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Unser gutes Gewissen: Joan Baez wird 75





New York
Unser gutes Gewissen: Joan Baez wird 75
Von  Epd-Mitarbeiterholger Spierig, 
07. Januar 2016, 02:00 Uhr
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Joan Baez
Musik und politisches Engagement gehören für Joan Baez zusammen. Bei Martin Luther Kings berühmtem Marsch auf Washington sang sie „We Shall Overcome“. Morgen wird die „Königin der Folkmusik“ 75 Jahre alt.


 
Bei dieser Würdigung blieb ihr fast die Luft weg: Joan Baez sei die „Königin der Folkmusik damals und heute“, sagte ihr früherer Weggefährte Bob Dylan bei den Grammy-Verleihungen im Februar 2015. „Ich lernte eine Menge Dinge von ihr“, setzte er nach. Ihre Liebe und Demut könne er ihr niemals vergelten. „Ich bin fast ohnmächtig geworden“, gestand Baez später. Dylan sei ja nun wirklich niemand, der mit Komplimenten um sich werfe.

Damit kam öffentlich ein Dank zurück – nach über 50 Jahren. Denn Baez, die morgen 75 Jahre alt wird, holte Anfang der 60er Jahre Bob Dylan auf die Bühne und ließ ihn vor ihrem Publikum spielen. Sie war damals schon berühmt, er kaum bekannt. Als Dylan dann Mitte der 60er als Superstar gefeiert wurde, verweigerte er der mitreisenden Baez auf seiner Tournee durch England gemeinsame Auftritte. Ihre Wege trennten sich, Baez verließ enttäuscht den Dylan-Tross.

Auch wenn die Sängerin und Dylan nur wenige Monate ein Paar waren, hat der Musiker prägende künstlerische Spuren bei ihr hinterlassen. Dylan zog damals durch Musikcafés, schrieb aktuelle politische Songs wie am Fließband. „Es war fast so, als hätte ich nur auf die richtigen Lieder gewartet, die ausdrückten, was ich politisch dachte und fühlte“, erinnert sich Baez heute. Dylan-Songs wurden ein wichtiger Bestandteil ihres Repertoires.

Legendär ist der gemeinsame Auftritt des damaligen „Königspaares der Folkmusik“ auf der Bürgerrechts-Kundgebung in Washington 1963, bei der Martin Luther King von seinem Traum einer Welt ohne Rassenschranken sprach: „I have a dream“.

Das Engagement für den Frieden wurde bei der New Yorkerin schon früh geweckt, ihre Familie gehörte der pazifistisch geprägten Glaubensgemeinschaft der Quäker an. Bei Protesten gegen den Vietnam-Krieg wurde sie 1967 zwei Mal verhaftet und verbrachte insgesamt einen Monat im Gefängnis. Als sie 1972 mit einer Friedensdelegation in Nordvietnam unterwegs war, wurde sie von einer US-Bombardierung überrascht. Sie engagierte sich für Amnesty International und für Kinderrechte, 1993 besuchte sie das vom Krieg zerstörte Sarajewo. Anlässlich des 50. Jubiläums von Amnesty erhielt sie 2011 den nach ihr benannten Joan Baez Award. Auf ihren neueren Alben meidet sie politisches Pathos. Die alterslos wirkende Baez spielt heute entspannt und gereift Songs von heutigen Country- und Rockgrößen.

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