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Erstmals Plattform für neue Geschäftsmodelle in der Kultur- und Kreativwirtschaft





Frankfurt
Frankfurter Buchmesse setzt auf Kunst
Erstmals Plattform für neue Geschäftsmodelle in der Kultur- und Kreativwirtschaft

dpa-Mitarbeiterin Sandra Trauner,  20. Oktober 2016, 02:00 Uhr
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50 mal 70 Zentimeter groß und knapp 500 Seiten dick: Auf der Buchmesse stellte der britische Maler David Hockney diesen überdimensional großen Band mit seinen Werken vor. Foto: Arne Dedert/dpa

Foto: Arne Dedert/dpa
„The Arts+“ heißt der Themenschwerpunkt auf der Frankfurter Buchmesse. Vor allem Museen mit ihren zunehmend digitalisierten Sammlungen sind die Zielgruppe. Ein Maler-Star war auch zu Gast: David Hockney, der gerne mit dem Tablet malt, stellte einen Bildband im Riesenformat mit seinen Werken vor.

Einer der Stars der diesjährigen Buchmesse ist: der Maler David Hockney. Ein Maler? Ja, die Buchmesse macht in diesem Jahr auch in Kunst. Mit dem neuen Themenschwerpunkt „The Arts+“ will sie neue Aussteller auf die Messe und miteinander in Kontakt bringen: Museen und Archive einerseits, die Anbieter digitaler Lösungen andererseits. Zum Auftakt gestern fragte sich so mancher Messebesucher, was das denn noch mit Büchern zu tun hat.

Auf der Buchmesse gehe es um „Content“, erklärt Holger Volland, der „The Arts+“ mitentwickelt hat: um Inhalte. Ein Content könne zum Buch werden, zum Film, aber auch zum Online-Katalog einer Ausstellung oder zu digital aufbereiteten Daten. „Letztlich geht es immer darum, wie aus einem künstlerischen Inhalt ein lizensierbares Produkt wird.“

Das Messeteam müht sich redlich, die Kunstmesse in der Buchmesse zu etablieren. Als Eröffnungsredner der „Arts+“-Fachkonferenz gestern konnte man Jeff Jarvis gewinnen, Autor des Bestsellers „What would Google do?“. Er schlug mühelos einen Bogen von der ersten Druckerpresse zu digitalen Produkten: „Schon Gutenberg kombinierte Inhalt und Technologie.“

In Halle 4.1. können Messebesucher bis Sonntag sehen, wie Inhalte und Technologie heute kombiniert werden. Einer der größten Aussteller ist „Google Arts & Culture“. Museen und Archive können auf dieser kostenlosen Plattform ihre Kunstwerke online zugänglich machen. 1200 Institutionen sind bereits dabei, wie Sprecherin Kristine Leipold sagt. Von der Buchmesse erhofft Google sich neue Partner, mehr Nutzer und „größere Sichtbarkeit“.

Die Kernzielgruppe des neuen Schwerpunkts sind Museen. Sie haben ihre Sammlungen digitalisiert und damit neue Möglichkeiten des Publizierens in der Hand. Doch in Halle 4.1. finden sich nur wenige Museen unter den Ausstellern. Das Frankfurter Städel-Museum, weltweit einer der Vorreiter bei der digitalen Aufbereitung von Kunst, ist nicht dabei. „Ein Messestand ist nicht die richtige Plattform für uns“, sagt Sprecher Axel Braun. Aufwand und Kosten seien zu hoch.

Eines der wenigen Häuser, die nach Frankfurt gekommen sind, ist das Amsterdamer Van Gogh Museum. Auf der linken Seite des Messestandes stehen Bücher und Kataloge, auf der rechten zeigt ein Tablet die App des Amsterdamer Museums. Der Nutzer kann dort von Bildern die Röntgenaufnahmen sehen oder das darunterliegende Gemälde. Das Museum hat zum ersten Mal auf der Buchmesse einen eigenen Stand, sagt Betty Klaassen. Sie will herausfinden, „was möglich ist im E-Publishing“. Nicht alle Aussteller bei „The Arts+“ lassen sich mühelos in das Konzept einbetten. Die Anbieter einer Mobilitäts-App sind dabei und eine Metallfirma, die per 3D-Scan von jedermann eine Büste fräst. Die Frage, warum sie auf einer Buchmesse sind, konnten nicht alle beantworten.

Der Andrang hielt sich am ersten Tag in Grenzen – anders als bei David Hockney, dessen Messeauftritt von Massen umlagert war. Der Taschen Verlag stellte in Frankfurt seine überdimensionale Hockney-Monographie „A Bigger Book“ vor: 50 mal 70 Zentimeter groß und knapp 500 Seiten dick. Die signierte Version des Riesenbuchs kostet 2000 Euro, die Sonderausgabe mit Kunstdruck 4000 Euro. Taschen war jahrelang nicht auf der Messe. Früher hatte der Kunstbuchverlag oft riesige Standflächen. Dann blieb der Verlag der Messe fern, machte zwar Geschäfte in Frankfurt, aber in einer Hotel-Suite und nicht an einem Messestand. „The Arts+“ sei „der perfekte Anlass“ gewesen zurückzukehren, sagt Sprecherin Veronica Weller.



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