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Vom Feeling her ein gutes Gefühl





Braunschweig/Mannheim
Vom Feeling her ein gutes Gefühl
Von  Christina Sticht, 
20. März 2017, 02:00 Uhr
Klicken Sie auf das Bild, um eine größere Ansicht zu erhalten. Glück

Heute ist Weltglückstag. Foto: Hauke-Christian Dittrich (dpa)
Heute ist der offizielle Tag des Glücklichseins. Und das kann wirklich jeder, sagen Forscher. Aber wie denn nur?

(dpa) Glückliche Menschen sind gesünder, leistungsfähiger, kreativer und schaffen es zudem, die Stimmung in ihrer Umgebung aufzuhellen. Warum aber trifft man auf der Straße oder im Büro immer noch so viele Schlechtgelaunte? Gina Schöler glaubt, dass die Leute gar nicht so mies drauf sind. „Sie brauchen nur positive Anstupser“, sagt die Kommunikationsdesignerin aus Mannheim, die als „Glücksministerin“ durch Deutschland reist.

Zum heutigen Weltglückstag hat sie die Aktion #schreibdichglücklich ins Leben gerufen und innerhalb weniger Tage mehr als 3700 Frauen und Männer zum Mitmachen bewegt. Sie bekommen die Adresse eines anderen Teilnehmers zugelost und schreiben ihm einen persönlichen Brief – als Anregung dienen Fragen wie „Was ist deine schönste Kindheitserinnerung?“ oder „Worauf bist du stolz?“. Ihr Ministerium für Glück und Wohlbefinden ist 2012 als Kunstprojekt an der Mannheimer Hochschule für Gestaltung gestartet – im gleichen Jahr beschloss die UN-Hauptversammlung die Einführung des Weltglückstages. Initiator war das asiatische Königreich Bhutan, das in den 1970er Jahren das Glück der Bevölkerung zum Staatsziel erklärte und ein echtes Glücksministerium hat.

Das Streben nach Glück beschäftigt Philosophen, Theologen und Literaten seit Jahrtausenden. Heute entdecken immer mehr Politiker und Firmen Wohlbefinden als wichtigen Wert. „Das Thema kommt aus der esoterischen Ecke raus“, sagt Schöler, die betont, dass sie keine Wissenschaftlerin ist.

Tobias Rahm dagegen ist dem Glück in einem wissenschaftlichen Forschungsprojekt auf der Spur. Der Psychologe entwickelt an der Technischen Uni Braunschweig ein Glückstraining für Lehrer. Es soll in dem herausfordernden Beruf Burn-out vorbeugen und die Pädagogen kreativer machen. Dabei lernen sie, ihre „Glücksanfälligkeit“ zu erhöhen, indem sie mehr darauf achten, Schönes wahrzunehmen, dankbar für Positives sind und sich häufiger gute Taten vornehmen.

Der alte Spruch „Jeder ist seines Glückes Schmied“ ist heute wissenschaftlich belegt. Internationalen Studien zufolge liegt die Veranlagung zum Glücklichsein zu etwa 50 Prozent in den Genen. Nur zehn Prozent machen die Lebensumstände aus. „Ein neuer Job, ein neues Auto oder ein neuer Fernseher tragen nicht viel zum langfristigen Glück bei“, sagt Rahm. Dagegen liege der persönliche Gestaltungsspielraum bei 40 Prozent. Glück definiert er dabei als subjektives Wohlbefinden, gekennzeichnet vom häufigen Auftreten positiver Gefühle und seltenem Auftreten negativer Emotionen.

Das für Lehrer gedachte Training wurde bisher in vierwöchigen Kursen mit über 150 Studenten erprobt. Zum Auftakt verteilt Rahm gern ein Heft mit einer Übung: 14 Tage lang soll jeder am Abend drei gute Dinge des Tages aufschreiben und jeweils anfügen, was sein persönlicher Beitrag zum Gelingen war. „Das reicht von großen Dingen wie erfolgreichen Prüfungen über positive Erlebnisse mit anderen bis hin zu kleinen Sachen wie Sonne genießen oder Eichhörnchen beim Klettern zuschauen.“

Während Rahm beim Individuum ansetzt, hat Johannes Hirata das große Ganze im Blick. Der Professor für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule Osnabrück glaubt, dass das Konzept des „Brutto- nationalglücks“ aus Bhutan auch auf Deutschland übertragbar ist. Es gehe darum, die Wirtschaft in den Dienst des Glückes der Menschen zu stellen. „Ich bin der Überzeugung, dass es uns gut tun würde, wenn wir in Vollzeitjobs weniger arbeiten würden, vielleicht 30 Stunden pro Woche“, sagt der Ökonom. „Wir hätten mehr Zeit füreinander, für unsere Kinder und für uns selbst, könnten die vielen Anforderungen besser unter einen Hut bringen und hätten so weniger Stress.“ Die Beschränkung des Konsums aufgrund des geringeren Verdienstes hätte dann auch positive Folgen für die Umwelt.

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