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Das höchst vergnügliche Wissenschaftsbuch „Wie man mit dem Feuer philosophiert“ erklärt die Welt der Chemie





Saarbrücken
Bitte nicht nachmachen! Curare-Gift als Magenbitter
Das höchst vergnügliche Wissenschaftsbuch „Wie man mit dem Feuer philosophiert“ erklärt die Welt der Chemie

Von  Ruth Rousselange, 
08. Januar 2016, 02:00 Uhr
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Der Einband des Buchs mit pfiffigen Illustrationen von Vitali Konstantinov. Foto: Peter Hammer verlag Foto: Peter Hammer verlag
Wie entstand die moderne Chemie? Hätten wir ohne Wespen das Papier erfunden? Auf diese und andere Fragen gibt ein neues Buch verblüffende Antworten.
Wer weiß, ob ohne Wespen das Papier, wie wir es heute kennen, erfunden worden wäre. Bei diesen Tieren schauten sich die Menschen ab, wie man Papier aus Holz herstellt. Mit bunten Steinen wie Ocker malten sie vor zehntausenden Jahren an die Wände von Höhlen. Und aus der Rinde einer Liane stellten Indianer am Orinoco Curare her, ein tödliches Gift, das in geringen Mengen medizinisch wirken kann. Die Indianer nahmen es unerschrocken als Magenbitter.

Wie die moderne Chemie entstand, wie sie aus den Wäldern in die Labore zog und aus Alchemisten Chemiker wurden, erzählt Jens Soentgen unvergleichlich unterhaltsam in „Wie man mit dem Feuer philosophiert“. Er ist Autor und Leiter des Wissenschaftszentrums Umwelt der Universität Augsburg. In dem opulenten, von Vitali Konstantinov pfiffig illustrierten Werk, geht es nicht bloß um Fakten, Soentgen erzählt vom aufregenden bis dramatischen Leben der Forscher, die in meist wenig gesundheitsförderlichen Selbstversuchen einiges riskierten. Auch kollidierten ihre Lehrmeinungen oft hart mit Kirche und Obrigkeit. Da drohten Kerker und Scheiterhaufen. Man erfährt, wie Jacques Cartier mit Tee aus Lebensbaumzweigen Skorbut heilte, wie die Kelten die Seife erfanden und warum Paracelsus Sterne und Metalle für Lebewesen hielt. Furchtlos sollte man als Leser tatsächlich sein, neben der Suche nach dem Stein der Weisen oder schlichter Goldmacherei kommt Unappetitliches vor, unangenehme Krankheiten, Hinrichtungen, Menschenfresser, selbst im so zivilisierten Europa. Dort verkauften Apotheken bis in die 1920er Jahre Menschenfleisch, sogenannte Mumia, als Allheilmittel gegen alle möglichen Wehwehchen. Den Band beim Frühstück zu lesen, ist also wenig ratsam.

Soentgen birgt die erstaunlichsten Geschichten aus Legenden, Forschungsberichten und Historien. Sie zeigen, wie viele Entdeckungen dem Zufall zu verdanken sind, wie unedel sich Chemiker gelegentlich bestahlen und verleumdeten, um der Erste zu sein, der Umwälzendes präsentieren konnte. Neben Philanthropie war Hochstapelei an der Tagesordnung. Eines wies sie aber alle aus: die Offenheit für neues Denken. Wer nach 300 Seiten genug Theorie intus hat, kann im ebenfalls umfangreichen Experimentierteil lernen, wie man aus „Ladykrachern“ Salpeter macht oder einen Silberspiegel aus Honig herstellt. Rundum gelungen, herrlich gestaltet und aufs Vergnüglichste lehrreich.

Jens Soentgen: Wie man mit dem Feuer philosophiert.

Peter Hammer Verlag, 464 Seiten, 29,90 Euro.




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