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50-Jähriger ist weder verschroben noch krank, sondern einfach nur hartgesotten





Monheim
Der Mann, der nicht friert
50-Jähriger ist weder verschroben noch krank, sondern einfach nur hartgesotten

Von  Dpa-Mitarbeitermichel Winde, 
03. März 2015, 00:00 Uhr
Armin Opherden friert selbst bei Minusgraden nicht – und trägt im Winter deshalb oft nur ein T-Shirt. Mittlerweile ist seine Kleidung aber auch ein Statement – für mehr Toleranz und weniger Ausgrenzung.
Armin Opherden kommt im kurzärmeligen Shirt. Wie auch sonst? Es ist schließlich der Mann, der nicht friert, mit dem man hier am Rheinufer verabredet ist. „Ich könnte mein Leben lang mit diesen Klamotten auskommen“, sagt der 50-jährige aus Monheim im Kreis Mettmann. Diese Klamotten, das sind Turnschuhe, Jeans und Polo-Shirt. „Minus zehn Grad, die Sonne scheint und es liegt dick Schnee – das ist echtes Wohlfühlwetter für mich.“ Heute herrschen Temperaturen um den Gefrierpunkt – auch okay. Der Himmel ist grau, Möwen gleiten über den Rhein. Opherden zeigt seinen Unterarm: „Man sieht's: keine Gänsehaut.“ Sein fünfjähriger Neffe habe ihm kurzerhand den Spitznamen „Warmin“ verpasst.

Was im ersten Moment verschroben oder zumindest ungesund klingt, ist weder das eine noch das andere. Der gelernte Betriebswirt ist schlicht hartgesotten. Markus de Marées vom Institut für Trainingswissenschaft und Sportinformatik der Deutschen Sporthochschule in Köln bestätigt: Wer sich täglich einem Kältereiz aussetzt, bei dem tritt ein Gewöhnungseffekt ein.

Fürs Frieren seien unzählige Sensoren in der Haut zuständig, „die die Außentemperatur wahrnehmen“, erklärt de Marées, dessen Forschungsgebiet die Höhenmedizin ist. Diese Sensoren würden ihre Informationen an das Temperaturzentrum im Gehirn senden und von dort aus zurück an die Organe. Ist es kalt, wird als erstes die Durchblutung der Haut zurückgefahren. Es folgt die sogenannte Gänsehaut, ehe auch die Durchblutung der Extremitäten reduziert und somit die Versorgung lebenswichtiger Organe wie Herz, Gehirn und Niere sichergestellt wird.

Anzeichen einer Krankheit hat bis heute kein Arzt bei Opherden gefunden. An Schnupfen, Husten oder Grippe kann sich Opherden ohnehin nicht erinnern, „solange ich zurückdenken kann“.

Das kurze Shirt bei Minusgraden kommt allerdings nicht bei jedem gut an – deshalb wirbt Opherden für mehr Toleranz. Und zwar nicht nur in Sachen Kleiderwahl. Oft genug guckten Fremde ihn schräg an, würden ihn einen Irren nennen. Andere schauten beschämt zur Seite. „Ich kann mich wehren“, sagt Opherden. Und wenn er die Sprüche schlicht ignoriert. Doch er warnt, man dürfe nicht alles, was anders ist, schlecht machen. Weniger Vorurteile, davon würde auch Opherdens Frau profitieren. Denn die ist es, die beim gemeinsamen Spazierengehen in erster Linie unter den Blicken und Sprüchen anderer Passanten leidet. „Jeder guckt, jeder zehnte spricht mich an“, sagt Opherden. Der Frau zuliebe einen Pulli überziehen? Schon versucht. Doch damit fühlt er sich unwohl.

Regen oder Sonne, Schnee oder Nebel – das war für Opherden schon immer von gesteigertem Interesse. Mittlerweile hat er sich als Wetterfotograf und -experte einen Namen gemacht. Häufig schnappt er sich seine Kamera und geht an die frische Luft – bekleidet natürlich nur mit einem leichten Shirt. > : Glosse



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