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Saarbrücken

Jorgo Chatzimarkakis und Max Otte diskutieren im Saartalk über die Zukunft Europas

Der Saartalk ist eine Gesprächsreihe des Saarländischen Rundfunks und der Saarbrücker Zeitung. Gestern stellten sich Jorgo Chatzimarkakis, saarländischer Europa-Abgeordneter (FDP), und Max Otte, Finanzexperte und Professor für Betriebswirtschaft, den Fragen von SR-Chefredakteur Norbert Klein und SZ-Chefredakteur Peter Stefan Herbst. SZ-Redakteurin Ute Klockner hat das Gespräch in Auszügen dokumentiert. (Veröffentlicht am 10.09.2012)

Saartalk mit Jorgo Chatzimarkakis und Max Otte

Jorgo Chatzimarkakis und Max Otte diskutieren mit den Chefredakteuren Norbert Klein (SR) und Peter Stefan Herbst (SZ) über Entwicklungen im Euro-Raum (von links). Foto: Oliver Dietze

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Saarbrücken.
Herbst: Zahlen wir in zehn Jahren noch mit dem Euro?
Otte:  In fünf Jahren wäre ich mir sicher, dass wir ihn noch hätten. In zehn Jahren würde ich sagen Fifty-Fifty.

Klein: Ist Griechenland dann noch dabei?
Chatzimarkakis: Umgekehrt. Ich würde die Frage stellen, ob Deutschland dann noch dabei ist. Den Euro wird es auf jeden Fall noch geben. Die Frage ist, ob Deutschland das noch mitmacht oder ob es dann vielleicht wieder eine Gulden-Mark gibt.
Otte:  Es ist aus meiner Sicht illusorisch, dass Deutschland alleine aussteigt. Das können wir uns nicht leisten. So weit kommt es nicht. (…)  Diese Euro-Rettung geht gegen das griechische Volk. (…) Wir retten ja nicht den Euro, wir retten wieder mal die griechischen Banken (…). Wenn etwas passiert, sehe ich schon als erstes einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone. (…) Dann hätte Griechenland die Chance, wieder auf die Beine zu kommen.
Chatzimarkakis: Wir machen das schon seit 2008 und der Lehman-Krise (…). Wir helfen Banken statt Menschen. Das setzt sich in Griechenland fort. Die griechischen Schulden machen drei Prozent der Gesamtschulden der Euro-Zone aus. Das ist nicht so viel. Wir sollten eher darüber reden, wie wir die Schuldenproblematik insgesamt in den Griff kriegen. (…) Wir haben in der Tat den Fehler gemacht und Griechenland aufgenommen. (…) Wir haben politisch, nicht wirtschaftstheoretisch entschieden. Jetzt müssen wir das Ganze auch politisch fortsetzen.
Otte: Wieso denn? Wieso kann man das nicht zurückdrehen?
Chatzimarkakis:  (…) Wieso ist die Bundeskanzlerin plötzlich so davon überzeugt, dass Griechenland drin bleiben muss? Ganz einfach: (…) Herr Obama macht Druck, noch viel schlimmer ist unser neuer Super-Partner China. Der Ministerpräsident (…) hat offen gesagt: Wenn ihr ein Land raus gehen lasst, (…) dann fällt alles zusammen, dann helfen wir euch nicht mehr.

Klein: War der Euro von Anfang an eine Fehlkonstruktion?
Otte: Der Euro war eine Fehlkonstruktion. Das haben wir damals auch gesagt (…). Sie können nicht eine Währung über verschiedene Wirtschaften stülpen.

Herbst: Mündet der Druck auf Griechenland dort nicht auch in Fremdenfeindlichkeit?
Chatzimarkakis: (…) Griechenland war früher das Europaland Nummer Eins mit Italien. Das ändert sich jetzt. Es hat auch anti-deutsche Töne gegeben.

Klein: Wo kann Deutschland ein Vorbild sein?
Otte:  Wir müssen weiter offen sein für Migration. (…) Wir müssten wirklich in dieser Krise zurück zu den ersten Prinzipien Europas (…)  ein Europa bauen, was als Vereinigte Staaten von Europa im Endziel natürlich wirklich funktionieren kann.

Herbst: Wie stark schaden Kraftausdrücke vor allem aus der CSU dem Ansehen Deutschlands in Europa?
Chatzimarkakis: Ich lese italienische, spanische und vor allem griechische Zeitungen. Die Herren Dobrindt und Rösler sind dort absolut bekannt. (…) Das schadet dem Ansehen Deutschlands enorm.

Herbst: Sehen Sie den Verlust der demokratischen Kontrolle?
Otte: Definitiv. Ich sehe, dass die Finanzmärkte in vielen Dingen die Akzente setzen und die Politik hinterher hechelt. Ich wünsche mir nichts mehr als ein Primat der Politik, das verloren gegangen ist.

Klein: Kann die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts dazu führen, dass die Politik etwas selbstbewusster auftritt?
Chatzimarkakis: (…) Die Macht liegt beim Deutschen Bundestag. Was wir brauchen, das sind Politiker, die das verstehen, was sie sagen und was sie verabschieden. Wir haben viel zu wenig Expertise und haben uns treiben lassen.

Herbst: Wie entscheidet am Mittwoch das Bundesverfassungsgericht?
Otte:  Letztlich wird das Verfassungsgericht genau das sagen, nämlich dass das Parlament als die Vertretung des Volkes über diese Dinge zu entscheiden hat.

www.saarbruecker-zeitung.de/saartalk
www.sr-online.de


„Die meisten Finanzexperten sind schlechter als ihr Ruf“

Zum Abschluss des Saartalks gilt es für den Gast, eine Reihe von kurzen Sätzen schnell und möglichst spontan zu ergänzen.

Klein: Der Euro ist viel stabiler als viele Europäer glauben, weil...
Chatzimarkakis: ...der Vergleich mit der D-Mark aus einem vergleichbaren Zeitraum das beweist.

Herbst: Mein privates Vermögen investiere ich in...
Otte: ...europäische Aktien und Gold.

Klein: In der aktuellen Krise vertraue ich vor allem auf...
Chatzimarkakis:  ...die Europäische Zentralbank.

Herbst: Finanzexperten und Fondsmanager sind besser als ihr Ruf, weil...
Otte: Nein. Sie sind meistens schlechter als ihr Ruf.

Klein: Die FDP bleibt zurzeit weiter hinter ihren Möglichkeiten zurück, weil...
Chatzimarkakis: ...sie sich von ihrem Erbe, eine pro-europäische Partei zu sein, ein wenig gelöst hat.

Herbst: Politiker sind in der aktuellen Krise häufig überfordert, weil...
Otte: ...sie in der Tat sich mit den Sachen nicht befassen und die Banken die großen Lobbymittel und Macht haben, um das zu beeinflussen.

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