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68. Frankfurter Buchmesse gestern eröffnet – Gastländer sind die Niederlande und das flämische Belgien





Frankfurt
Niederländische Verlage setzen auf den deutschen Buchmarkt
68. Frankfurter Buchmesse gestern eröffnet – Gastländer sind die Niederlande und das flämische Belgien

Von  Roland Mischke, 
19. Oktober 2016, 02:00 Uhr
Die Niederlande und Flandern sind Ehrengast der Frankfurter Buchmesse, die gestern Abend eröffnet wurde. Die Literaturproduktion ist erstaunlich, aber die meisten Bücher werden in Deutschland verkauft. Rund 700 Austeller aus 100 Ländern sind in diesem Jahr vertreten.

„Dit is, wat we delen“ – das ist, was wir teilen, heißt das Motto des Ehrengastes. Allerdings ist der Buchmarkt der Niederlande und von Flandern, das zu Belgien gehört, sehr klein. In Holland leben nur 17 Millionen, in Flandern sechs Millionen Menschen. Deutschland ist deshalb für die Buchverleger der viel wichtigere Markt. Denn in beiden Ländern wird erstaunlich viel geschrieben und gedruckt. 70 holländische und 35 Autoren aus Flandern sind in Frankfurt zu Gast. Laut dem Übersetzer Stefan Wieczorek gibt es bei den Autoren, ob alt, älter oder jung, eine Gemeinsamkeit: Sie verfassen „Romane, die sich durch einen starken Gegenwartsbezug, sogar Alltagsnähe auszeichnen, die realistische Erzählweisen variieren, die fesselnd und auch unterhaltend erzählen.“ Ziemlich anders als deutsche Literaten, die überwiegend zu schwermütigen Gedanken, Melancholie und Bauchnabelumkreisung tendieren.

Die niederländische Literatur erlebte dank Harry Mulisch und Cees Nooteboom zu Beginn der 1990er Jahre hierzulande einen Durchbruch. Das wiederum dank Marcel Reich-Ranicki, der im „Literarischen Quartett“ Nootebooms Roman „Die folgende Geschichte“ überaus lobte. Das Buch wurde ein großer Erfolg- Mulisch hatte sogar eine Fangemeinde in Deutschland, seit „Das Attentat“ auf Deutsch zu lesen war. Von den flämischen Autoren fand nur Hugo Claus („Der Kummer von Flandern“) bei den deutschsprachigen Lesern Widerhall. Mulisch und Claus sind inzwischen verstorben, der vielreisende Niederländer Nooteboom ist mit 83 noch produktiv.

Doch jüngere und mittelalte Schriftsteller werden inzwischen rege auf Deutsch verlegt: Maarten t' Hart, Margriet de Moor, Connie Palmen, Geert Mak im Sachbuchbereich. Aufsteiger sind Wytske Versteeg, Jahrgang 1983, mit ihrem Roman „Boy“ über den Tod eines schwarzen Adoptivkindes, oder Bregje Hofstede, 1988 geboren, die in ihrem Roman „Der Himmel über Paris“ eine vergangene Liebe reflektiert. Geert Mak ist ein besonders einfühlsamer Welterklärer von elegantem Stil. Der belesene Wissenschaftler schreibt über die Geschichte Europas, Amerikas und natürlich seines Heimatlandes. In Frankfurt werden jetzt mehrere literarische Titel in Neuübersetzung präsentiert, das hat noch kein anderes Gastland geschafft. Der Umsatz an Literatur in den Niederlanden ist auf 498 Millionen Euro angestiegen.

Bei den Flamen ist es schwieriger. Die Verlage sind in Antwerpen konzentriert, sie sind klein und nur eine von zehn Buchausgaben beschert ihnen einen kleinen Gewinn. Flämische Autoren gehen lieber zu niederländischen Verlagen, das ist finanziell attraktiver. Immerhin: In Vorbereitung auf die Frankfurter Buchmesse stieg die Zahl der Übersetzungen aus dem Flämischen um 400 Prozent. 2015 wurden in Flandern mit Büchern 196 Millionen Euro generiert, ein Rekord, vermeldet der Verlegerverband.



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