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Saarbrücken

Saar-Piraten Jasmin Maurer und Thomas Brück im Saartalk

Der Saartalk ist eine Gesprächsreihe des Saarländischen Rundfunks und der Saarbrücker Zeitung. Gestern stellten sich Jasmin Maurer, Landesvorsitzende der Piratenpartei, und ihr Stellvertreter Thomas Brück den Fragen von SR-Chefredakteur Norbert Klein und SZ-Chefredakteur Peter Stefan Herbst. SZ-Redakteur Daniel Kirch hat das Gespräch in Auszügen dokumentiert. (Veröffentlicht am 16.04.2012)

Die Saar-Piraten Jasmin Maurer und Thomas Brück waren beim Saartalk zu Gast.Foto: Dietze

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Saarbrücken. Herbst: Bei der Landtagswahl haben die Piraten 7,4 Prozent erreicht, sie haben vier Abgeordnete. Bundesweit liegen Sie in den Umfragen bei 13 Prozent. Eine aktuelle Umfrage sieht Ihr Wählerpotenzial sogar bei 30 Prozent. Macht Ihnen so viel Erfolg nicht Angst?
Maurer: Was heißt Angst? Umfragen sind natürlich etwas anderes als das amtliche Endergebnis. Ob es dann wirklich 30 Prozent werden, wird man bei einer der nächsten Wahlen sehen. Selbst wenn wir Angst hätten, könnten wir daran nichts ändern.

Klein: Ihnen wird vorgehalten, Sie bieten eine Hülle an als Partei, aber noch keine wirklichen Inhalte. Sie haben jetzt am Wochenende einen Parteitag gehabt, bei dem Sie Ihr Programm komplettiert haben. Für welche Richtung stehen Sie? Was ist eigentlich Ihr Kernthema?
Brück: Die Kernthemen haben sich nicht geändert. Das ist nach wie vor das Urheberrecht, das ist die Transparenz, das sind die Bürgerrechte. Darauf haben wir aufgebaut und erweitern uns, und zwar mit den Bürgern, mit den Leuten, die zu uns kommen, die dann vielleicht sogar Mitglied werden. Dann gehen wir deren Probleme an (. . .) Eine Hülle ist das nicht mehr.

Klein: Was ist Ihr ideologischer Kern? Was macht diese Piratenpartei wirklich aus?
Maurer: Der ideologische Kern der Piratenpartei ist einfach, dass jedes Mitglied – ob es jetzt im Vorstand ist oder ob es ganz normales, frisch beigetretenes Mitglied ist – die gleichen Rechte hat. Wir haben kein Delegiertensystem, sondern bei uns kann jeder Anträge einreichen, jeder kann abstimmen. Wir sind alle gleich. (. . .) Das ist das, was neu ist und was außen sehr gut ankommt. Deswegen kommen auch viele Leute zu uns.

Herbst: Die Piraten sind im Höhenflug. Haben Sie keine Sorge, dass desto höher Sie steigen, dass Sie auch tief abstürzen können? Das ist der FDP und ein Stück weit auch den Grünen so passiert.
Brück: Die Gefahr besteht immer. Mir persönlich wäre es lieber, es würde etwas langsamer vorangehen. Diese Umfragewerte, das sind ja reine Spekulationen, was da gerade läuft. Das wird sich relativieren. Da muss man einfach realistisch bleiben.

Herbst: Herr Brück, wen haben Sie eigentlich gewählt, bevor Sie zu den Piraten gekommen sind?
Brück: Ich muss ehrlich sagen, ich habe schon ungültig gewählt, ich habe schon grün gewählt, ich habe sogar schon links gewählt. Und ich glaube, ich habe sogar schon mal SPD gewählt. CDU habe ich, glaube ich, noch nie gewählt.

Klein: Ist das ein Zeichen, wie die Piraten einzuordnen sind: links der Mitte?
Brück: Wir wollen uns nicht einordnen lassen auf dieser Schiene. (. . .) Es gibt Positionen der Piraten – auch bundesweit – die deutlich FDP-lastig sind, andere wiederum gehen ins linke Lager. Und am wenigsten haben wir Überschneidungen mit den konservativen Plänen, das ist deutlich. (. . .)

Herbst: Um eine Partei besonders sympathisch zu finden, muss man auch ein Bild von den anderen haben. Was hat Sie an den etablierten Parteien gestört?
Maurer: Man hat sie nie erreicht. Da standen zwar auch Leute am Infostand, aber das waren Leute, die hatten gar nichts zu sagen, außer mal einen Infostand zu machen und sich ansonsten immer schön klein zu halten. Wenn man in so eine Partei eintritt, hat man nichts zu sagen. (. . .)

Herbst: Wo denken Sie, dass im Saarland Geld verschwendet wird? Wo könnte gespart werden?
Maurer: Geld verschwendet wird auf jeden Fall bei diversen Großprojekten, bei denen die Kosten explodieren. (. . .) Da müssten unserer Meinung nach die Betroffenen befragt werden: Braucht ihr das überhaupt, wollt ihr das? Wo man auch auf jeden Fall einsparen kann, ist in der Verwaltung. Es gibt mittlerweile so viele Plätze, die durch PC und so weiter vereinfacht werden. Viele Plätze könnte man da einsparen.


Zum Abschluss des Saartalks gilt es für die Gäste, eine Reihe von kurzen Sätzen schnell und möglichst spontan zu ergänzen. Hier die Antworten von Jasmin Maurer und Thomas Brück:

Die Piraten sind anders als andere Parteien, weil . . .
Brück: . . . wir anders sind und anders sein wollen.

Unser Erfolg im Saarland erklärt sich darin . . .
Maurer: . . . dass wir auf die Menschen zugehen und selbst menschlich sind.

Wenn es die Piraten nicht gäbe, müsste . . .
Brück: . . . eine andere Partei mit anderem Namen auf die Bildfläche kommen, aber das gleiche Ziel verfolgen.

Frau Maurer, der Unterschied zwischen meiner bisherigen Ausbildungsvergütung und den Diäten im saarländischen Landtag ist . . .
Maurer: Da müsste ich jetzt rechnen: 4500 Euro.

Alle Piraten verbindet . . .
Brück: . . . die Basisdemokratie.

Von den etablierten Parteien unterscheidet uns . . .
Maurer: . . . dass wir kein Delegiertensystem haben und bei uns jeder gleich ist.

Herr Brück, an Jasmin Maurer schätze ich besonders . . .
Brück: . . . dass sie eine verbissene Piratin ist.

Frau Maurer, an Thomas Brück schätze ich besonders . . .
Maurer: . . . dass er vielleicht durch sein Alter schon ruhiger ist und ein guter Ausgleich zu meiner Persönlichkeit.

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