Nabelschnurblut als Hoffnungsträger – Therapiechancen dank Stammzellen
10. März 2016, 13:09 Uhr
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Stammzellen aus Nabelschnurblut gelten als Hoffnungsträger der medizinischen Forschung und könnten künftig viele Krankheiten heilen. Foto: „jelly“ (www.pixabay.com)
Im Blut der Nabelschnur befinden sich vitale Stammzellen, die bereits heute in der modernen Medizin als wertvolles Heilmittel im Einsatz sind. Insbesondere in der Leukämiebehandlung aber auch bei der Therapie von frühkindlichen Hirnschädigungen, der Cerebralparese aufgrund von Sauerstoffmangel bei der Geburt, finden sie erfolgreich Verwendung. Das Therapiepotenzial der gefragten Stammzellen ist jedoch weitaus größer.
Stammzellen – Eine Erklärung

Im Vergleich zu herkömmlichen Körperzellen können sich Stammzellen in unterschiedlichste Gewebearten sowie verschiedenste Typen von Zellen ausdifferenzieren. Sie sind im Körper für die Reparatur und Regeneration zuständig. Grundsätzlich wird zwischen totipotenten und pluripotenten Stammzellen unterschieden. Embryonale Stammzellen im Blastozysten-Stadium sind totipotent, d. h. sie können sich in jede Art von menschlichen Zellen ausbilden. Aus ihnen entsteht ein kompletter Organismus. Diese Eigenschaft von embryonalen Stammzellen hält nur eine sehr kurze Zeitspanne an. Danach sind die Stammzellen nur noch pluripotent. Das wiederum bedeutet, sie können sich zwar noch in unterschiedliche Arten von Zellen und damit zu fast jedem Gewebetyp ausdifferenzieren, allerdings kann sich aus ihnen kein kompletter Organismus mehr entwickeln. Nach dem Embryonalstadium bezeichnet man die Stammzellen als „adult“. Zu den adulten Stammzellen zählen Stammzellen aus dem Knochenmark ebenso wie Stammzellen aus dem Nabelschnurblut.

Embryonale Stammzellen haben aufgrund ihrer besonderen Eigenschaft in der medizinischen Forschung zwar ein extrem großes Potenzial, doch ist der Einsatz ethisch hoch umstritten. Schließlich geht mit der Gewinnung der Stammzellen die Zerstörung des Embryos einher. Aufgrund dieser Tatsache ist die embryonale Stammzellenforschung in Deutschland verboten. Dies besagt das Embryonenschutzgesetz.
 
Die ethisch unbedenklichen adulten Stammzellen gewinnen daher immer mehr an Bedeutung und sind deswegen die Alternative zu embryonalen Stammzellen bei der Behandlung von Krankheiten. Stammzellen aus dem Knochenmark kommen bereits seit 1957 bei Leukämie-Patienten zum Einsatz. Bei einer Knochenmarktransplantation wird Leukämiekranken gesundes Knochenmark von Spendern transplantiert. Es hat die Aufgabe, ein gesundes Immunsystem wieder aufzubauen und kranke Zellen in Schach zu halten.

Stammzellen aus dem Knochenmark haben allerdings einige Nachteile. Zunächst muss ein passender Spender gefunden werden. Die Suche nach dem genetischen Zwilling gleicht oft der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Außerdem altern Stammzellen gleichermaßen wie der Mensch. Umwelteinflüsse und Krankheiten können die Stammzellen im Laufe des Lebens schädigen. Deshalb gibt es eine Altersbeschränkung für Knochenmarkspender, denn ab einem gewissen Alter sind die Stammzellen nicht mehr leistungsstark genug, um sie für Therapien zu verwenden. Bei der Entnahme besteht für den Spender ein gesundheitliches Risiko. Es ist zwar nicht sehr hoch, kann aber auch nicht von vornherein komplett ausgeschlossen werden.

Stammzellen aus dem Nabelschnurblut haben diese Nachteile nicht. Sie werden direkt nach der Geburt eines Kindes aus der Nabelschnur entnommen. Das ist für Mutter und Kind vollkommen schmerz- und risikofrei. Die Nabelschnurblut-Stammzellen sind besonders jung und vital. Sie eignen sich deshalb hervorragend für den medizinischen Einsatz. Da die Gefahr für chromosomale Anomalien geringer und das Vermehrungspotenzial im Vergleich zu Stammzellen aus Knochenmark höher ist, werden Stammzellen aus der Nabelschnur immer häufiger bei der Leukämie-Therapie eingesetzt. Eltern, die vorsorgen möchten, können die Nabelschnurblut-Stammzellen direkt nach der Geburt ihres Nachwuchses entnehmen lassen. Nach der Gewinnung werden die Stammzellen in einem Kältetank mit Hilfe von flüssigem Stickstoff eingefroren. Sie können im Kälteschlaf problemlos mehrere Jahrzehnte sicher aufbewahrt werden. Bei Bedarf stehen die Stammzellen später für den Therapiezweck bereit. Wie sich Nabelschnurblut sichern und einlagern lässt, wird online bei Vita 34, einer deutschen Stammzellbank, in einem Video verständlich dargestellt.

Nabelschnurblut enthält neben blutbildenden Stammzellen auch mesenchymale Stammzellen, welche die Fähigkeit haben sich in folgende Zellen zu entwickeln:
  • Knochenzellen
  • Knorpelzellen
  • Muskelzellen
  • Bindegewebszellen

Die Stammzellforschung arbeitet daran, dass künftig mit den Nabelschnurblut-Stammzellen auch degenerative Erkrankungen behandelbar sind. Da sie eine höhere Teilungsrate zu verzeichnen haben und die Verträglichkeit als besonders hoch eingestuft wird, gelten Stammzellen aus Nabelschnurblut als Hoffnungsträger der regenerativen Medizin. Dank der Langzeiteinlagerung sind diese Stammzellen auch schnell verfügbar. In den Kälte-Depots kommt ihr Stoffwechselprozess zum Erliegen. In Sachen Vitalität müssen keinerlei Einbußen in Kauf genommen werden. Stattdessen bleiben die Stammzellen voll funktionsfähig und weisen nach der Konservierung das gleiche Potenzial auf, wie direkt nach der Entnahme. Das haben Tests belegt.

Ob das Nabelschnurblut nach der Geburt inklusive der enthaltenen Stammzellen grundsätzlich eingelagert werden sollte, lässt sich nicht objektiv beantworten. Fest steht jedoch, dass es sich um eine einmalige Gelegenheit handelt, adulte Stammzellen risikofrei zu gewinnen und die Stammzellenforschung das Potenzial bereits mehrfach aufzeigen konnte. Forscher an der US-amerikanischen Duke University konnten beispielsweise nachweisen, dass bestimmte Zellen aus dem Nabelschnurgewebe in der Lage sind, das Wachsen von Netzhautzellen zu optimieren. Die Hoffnung der Forscher beruht auf der Annahme, dass Stammzellen aus Nabelschnurblut in Zukunft zur Behandlung von Augenerkrankungen wie der Makuladegeneration eingesetzt werden könnte. Aber auch andere Anwendungsmöglichkeiten zum Beispiel bei Herzinfarkt, Schlaganfall oder Diabetes wurden schon in Studien überprüft. Die Ergebnisse stimmen sehr hoffnungsvoll.

Dennoch bleibt abzuwarten, bei welchen Indikationen die Stammzelltherapie eine Standardtherapie wird. Wer entsprechend Vorsorge treffen möchte, muss sich bereits in der Schwangerschaft mit dem Thema auseinandersetzen und die Entscheidung pro oder contra Nabelschnurblut-Einlagerung treffen, denn die Möglichkeit gibt es nur einmal im Leben – direkt nach der Geburt. Die finanziellen Belastungen für werdende Eltern sind gegeben. Doch bieten viele private Nabelschnurblutbanken auch attraktive Finanzierungsmodelle an. Wer außerdem frühzeitig weiß, dass er diese Form der Gesundheitsvorsorge für seine Kinder in Anspruch nehmen möchte, kann sicherlich auch bei Großeltern, Freunden und Verwandten entsprechende Unterstützungswünsche äußern – spätestens, wenn die Frage aufkommt: „Braucht Ihr noch etwas für das Baby“?


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