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Saarländer Philipp Wollscheid ist der Senkrechtstarter des 1. FC Nürnberg

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Von SZ-Mitarbeiter Walter Koster, 25.06.2011 21:08
Fußball-Bundesligist 1. FC Nürnberg gehört zu den Überraschungs-Mannschaften der vergangenen Saison, ihr Spieler Philipp Wollscheid zu den Aufsteigern des Jahres. In der SZ-Sportredaktion plauderte der Hochwälder aus Morscholz über seinen rasanten Aufstieg.
Saarbrücken. Ganz locker, von einem Urlaub auf Ibiza und zu Haus im „Hotel Mama“ in Morscholz gut erholt, hockt unser Redaktionsgast völlig entspannt am Tisch, vor ihm eine Auswahl an Kaffeestückchen – und Philipp Wollscheid greift zu. „Ja, ich habe Hunger“, sagt der Fußball-Jungprofi und beißt kräftig zu. Bei einem Gardemaß von 1,94 Metern und 88 Kilo hat der Schlaks „keine Probleme mit dem Essen. Im Gegenteil, ich würde gerne noch zwei Kilo zulegen“, verrät der Lange.

Die Stunde der körperlichen Fitness schlägt für Philipp Wollscheid und seine Mannschaftskameraden beim Bundesligist 1. FC Nürnberg an diesem Sonntag um 15 Uhr. „Ab dann bereiten wir uns auf die neue Saison vor“, erzählt der Hochwälder aus dem Waderner Stadtteil Morscholz.

Für Wollscheid steht fest: „Das wird eine harte Saison, wir werden uns wieder ins Zeug legen müssen.“ Bis zum Saisonauftakt will sich der talentierte Defensivspieler im Training reinknien. „Für die Sprungkraft musste ich meine Beinmuskulatur stärken, da hatte ich Nachholbedarf“, gibt er zu: „Und ich will dort weitermachen, wo ich aufgehört habe.“

Große Sprüche hinauszuposaunen, sind nicht Wollscheids Ding. „Ich bin nicht so vermessen und sage: Wir wollen jedes Jahr in Europa mitspielen.“



Dass Wollscheid es unter Trainer Dieter Hecking in der Rückrunde zum Stammspieler brachte, hatte kaum einer geahnt – er selbst auch nicht.  „Dass es so schnell nach oben geht, daran hatte ich nicht gedacht“, sagt Wollscheid. Der 22- Jährige war zu seinen FCS-Zeiten ziemlich unten. Während der Saison 2007/2008 wechselte der Innenverteidiger des SV Rot-Weiß Hasborn zum Oberliga- Konkurrenten 1. FC Saarbrücken, wo der damals 18-Jährige sich oft mit der Rolle des Ersatzspielers zufrieden geben musste. „Später bekam ich nur noch ein Angebot für die Reserve in der Saarlandliga“, sagt Wollscheid rückblickend: „Ich aber war überzeugt, dass ich auf höherem Niveau spielen kann.“

Der Einser-Abiturient stand vor der Frage: Weiter Fußball spielen oder studieren? Beim FCS sah Wollscheid keine sportliche Zukunft, sein Berater Guido Nickolay vermittelte ihn zum 1. FC Nürnberg. Nach einem Probetraining in der Regionalliga- Mannschaft des FCN blühte Philipp unter Trainer René Müller richtig auf. „Hier habe ich Fußball richtig gelernt, umsichtiges Stellungsspiel, intelligentes Zweikampfverhalten, Passsicherheit, taktisches Verständnis“, sagt Wollscheid, der seine Jugendjahre bei den Dorfvereinen SV Morscholz, FC Wadrill, VfL Primstal und der SG Noswendel-Wadern verbrachte.

Und dann kam der 20. November 2010, „ein Datum, das ich nie vergessen werde“. Am 13. Spieltag bestritt Philipp Wollscheid als Einwechselspieler sein erstes Bundesligaspiel (1:3 gegen Kaiserslautern). „Trotz der Niederlage war es ein schöner Tag und ein schönes Gefühl für mich“, erinnert er sich.  Die folgenden drei Spiele saß Wollscheid auf der Bank, spielte die restlichen 18 Begegnungen komplett durch.



Mit drei Treffern (gegen St. Pauli, Wolfsburg und Hoffenheim) trug er sich als Abwehrspieler in die Torschützenliste ein. Stürmerstars wie Mario Gomez, Ruud van Nistelrooy oder Claudio Pizarro stellte der Senkrechtstarter kalt. Trainer Hecking fühlt sich bei Wollscheid ab und an an den jungen Per Mertesacker erinnert. Und der Jung-Profi fühlt sich „geehrt. Per ist auch so lang und schlaksig wie ich. Ein sehr guter Spieler. An einem wie ihm kann man sich orientieren, bei ihm abgucken, wie er sich gegen die kleinen, flinken, drahtigen Spieler verhält“. In einer Sache hat Wollscheid dem Bremer jedenfalls schon mal den Rang abgelaufen: Das Fachmagazin „kicker“ wählte ihn in die Elf des Jahres – bei nur 19 Spielen.
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