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Tokio

Japan kämpft gegen atomare Katastrophe


Das Erdbeben der Stärke 9,0 und der verheerende Tsunami haben in Japan wohl Zehntausende Menschen in den Tod gerissen und das Land in eine atomare Katastrophe gestürzt. Am Sonntag fiel in einem dritten Kernkraftwerk das Kühlsystem aus, für zwei Anlagen galt Atomalarm. (Veröffentlicht am 13.03.2011)


Überlebende in Natori

Rettungskräfte in Natori holen Überlebende aus den Trümmern: Die verwüstete Stadt liegt in der Katastrophenregion MiyagiFoto:

Verwüstung in Japan

Ein Bild der Verwüstung bietet sich beim Blick auf diesen Teil der vom Erdbeben und dem folgenden Tsunami heimgesuchten Präfektur Iwate.

Atomkomplex Fukushima - vorher und nachher

Die Bilder zeigen von Google GeoEye zur Verfügung gestellte Aufnahmen des Atomkomplexes Fukushima. Oben die Anlage im Jahr 2004, die Aufnahme unten ist nach dem Erdbeben und anschließendem Tsunami am Samstag vor der Explosion in einem der Reaktoren entstanden.

Überflutete Stadt

Der von dem Beben ausgelöste Tsunami hat die Stadt Natori im Nordosten Japans überflutet.

THW-Team in Japan

Ein Rettungsteam des Technischen Hilfswerks (THW) wartet in Tokio auf die Abfahrt in den Norden.

Reisende

Reisende schlafen auf dem Flughafen Tokio-Narita.

Verwüstung in Japan

Wie ein Spielzeug wurde dieser Wagen eingeklemmt.

Verwüstung in Japan

Kinder in Kamaishi, Präfektur Iwate: Überall Verwüstung und Zerstörung

Elektronikgeschäft in Tokio

In Elektronikgeschäften wie hier in Tokio sind batteriebetriebene Ladegeräte für Handys, um auch bei einem längeren Stromausfall weiter telefonieren zu können, natürlich sehr gefragt.

Erdbeben in Japan - Stau

Lange Autoschlangen in Toride.

Atomkraftwerk in Fukushima

Das undatierte Foto der Tokyo Electric Power Company zeigt das Atomkraftwerk in Fukushima.

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Tokio .

In der schwer beschädigten Anlage Fukushima droht nach widersprüchlichen Informationen über eine Kernschmelze in zwei Reaktoren laut Experten auch Gefahr durch hochgiftiges Plutonium.

Derweil steigt die Zahl der Opfer des Erdbebens und des Tsunamis in Japan immer weiter: Die Behörden identifizierten bis Sonntagabend (Mitteleuropäische Zeit/MEZ) 1597 Opfer. 1481 Menschen gelten nach Angaben der nationalen Polizeiagentur offiziell noch als vermisst. Hinzu kommen 200 bis 300 Opfer, die an der Küste der Präfektur Miyagi gefunden wurden. Doch der Polizeichef ging dort von weit höheren Opferzahlen aus, da man immer noch keinen Kontakt mit mehr als zehntausend Einwohnern habe.

Wie die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf die Feuerwehr berichtete, versagte eine Pumpe für das Kühlsystem im AKW Tokai am Sonntag (MEZ) den Dienst. Die Anlage steht nur rund 120 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Tokio, sie hatte sich bei dem Beben am Freitag automatisch abgeschaltet. Am Sonntag wurde zudem für das AKW Onagawa der nukleare Notstand ausgerufen. Berichte über Kernschmelzen in den Reaktoren 1 und 3 der Atomanlage Fukushima Eins schürten die Angst vor einem Super-GAU.

Ein Regierungssprecher dementierte am Sonntag seine Angaben, wonach es auch im Reaktor 3 des Atomkraftwerks Fukushima Eins eine «teilweise» Kernschmelze gegeben habe. Wie bereits am Reaktor 1 sei am Reaktor 3 die Kühlfunktion ausgefallen, erklärte Yukio Edano. Dadurch sei das Kühlwasser zurückgegangen. Dass es im Reaktor 1 schon zu einer Kernschmelze kam, hält die Atomsicherheitsbehörde dagegen für sehr wahrscheinlich. Der Evakuierungsradius wurde auf 20 Kilometer um das Kernkraftwerk ausgeweitet.

In Fukushima pumpten die Rettungskräfte Salzwasser in den überhitzten Reaktor 3. Die Brennstoffstäbe seien inzwischen wieder im Wasser, sagte der Sprecher. Es könne sein, dass sich dadurch Wasserstoff unter dem Dach des Reaktors angesammelt habe. Doch selbst wenn es wie beim Block Nummer 1 zur Explosion komme, könne der Reaktor 3 dem widerstehen.

Im AKW Onagawa mit drei Reaktoren soll indes nach Experten-Darstellung keine Radioaktivität ausgetreten sein. Die in der Gegend gemessene Radioaktivität über dem Grenzwert könnte vom havarierten Atomkraftwerk Fukushima stammen, teilten die japanischen Behörden der Internationalen Atomenergieorganisation IAEA in Wien am Abend mit. Inzwischen seien die Werte rund um das Werk wieder auf normalem Niveau.

Erwartete Nachbeben mit einer Stärke von bis zu 7,0 könnten die angeschlagenen Reaktoren weiter gefährden, warnten Experten. Vertreter der Umweltorganisation Greenpeace wiesen außerdem darauf hin, dass Reaktor 3 in Fukushima mit sogenannten Mox-Brennelementen (Mischoxid-Brennelemente) betrieben werde, die Plutonium enthielten. Plutonium sei nicht nur hoch radioaktiv, sondern auch hochgiftig.

Auch zwei Tage nach dem Beben waren am Sonntag große Gebiete an der Ostküste Japans noch von der Umwelt abgeschnitten und Küstenstraßen unbefahrbar. Tausende erschöpfte Menschen warten nach den Berichten aus Japan auf Rettung per Hubschrauber.

In den japanischen Katastrophenregionen mussten bis Sonntag (MEZ) etwa 530 000 Menschen ihre Wohnungen und Häuser verlassen, meldete die Nachrichtenagentur Kyodo. Rund 450 000 waren durch das Beben und den Tsunami obdachlos geworden. Weitere 80 000 mussten ihre Unterkünfte verlassen, als die Behörden die Sicherheitszone um die havarierten Kernkraftwerke in Fukushima auf 20 Kilometer ausdehnten.

Die Region Miyagi wurde am schwersten von dem Erdbeben der Stärke 9,0 und dem Tsunami getroffen, weil das Zentrum des Bebens nahe der Küstenregion lag. Am Sonntagmorgen erschütterte ein starkes Nachbeben den Großraum der Hauptstadt Tokio. In der Stadt wankten Hochhäuser.

Dem High-Tech-Land Japan drohen wegen der Schäden an den Atomanlagen im Nordosten massive Engpässe in der Stromversorgung. Um große Blackouts zu vermeiden, planen die Stromkonzerne, Energie zu rationieren. Die Maßnahme müsse wohl mehrere Wochen andauern, sagten Regierungsbeamte. Nach Berichten von dpa-Korrespondenten wurde in Tokio, aber auch in anderen Regionen am Abend und in der Nacht bereits weiträumig der Strom abgeschaltet.

Auf der anderen Seite des Pazifiks richtete der Tsunami in Kalifornien Schäden von mindestens 50 Millionen Dollar (rund 36 Millionen Euro) an. Dabei handele es sich aber lediglich um eine vorläufige Prognose, sagte Geologie-Professorin Lori Dengler von der kalifornischen Humboldt State University der «Los Angeles Times» vom Sonntag. Allein in Santa Cruz sanken 17 Schiffe, 50 weitere wurden beschädigt. Der kalifornische Gouverneur Jerry Brown hatte in den betroffenen Gebieten den Notstand ausgerufen.

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