uni Münster. Denn er zeige, dass „der Einzelne der Herr seines Lebens ist, über sich selbst verfügt und den mannigfachen Konsummöglichkeiten der Gesellschaft nicht widerstandslos ausgeliefert ist“. Und sei Religion nicht vor allem eine „Unterbrechung unserer alltäglichen Vollzüge“, fragt Pollack weiter. Insofern könne man sagen, dass sich im Verzicht, „ob das der Einzelne will oder nicht und ob ihm das bewusst ist oder nicht, geradezu zwangsläufig religiöser Sinn herstellt, gewissermaßen inkognito“.

Auch für den Theologen Franz Gulde, der beim katholischen Hilfswerk Misereor die Bildungsabteilung leitet, steckt hinter jedem bewussten Verzicht ein Sinn. Auch wenn jemand nur faste, um seinen Körper zu reinigen, „ist das nicht sinnlos“. Letztlich verändere auch dies den Menschen. Dass viele aus nicht-religiösen Gründen verzichten, zeige, dass diese kirchlich geprägte Zeit „viel breiter rezipiert“ werde. Der christliche Kern sei meist trotzdem enthalten – mal mehr, mal weniger offensichtlich. Gulde verweist zudem darauf, dass weltlich orientiertes Fasten auch ein ökonomischer Faktor sei: Hotels hätten spezielle Angebote im Programm, in den Buchläden stünden Ratgeber in den Regalen. Verzicht in der Konsumgesellschaft, so Gulde, werfe generell die Frage auf, „ob wir das, was wir haben oder besitzen könnten, auch wirklich brauchen – oder ob es uns neue Zwänge auferlegt“.

Dass manche Menschen laut und deutlich ihren Verzicht ankündigen, kann auch der Wunsch nach sozialer Kontrolle für schwache Momente sein: „Ich dachte, du willst gerade nicht rauchen?“ Damit es mit dem Fasten besser klappt, kann man sich in kirchlichen Gruppen oder im Internet austauschen. Zum Durchhalten ermuntern sollen etwa der Misereor-Fastenkalender oder der Fastenbrief des ökumenischen Vereins „Andere Zeiten“ zum Motto „7 Wochen anders leben“. Anregungen bietet auch die Fastenaktion der evangelischen Kirche „7 Wochen ohne“. Diesmal heißt sie „Großes Herz! Sieben Wochen ohne Enge“. Also: Unbekannte einladen, einander mit Neugierde begegnen, teilen, empfiehlt Arnd Brummer, Geschäftsführer der Aktion: „Ein großes Herz taugt als Gastgeber und Dolmetscher, der enge Grenzen überwindet.“
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