Ohne Bargeld zur Kasse
12. Oktober 2016, 16:42 Uhr
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Bargeldlos wird zur beliebten Bezahlmethode. Foto: Dean Drobot - 278855822 / Shutterstock.com
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Vor- und Nachteile für das Bezahlen ohne Bargeld in Deutschland. Foto: Infografikquelle: eigene Darstellung
Das bargeldlose Zahlen wird weltweit, aber auch in Deutschland immer populärer. Neben vielen Möglichkeiten und Vorteilen, können Zahlungssysteme ohne festes Geld natürlich auch Nachteile und Risiken mit sich bringen.
Die Nutzung von EC- und Kreditkarten ist in unserem Alltag selbstverständlich geworden. Wir bezahlen auf diese Weise im Restaurant, beim Tanken, wenn wir eine Reise machen oder ein Hotelzimmer buchen. Selbst das Zahlen kleinerer Summen wie z.B. bei einer Fahr- oder Kinokarte wird heutzutage mit dem handlichen und praktischen Plastik bestritten. Die Zahlungskultur in Europa befindet sich im Wandel. Schweden hat beim Übergang von Bargeld zu bargeldlos einen gewaltigen Schritt gewagt: In mehreren Kaufhäusern kann man nur noch mit Kreditkarte bezahlen, auch Fahrkarten für Bus und Bahn können in einigen Städten nicht mehr mit Bargeld gekauft werden. Viele Banken trennen sich vom Bargeld und wenden sich immer mehr dem Trend der bargeldlosen Wirtschaft zu. Griechenland und Italien legen dem Zahlungsverkehr mit Bargeld mittlerweile auch Restriktionen auf, so dass Summen über 1000 Euro nur noch mit Karte gezahlt werden können. Immerhin kann man in Belgien noch bis zu 5000 Euro in bar zahlen. Der Zahlungsverkehr mit Bargeld in Europa und USA wird zunehmend eingeschränkt.
 
Welche Möglichkeiten der bargeldlosen Bezahlung gibt es?
 
Tatsächlich sind die Optionen vielfältig. Neben EC- und Kreditkarten gehört das Bezahlsystem PayPal zu den beliebtesten bargeldlosen Bezahlmethoden, das vor allem für kleinere und mittlere Summen genutzt werden kann. Mit PayPal kann man bei vielen Unternehmen, wie bei Ebay, in einem PayPal Casino oder bei Lenovo zahlen. Ebay war von 2002 bis 2015 sogar Teilhaber der Firma. Das Unternehmen selbst existiert bereits seit 1998 und hat nach eigenen Angaben mittlerweile 230 Millionen Nutzerkonten. Der Vorteil gegenüber einer typischen Transaktion, die über eine Bank läuft: Die Summe kann dem Zahlungsempfänger sofort gutgeschrieben und die üblichen Bankzeiten müssen nicht mit einkalkuliert werden. Allerdings entstehen dem Verkäufer bei jedem Zahlungseingang auch geringe Kosten. Bei einem Empfang muss 0,35 Euro plus 1,9 Prozent des Umsatzes abgeführt werden.
 
NFC für den schnellen Geldtransfer
 
Die Zahlung per NFC-System ist neuerdings auch ein bekannter und populärer Bestandteil der Wirtschaft geworden. NFC steht für Near Field Communication und beschreibt übersetzt eine Datenübertragung auf einer sehr kurzen Distanz, dafür aber mit einer schnellen Übertragungsrate von 424 kBit/s. In Universitäten kommt die Technologie schon längere Zeit bei Studentenausweisen, Mensa- und Kopierkarten zum Einsatz, um für das Essen oder für die Kopien z.B. am Kopierer in der Bibliothek zu bezahlen.
 
Anfang dieses Jahres begannen Volks- und Raiffeisenbanken sowie Sparkassen mit einen Pilotprojekt, um diese neue Zahlungstechnologie zu testen. „Girocard kontaktlos“ soll es ermöglichen, Zahlungen ohne Pin-Code möglichst einfach und schnell zu gestalten. Dennoch muss teilweise auch noch eine Zahl eingegeben werden, bevor das Geld seinen Empfänger erreicht.
 
EC- oder Kreditkarten müssen mit einem speziellen Chip ausgestattet sein, um diese Art von Zahlung zu ermöglichen. Je nach Anbieter muss die Karte aufgeladen werden oder der bezahlte Betrag wird vom Konto abgehoben. Bei dem von Sparkassen angebotenen „Girogo“ ist z.B. ein Aufladen von bis zu 200 Euro möglich. Es ist nicht verwunderlich, dass sich der Mobilfunk diese Technologie in Kooperationen mit Banken zu Nutze macht, aber auch hier ist eine Sim-Karte mit einem entsprechenden Chip notwendig. Viele der großen Mobilfunkunternehmen bieten sogenannte Wallet-Apps an, die genauso wie die EC-Karten aufgeladen werden können. 
 
Schweden als Vorreiter des bargeldlosen Bezahlens
 
Schon 1661 war Schweden ein Vorreiter, was den revolutionären Wandel von Zahlungsmitteln angeht. Das Land war nämlich eines der ersten, das auf Papiergeld setzte. Nun scheint Schweden wieder an der Schwelle einer revolutionären Entwicklung zu stehen. Das Bargeld wird nämlich immer mehr aus der schwedischen Wirtschaft verbannt. Das geht sogar so weit, dass mittlerweile die Kirchenkollekte per Kreditkarte und anderen bargeldlosen Methoden eingesammelt wird. Kurioserweise setzt sich insbesondere Björn Ulvaeus, ehemaliger Star der erfolgreichen Band ABBA, für eine bargeldlose Welt ein. Der Grund ist weniger kurios: Sein Sohn wurde bereits dreimal ausgeraubt. Dementsprechend emotional involviert und leidenschaftlich engagiert ist er bei diesem Thema. Auch wenn Schweden dem technologischen Fortschritt meist offen gegenübersteht, wehrt sich vor allem die ältere Generation gegen diese Entwicklung. Einzelhändler stehen dem Fortschritt ebenfalls mit Skepsis gegenüber, denn jeder Geldaustausch erfordert von ihnen eine Gebühr, die sie an ihre Bank zahlen müssen. Es ist gesetzlich verboten, diese Gebühr ganz oder auch nur teilweise an die Kundschaft weiterzugeben. 
 
Rückgang bei der Kriminalität
 
Viele Befürworter der neuen Zahlungsmethode sehen allerdings vor allem die Vorteile. Laut des Schwedischen Bankenverbandes soll die Zahl der Banküberfälle und Überfälle auf Geldtransporter bereits zurückgehen, dementsprechend sicherer gestaltet sich auch die Arbeit für Bank- und Sicherheitspersonal. Korruption soll mit der elektronischen Bezahlung bald der Vergangenheit angehören. Laut einem Ökonomen der Universität Lizenz gibt es in Schweden weniger Bestechlichkeit als in anderen europäischen Ländern wie Griechenland oder Italien.
 
Vorteile und psychologischer Nachteil im Alltag
 
Auch viele alltägliche Vorteile dieser Bezahlungsart liegen auf der Hand: In Geschäften, Restaurants und im Internet ist das Bezahlen sehr einfach, insbesondere im Ausland. Falschgeld zusammen mit Wechselgeld zu erhalten, ist somit auch unmöglich. Darüber hinaus können anhand von Kreditkartenabrechnungen alle Zahlungen, die man im Monat zuvor gemacht hat, genau nachvollzogen werden. Gleichzeitig findet sich hier aber auch ein etwas abstrakterer Grund, der gegen die Umstellung spricht: Papier und Münzgeld, das man sehen und anfassen kann, hat einen gewissen psychologischen Vorteil, wenn es um das eigene Geldmanagement geht. Anstatt irgendwann nach einem Einkauf auf einem Bildschirm zu sehen, wieviel man bei einem Einkauf ausgegeben hat, weiß und spürt der Einkäufer beim Bargeld sofort, wieviel Geld er losgeworden ist. Er geht dementsprechend vorsichtiger mit seinem Geld um.

Kriminalität an der Digitalfront
 
Weitere Nachteile sind schnell ersichtlich:
 
  • die Cyberkriminalität steigt an
  • mit jedem Einkauf geht ein Stück Anonymität verloren
  • jedes Geld, das ausgegeben oder gespendet wird, kann nachverfolgt werden
  • Menschen und Organisationen, welche die Zahlungsdaten besitzen, können anhand dieser Personenprofile erstellen
  • für Menschen, die eine schlechtere Kreditwürdigkeit aufweisen, könnten Nachteile entstehen  
 
Die Kriminalrate, die mit Computern zu tun hat, ist in Schweden schon von 20000 Fälle auf 33000 Fälle angestiegen. Eine Zahl, die noch weiter in die Höhe schnellen könnte.
 
Tabelle: Bargeldlose Transaktionen in Europa 2015
 
Bank- und Kreditkarte Überweisungen Lastschrift
47 Prozent 26 Prozent 21 Prozent
 
 
Bargeldlose Bezahlung auch in wirtschaftlichen Schwellenländern interessant
 
Trotz dieser Nachteile, wird das bargeldlose Bezahlen ein immer größerer Teil der weltweiten Zahlungskultur. Gegenüber 2014 könnte die Anzahl der bargeldlosen Bezahlungen um knapp 10 Prozent gestiegen sein. Laut dem World Payments Report des Consultungunternehmens Capgemini und der französischen Großbank BNP Paribas handelte es sich im Jahr 2015 um 426,3 Milliarden Transaktionen. Gerade in wirtschaftlichen Schwellenländern wie China sind diese Art von Bezahlungen immer beliebter, weil sich auch der Lebensstandard zunehmend verbessert. Darüber hinaus kann Geld gespart werden: Der Druck von Papiergeld und die Herstellung von Münzen erfordert natürlich selbst wiederum Geld. Für die Wartung von Geldautomaten müssen ebenfalls finanzielle Mittel aufgewendet werden.
 
Tabelle: Bargeldlose Transaktionen in Deutschland 2015
Bank- und Kreditkarte Überweisungen Lastschrift
19 Prozent 30,5 Prozent 50,6 Prozent
 
 
Zögerliches Wachstum in Deutschland
Trotz alledem wird das Bargeld nicht völlig aus der Welt verschwinden und noch eine lange Zeit Teil der weltweiten Bezahlungssysteme bleiben. Zögerlich bei der Umstellung sind noch die Deutschen. In einem internationalen Vergleich liegt Deutschland bei Anzahl digitaler Transaktionen hinter Finnland, Frankreich, die Niederlande, Belgien, Luxemburg und Estland. Allerdings zeigt man sich auch hierzulande mittlerweile offener für bargeldlose Käufe: Die Zahl der bargeldlosen Transaktionen stieg von 2013 bis 2014 um 7,3 Prozent.
 


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