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Brasilianische Aufsteiger-Mannschaft stirbt bei Flugzeugabsturz in Kolumbien – vermutlich 71 Tote





Medellín
Grausames Ende eines Fußball-Märchens
Brasilianische Aufsteiger-Mannschaft stirbt bei Flugzeugabsturz in Kolumbien – vermutlich 71 Tote

dpa-Mitarbeiter Georg Ismar,  30. November 2016, 02:00 Uhr
Es sollte ein Triumph werden, es wurde eine Tragödie: Auf dem Weg zum Finale des Südamerika-Cups in Kolumbien stürzt eine Maschine mit einem brasilianischen Erstliga-Club ab. Brasilien verhängte Staatstrauer.

Der Bürgermeister von Medellín versucht das Drama in Worte zu fassen, ein einziger Satz bringt es auf den Punkt. „Etwas, das ein großes Fest werden sollte, ist in einer Tragödie geendet“, sagt Federico Gutiérrez. Ein Bild vor dem Abflug zeigt fröhliche Spieler und Betreuer des brasilianischen Provinzclubs AF Chapecoense. In Erwartung des bisher größten Spiels, gegen Atlético Nacional aus Medellín. Dann geht es in einem Charterflugzeug nach Kolumbien.

Doch das Flugzeug kommt dort nicht an, das Finale 2016 der Copa Sudamericana wird nicht stattfinden. Wegen des schlimmsten aller denkbaren Ereignisse. Fast die ganze Mannschaft aus Brasilien ist tot. Kurz vor 22 Uhr am Montagabend (Ortszeit) melden die Piloten technische Probleme, Sekunden später verschwindet das Flugzeug vom Radar. Suchtrupps machen sich sofort auf den Weg und werden am Berg El Gordo („Der Dicke“) fündig, bei der Ortschaft La Unión, 38 Kilometer von Medellín entfernt.

Das Flugzeug ist zerbrochen in drei Teile. Die Gegend ist hügelig, Medellín liegt in einem Talkessel. Die Maschine könnte wegen Treibstoffmangels abgestürzt sein, meint Alfredo Bocanegra, Direktor der Luftfahrtbehörde. Mutmaßlich 71 Menschen sterben. Atlético Nacional teilt mit: Chapecoense soll den Titel der Copa Sudamericana 2016 bekommen. Eine noble Geste, aber sie kann das Leid nicht lindern. Ein Drama entwickelt sich um Torwart Danilo, die Hölle für die Angehörigen: Mal soll er tot sein, dann wieder leben. Laut einer Liste der Luftfahrtbehörde wird er nach vielen Stunden für tot erklärt.

Sechs Passagiere – drei Spieler, ein Journalist, eine Stewardess und ein Techniker – sollen überlebt haben. Auf Bildern ist zu sehen, wie Abwehrspieler Alan Ruschel auf einer Trage ins Krankenhaus gebracht wird.

Der Account des Clubs auf Twitter zeigt statt des grünen Wappens ein schwarzgefärbtes. Brasiliens Präsident Michel Temer ordnet eine dreitägige Staatstrauer an, bis zu Bayern München und Real Madrid reicht die Anteilnahme. „Betet für @ChapecoenseReal und ihre Familien“, schreibt der frühere deutsche Nationalspieler Lukas Podolski.

Das Märchen des Clubs endet tragisch. 2009 spielte Chapecoense noch in der vierten Liga, dann ging es immer weiter bergauf, bis nun zum größten Erfolg der Vereinsgeschichte. 1995 spielte auch der spätere deutsche Nationalspieler Paulo Rink für den Club. Das Drama erinnert an die Katastrophe von Manchester United 1958: Auf dem Rückflug von einem Spiel in Belgrad stürzte damals der Flieger ab. 23 Menschen starben. Unter den Überlebenden ist Fußball-Legende Bobby Charlton.

Das Charterflugzeug der bolivianischen Gesellschaft Lamia ist in der südamerikanischen Fußballszene wohlbekannt. Auch Superstar Lionel Messi nutzte kürzlich mit der argentinischen Nationalmannschaft die Lamia-Maschine. Der Star des FC Barcelona meldete sich auch nach dem Unglück zu Wort: „Mein tiefstes Mitgefühl für alle betroffenen Familien.“ Was aufhorchen lässt: Ein Charterflug direkt von Brasilien wurde nicht genehmigt, weshalb die Mannschaft erst nach Santa Cruz in Bolivien flog, von dort startete der Unglücksflug nach Medellín.

Keiner weiß, wie es mit dem Club weitergeht. Das letzte Ligaspiel der Saison sollte am Sonntag sein. „Das ist eine Riesenkatastrophe“, sagte Ex-Spieler Paulo Rink der „Rheinischen Post“. „Der Verein ist ja jetzt praktisch ausgelöscht.“



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