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Industrie als Inspiration für die Kunst





Wadern
Industrie als Inspiration für die Kunst
Von  Bülent Gündüz, 
21. März 2017, 02:00 Uhr
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Walter Bernstein ließ sich vor allem von Motiven der Industrielandschaft an der Saar inspirieren. Fotos: HBK
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Ein Linolschnitt von Helmut Oberhauser.

Die Schau „Schichtwechsel“ im Schloss Dagstuhl begeistert mit kluger Zusammenstellung aktueller und älterer Werke.

Als das Leibniz-Zentrum für Informatik, die Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBK) und Saartoto im vergangenen Jahr ihre Zusammenarbeit bekanntgaben, konnte man höchstens erahnen, welche Qualität die Ausstellungen haben könnten. Das Leibniz-Zentrum wollte seine Räumlichkeiten zur Verfügung stellen, das Lotto-Unternehmen seine umfangreichen Kunstbestände und die HBK Saar ihr Wissen um die Präsentation von Kunst und die Arbeiten junger Künstler. Gerade wurde mit „Schichtwechsel“ die zweite Ausstellung eröffnet und schon jetzt darf man die Menage à Trois als gelungen bezeichnen. Dass sie so gut werden würde, überrascht dann doch. Das liegt durchaus auch am Ort der Präsentation, den die Kuratorin Nadine Brettar perfekt zu nutzen weiß. Der Wandelgang des Schlosses Dagstuhl in Wadern mit Glasfront zum Innenhof eignet sich wunderbar für die Kunst. Zumal man mit dem Seminarzentrum einen Ort hat, an dem sich täglich Menschen aus aller Welt begegnen und damit saarländische Kunst einem Publikum weit über die Landesgrenzen hinaus präsentiert werden kann.

Der Erfolg liegt natürlich auch an den hervorragenden Exponaten aus den Beständen von Saartoto. Ausgangspunkt sind dieses Mal allerdings Werke von Walter Bernstein (1901–1981) aus der Sammlung der Gemeinde Schiffweiler. Die saarländische Bergbaulandschaft, die Auswirkungen der Montanindustrie auf die Menschen und deren Lebensraum sowie die Transformation der Region nach dem Ende des Bergbaus stehen als künstlerisches Sujet im Fokus der vier Kapitel von „Schichtwechsel“. Da liegt es nahe, Bernstein als einen der eifrigsten Chronisten des Saarlandes nach dem Zweiten Weltkrieg zu zeigen. Der Maler gewährt mit seinen expressionistischen Werken einen tiefen Einblick in Land und Leute. Sein Malstil ist unverwechselbar. Häufig betont er bei den von Bergbau und Montanindustrie geprägten Landschaften durch unterschiedlich dicken Farbauftrag und durch die Vervielfältigung von parallelen Linien industriearchitektonische Elemente. Dadurch gewinnen seine Bilder an Dynamik und Ausdruck. Nicht selten tastet er sich mit kurzem Pinselstrich vor bis an die Grenze zur Abstraktion.

Ergänzt werden Bernsteins Arbeiten von Druckgrafiken seines Zeitgenossen Helmut Oberhauser, der mit seinen groben Linolschnitten einen Fokus auf den Menschen und seine unmittelbare Arbeitswelt legte. Aus den Beständen von Saartoto stammt neben Oberhausers Drucken auch die von der Homburger Galerie Beck 1996 aufgelegte Mappe mit zarten Grafiken der Künstlerinnengruppe Saar zum Thema „Völklinger Hütte“. Dazwischen finden sich immer wieder Arbeiten von Studierenden und Gästen der Saarbrücker Kunsthochschule. Sie bringen mit neuen Techniken Abwechslung in die Ausstellung. Neben einem Video und einer Soundinstallation ist das auf einer korrodierten und bemalten Metallplatte entstandene Werk von Helga Elsner bemerkenswert, weil es Material und Thema perfekt vereint. So beweist die Ausstellung nicht nur den künstlerischen Schichtwechsel, sondern ermöglicht auch einen Sichtwechsel und neue Perspektiven.

Bis 12. Mai. Besichtigung nach Anmeldung, Tel. (0 68 71) 90 50; Mo bis Do 9-16 Uhr, Fr 9-14 Uhr.


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