Saarbrücken | Sulzbachtal | Völklingen | Köllertal | Neunkirchen | Homburg | St. Ingbert | St. Wendel | Saarlouis | Dillingen | Merzig-Wadern | Zweibrücken

Anmelden   |   Sie befinden sich hier: Startseite - Stadtgespräch

Dominik D. wurde wegen seiner Behinderung aus einem Fitnessstudio geworfen. Er machte seinem Ärger über die Diskriminierung Luft. Seine Geschichte bei "Leben in Saarbrücken" löste einen Empörungssturm aus. Das Fitnessstudio das ihn rauswarf, hat sich nun von dem Saarbrücker Filialleiter getrennt und will das Studio behindertengerecht ausbauen. Foto: Oliver Dietze

Foto 1 / 1

„Bitte kommen Sie nicht mehr wieder“


Saarbrücker Fitnessstudio wirft Rollstuhlfahrer raus

Von Fabian Bosse

Dominik D. sitzt im Rollstuhl und will das Fitnessstudio wechseln. Eigentlich sollte das kein Problem sein. Für ihn schon. Ein Beispiel, was Behinderte trotz Gleichbehandlungsgesetzen erleben können. (Veröffentlicht am 04.05.2012)

Dominik D. sitzt im Rollstuhl. Er hatte vor über zwei Jahren einen Snowboard-Unfall. Seither ist er querschnittsgelähmt. Das hindert ihn nicht, mit seinen Freunden zu feiern oder ins Fitnessstudio zu gehen. Weil einige seiner Leute in einem anderen Fitnessstudio trainieren, überlegt er zu wechseln und schaut dort vorbei, wo seine Freunde ein- und ausgehen. Er will ein Probetraining machen, sich die Geräte und das Drumherum anschauen. Er kennt sich aus, weiß, welche Geräte er wie benutzen muss. Der Mitarbeiter an der Rezeption fragt ihn, ob er Hilfe braucht, Dominik D. sagt ‚Nein’, er komme gut allein zurecht und beginnt mit seinen Übungen. Nach einer halben Stunde kommt der Mitarbeiter zu ihm ans Trainingsgerät. „Er sagte zu mir, dass er gerade Ärger mit seinem Chef bekommen hat. Ich könnte meine Übungen noch zu Ende machen. Er müsste mich aber bitten, nicht mehr wiederzukommen“, erzählt Dominik D. „Warum, wollte ich wissen. Habe ich was falsch gemacht?“

Bevor er seinen Rollstuhl in einem Café am St. Johanner Markt an den Tisch lenkt, um seine Geschichte zu erzählen, räumt er noch mit kurzem Griff einen Stuhl beiseite. Seine Stimme ist kräftig. Dominik D. sieht fit aus, hat trainierte Arme und flinke Augen. Es sei das erste Mal gewesen, dass ihm so etwas passiert ist. Außer, dass ein Busfahrer mal seine Hilfe beim Einsteigen verweigert hatte, habe es bisher nie Probleme gegeben. Selbst bei der Sache mit dem Bus hätten ihn dann zwei ältere Damen in den Bus gewuchtet. „Ich gehe mit meinen Freunden oft aus. Die sehen mich nicht als Behinderten und fassen mich auch nicht mit Samthandschuhen an“, sagt er.

Dominik hat die zwei Verantwortlichen des Studios zur Rede gestellt. Warum könne er nicht hier trainieren, habe er gefragt. „Die haben dann erst gesagt, das würde versicherungstechnisch nicht gehen und das Ordnungsamt würde auch was dagegen haben.“ Dominik diskutiert und kommt nicht weiter. Er ist sauer, telefoniert mit dem Ordnungsamt. Die konnten über das Erzählte nur den Kopf schütteln.

Am nächsten Tag ruft er in der Hauptfiliale der Fitnesskette an. „Man sei nicht auf Behinderte eingestellt, habe schwere Türen. Wenn man mir das jetzt erlauben würde, dann könnte ja jeder Behinderte kommen“, erzählt der 28-Jährige. Dominik ist danach so aufgebracht, dass er eine Nachricht auf Facebook in seinem Profil hinterlässt. Nicht nett im Ton, aber so eindringlich, dass viele seiner Freunde seinen Bericht teilen. So wird der Text zum Strohfeuer. Viele wollen aus dem Studio austreten. Eine Frau kündigt an, ihre Bewerbung als Trainerin dort zurückzuziehen.

Das Fitnessstudio selbst wollte der SZ zunächst nichts zum Fall sagen. Erst als der Fall immer mehr die Runde macht, ruft der Inhaber und Geschäftsführer von einer Auslandsreise an. Er wisse auch nicht genau, wie das genau vor Ort gelaufen sei, aber die Art, wie seine Mitarbeiter reagiert hätten, sei nicht in Ordnung gewesen, entschuldigt er sich. Aber was sich Dominik D. erlaubt habe, sei auch schon „ne harte Nuss“ gewesen. Das mit Facebook und dem Medienrummel. Er hätte sich damit nicht fair gegenüber seinem Laden verhalten, sagt der Fitnessstudio-Inhaber. Auf die Frage, ob Behinderte nicht bei ihm ins Fitnessstudio dürfen, fragt er einen Mann, der offenbar im Hintergrund sitzt, ob in einem seiner Studios von ihm Behinderten trainieren. Ja, in einer Filiale gäbe es einen mit Krücken, hallt es zurück.
Er habe nichts gegen Behinderte, sagt der Fitnessstudio-Chef. Das mit Behinderten sei aber schwierig in den Studios: „Wir sind dafür nicht ausgelegt“. Dann gibt er sich versöhnlich, er wolle sich nach seiner Rückkehr mal mit Dominik D. treffen, „will sehen, wie der so als Person drauf ist“. Wenn er dann zugebe, dass er eine Dummheit gemacht habe, dann könne er ruhig dort trainieren. Denn eigentlich könnte er den Rollstuhlfahrer ja auch wegen Beleidigung verklagen. Aber Dominik D. sei ja schon gestraft genug.

Abschließend hält er fest: „Ich habe Hausrecht und entscheide, wen ich reinlasse. Behindert oder nicht. Das ist wie in der Disco: Der Türsteher sagt, du kommst nicht rein, und wenn ich dann frage ‚Warum nicht’, dann sagt der ‚Ist halt so, du passt nicht rein’.“

:: BESUCHT uns doch mal bei FACEBOOK!

Artikel drucken
Anzeige

Zuletzt kommentiert:


App der Saarbrücker Zeitung



Saarbrücker Zeitung Die Saarbrücker Zeitung ist die führende Tageszeitung im Saarland mit elf Lokalausgaben. Die SZ ist heute ein modernes Multimediahaus mit Tageszeitung, iPad-Ausgabe und erfolgreichen Web-Auftritten.
Pfälzische Merkur Der Pfälzische Merkur, gegründet 1713, erscheint in der Westpfalz und im Saar- pfalz-Kreis. Er ist eine der ältesten Tageszeitungen Deutschlands. Herausgeber: Zweibrücker Druckerei und Verlagsgesellschaft mbH.
Trierischer Volksfreund Die Tageszeitung Trierischer Volks- freund erscheint in Trier, Eifel, Hunsrück und an der Mosel. Ergänzt wird das Printangebot durch Apps, das Online-Angebot, Dienstleistungen in Logistik, Kommunikation und Werbung.
Lausitzer Rundschau Die Lausitzer Rundschau ist das führende Medienhaus der Lausitz, dessen Medien der Marktplatz sind für Meinungen und Informationen in der Region. Herausgeber: LR Medienverlag und Druckerei GmbH.
bigFM Saarland bigFM Saarland ist der innovative Sender in der Region für eine junge Hörerschaft. Verrückte Aktionen, regionales Programm und Interaktivität mit den Hörern lassen bigFM im Saarland von Jahr zu Jahr erfolgreicher werden.
euroscript International S.A. euroscript, führender Lösungsanbieter im Bereich Content-Lifecycle-Management, bietet Kunden weltweit umfassende Lösungen zur Konzeption, Entwicklung und Unterstützung von Content-Management-Prozessen.
TeleMedia - Telefonbuchverlag / RTV GmbH TeleMedia, der Telefonbuchverlag der Saarbrücker Zeitung, gibt seit mitt- lerweile 15 Jahren in den Verbreitungs- gebieten Saarland, Westpfalz, Mosel-Eifel-Hunsrück und Brandenburg über 50 Telefonbücher heraus.
Saarriva Als größter regionaler Briefdienstleister beliefert saarriva mehr als 700.000 Haushalte in der Region Saar-Mosel. Die Kooperation mit Partnern ermöglicht den nationalen und internationalen Brief- und Paketversand.
RPV Logistik Neben der Logistik der SZ erstreckt sich die Tätigkeit der RPV Logistik auf die Dienstleistungen eines modernen Druckzentrums, Versand- und Objekt- steuerung für SZ-eigene und fremde Verlagsobjekte.
CircIT GmbH Die circ IT ist ein auf IT-Dienstleistungen für Medien spezialisiertes Unternehmen mit Hauptsitz in Düsseldorf und bedient die Bereiche Media, Online, ERP, Infrastruktur, Desktop Services sowie Professional Services.
Die Berliner Medien Service GmbH (BMS) ist eine Tochterfirma der Saarbrücker Zeitung und besteht aus dem Berliner Büro und dem News-Pool. Das Berliner Büro versorgt zahlreiche Regionalzeitungen in Deutschland und Luxemburg mit hochwertiger Parlamentsberichterstattung aus Berlin. Der News-Pool bietet den angeschlossenen Zeitungen Texte, Fotos und Info-Grafiken zu den Themen Auto, Reisen, Computer, Hochschule, Jugend, Haus und Garten, Medizin oder Fitness.
Die Saarländische Wochenblatt Verlagsgesellschaft mbH, kurz SWV genannt, ist mit 15 Wochenspiegel-Titeln im Saarland vertreten.Der SVW gehört mehrheitlich zur SZ-Gruppe. Woche für Woche erhalten alle saarländischen Haushalte fei Haus wichtige Informationen aus ihrem regionalen Wochenspiegel.