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Die wunderbare Welt der Kitty Crowther – Saarbrücker Lesung





Saarbrücken
Die wunderbare Welt der Kitty Crowther – Saarbrücker Lesung
Von  Ruth Rousselange, 
18. Mai 2015, 00:00 Uhr
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Mehrfach ausgezeichnet: Kitty Crowther. Foto: Chimène Demeulin Foto: Chimène Demeulin
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Kaum jemand schreibt und zeichnet Kinderbücher so fantasievoll wie Kitty Crowther. Am Donnerstag und Freitag ist die Belgierin zu Gast auf der Saarbrücker Kinder- und Jugendbuchmesse. Ein Porträt.
Der Tod ist deprimiert, niemand kann ihn leiden, alle fürchten sich, wenn er kommt. Nicht mal seinem hübschen Kaminfeuer können die Sterbenden etwas abgewinnen. Traurig ist das, bis der Tod die kleine Elisewin holt, die sich doch tatsächlich freut, ab da wird alles ganz anders. Und der Tod findet eine Freundin. Dass der Tod auch freundlich sein mag, dass er die andere Seite des Lebens ist, auf die jeder irgendwann hinüber muss und er sich vielleicht sehr um die Menschen sorgt, so wunderbar einfühlsam und bei allem Ernst der Thematik spielerisch leicht kann das nur eine erzählen, die belgische Illustratorin und Autorin Kitty Crowther („Der Besuch vom kleinen Tod“). Nun kommt die in Blanmont lebende Künstlerin zur Europäischen Kinder- und Jugendbuchmesse nach Saarbrücken, ein Glücksfang. Crowther gehört zur Reihe derjenigen, die mit der höchstdotierten Auszeichnung für Kinder- und Jugendliteratur bedacht wurden, dem Astrid Lindgren Memorial Award.

Kitty Crowther ist die Tochter eines Briten und einer Schwedin, seit 1994 hat sie mehr als 30 Bilderbücher geschrieben beziehungsweise illustriert, die zumeist auf Französisch erschienen und in viele Sprachen übersetzt wurden, bislang nur sieben auf Deutsch. Ihre Buntstiftzeichnungen wirken einfach, drücken aber in ihren sparsamen Linien trefflich Emotion aus. Sie scheinen belebt von der Leichtigkeit des Seins und einem unterschwelligen Einverständnis mit den unerschöpflichen Dingen zwischen Himmel und Erde. Es sind gerade die winzigen Kreaturen, das weniger Augenfällige, das eine wichtige Rolle in Crowthers Werken spielt. Schlüsselblumen, Veilchen, Disteln, Sträucher, Käfer, Schmetterlinge, Libellen, Muscheln, – immer ist die Natur in ihren kleinsten Ausformungen präsent. Gott lässt Pusteblumensamen fliegen („Der kleine Mann und Gott“), und natürlich ist auch Gott nicht so, wie man ihn sich vielleicht vorgestellt hat. Er hat jede Menge Humor, spielt gerne, mag Omelett. Mit dem lieben Gott ein Omelett teilen und im Teich baden, bei Crowther ist das aufregend, aber irgendwie fast selbstverständlich.

Taubenschwänzchen saugen Nektar aus Blüten, Bläulinge schwirren überm Farn: Obwohl ihre Zeichnungen etwas nur Angedeutetes haben, kann man Arten und Gattungen durchaus erkennen. Wurzelkinder gibt es auch, mit Armen und Beinen wie dürre Ästchen und einem Schnabelmund. So ein Kind wird der einsamen Leslie ans Herz wachsen, die im Wald eigentlich den Fuchs jagen wollte, der ihre Hühner stiehlt. Aber dann findet sie das Wurzelkind und damit eine neue Lebensaufgabe und frischen Mut („Das Wurzelkind“). Auch Feen und Queen Mab kommen hier vor, doch all das hat mit gängigem Glitzerkitsch nichts gemein, sondern ist vergnügliche Mythen- und Märchenverarbeitung. Es verbindet Übernatürliches mit Irdischem, Alltägliches mit Religiösem und ist im besten Sinne allumfassend, ohne esoterisch oder hochtrabend zu sein.

Leben und Sterben, Einsamkeit, Angst, Anderweltiges, Kitty Crowther scheut sich nicht vor schwierigen Themen. Nicht nur Leslie ist einsam, auch Annie („Annie“), so sehr, dass sie sich umbringen möchte. Seit ihre Mutter gestorben ist, erfüllt sie Traurigkeit und düstere Sehnsucht. Doch Annie wird gerettet, und das ausgerechnet von drei Riesen, die von einem Fluch frei werden wollen. Auch hier spinnt Crowther Märchenstoffe eigenwillig weiter.

Weniger dramatisch geht es in „Kritz Kratz. Schlaf, kleiner Frosch!“ zu. Da kann der kleine Frosch in seinem Wasserhöhlenbett nicht einschaffen und bibbert vor Angst, weil ja jede dunkle Nacht wie ein kleiner Tod ist. Crowther kann sich hervorragend in die noch im Moment lebenden Gemüter kleiner Kinder hineinversetzen. Gut, wenn man einen verständigen Papa hat, der Geheimnisvolles ergründen kann und sich um das garstige Kritz, Kratz, Zilp und Platsch kümmert, das weder vom Sumpfgespenst noch vom Süßwasserungeheuer kommt. Siehe, draußen vom Seerosenblatt aus wirkt die Nacht gleich vertrauter. Silbrig und federleicht schön, so wie sie nur Kitty Crowther einfangen kann.

Am Donnerstag startet die Europäische Kinder- und Jugendbuchmesse in Saarbrücken. Kitty Crowther liest dort am Do, 9 und 14 Uhr sowie Fr, 10 Uhr, aus ihrem Buch „Das Wurzelkind“. Weitere Infos: buchmesse-saarbruecken.eu
 

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