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Autor und „Putinversteher“ Mathias Bröckers über die Rolle des Westens in der Ukraine und sein neues Buch





„Wir sind immer die Guten“
Autor und „Putinversteher“ Mathias Bröckers über die Rolle des Westens in der Ukraine und sein neues Buch

30. August 2014, 00:00 Uhr
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Mathias Bröckers
Er nennt sicht selbst „Putinversteher“ und kritisiert die „Schwarz-Weiß-Sicht“ des Westens auf den Ukraine-Konflikt: Der linke Autor Mathias Bröckers ist bekannt für seine alternativen Sichtweisen auf das Weltgeschehen. Auch sein neuestes Buch polarisiert. SZ-Mitarbeiter Marcus Klöckner hat mit Bröckers gesprochen.
Warum haben Sie ein Buch über die Ukraine-Krise geschrieben? In den Medien gibt es doch geradezu eine Flut an Informationen zur Lage in der Ukraine.

Bröckers: Ja, aber diese Flut bedient immer nur dieselbe Mühle: Wir, der Westen, haben nur ehrenwerte Motive – Demokratie, Freiheit, Menschenrechte – während die Russen nur aus niederen Motiven handeln und allein die Schuldigen und Bösen sind. Das entspricht aber keineswegs der Realität. Auch der Westen, allen voran die USA, kämpfen natürlich für ökonomische und militärische Ziele. Nur werden diese nie benannt, sondern unter dem Mäntelchen der „Demokratieförderung“ versteckt. Wer aber glaubt, dass es beim Krieg um Afghanistan um Mädchenschulen, im Irak um die Errichtung von Demokratie, in Libyen um Beseitigung eines Diktators ging, ist der Propaganda aufgesessen, mit der der Westen seine imperialen Feldzüge verkauft. Beim Ukraine-Konflikt geht es um Öl, Gas, Pipelines, und darum dass die Nato ihre Raketen vor Russlands Haustür aufstellen will.

Der Reihe nach: Um welche geostrategischen Interessen geht es?

Bröckers: Um die Doktrin der USA, die ihre „Full Spectrum Dominance“ nur erreichen kann, wenn sie den Rohstoffriesen Russland unter Kontrolle bringt, der über mehr als ein Drittel aller Rohstoffreserven verfügt. Daher darf die Ukraine auch kein neutraler Brückenstaat werden, sondern wurde zum Frontstaat im neuen Kalten Krieg gemacht. Das ohnehin ziemlich zerrissene Land wurde in einen Bürgerkrieg getrieben, an dem die EU mit ihrem unlauteren Entweder-Oder-Angebot – Zollunion mit Russland oder mit uns – Mitschuld trägt.

Sie sagen, dass es gesteuerte Aufstände und Revolutionen gibt. Ist das nicht übertrieben?

Bröckers: Ohne Frage haben sich auf dem Maidan absolut berechtigte Proteste gegen eine korrupte, kleptokratische Regierung artikuliert, aber diese Proteste wurden nicht nur von außen gefördert und finanziert – was vielleicht noch vertretbar wäre. Sie wurden auch „gehijackt“, von Scharfschützen, deren Massenmord bis heute nicht aufgeklärt ist, sowie von rechtsradikalen Milizen, die einen gewaltsamen Putsch herbeiführten. Das ist das klassische Muster der „regime changes“, wie sie die CIA seit Jahrzehnten überall auf der Welt inszeniert. Dabei geht es nie um Demokratie, sondern stets um ökonomische und militärische Interessen, den Austausch eines „unfreundlichen“ Regimes gegen ein „freundliches“, so wie jetzt bei dem Oligarchen-Wechsel in Kiew. Laut ihrer Chefdiplomatin Nuhland haben die USA in den letzten zehn Jahren fünf Milliarden Dollar in den Regimewechsel investiert und dafür ja auch – wie in ihrem geleakten „Fuck EU“-Telefonat bekannt wurde – die gewünschte Marionettenregierung bekommen.

Sie kritisieren auch die Rolle der Medien.

Bröckers: Die Medien haben sich von ihrer Pflicht zu möglichst objektiver Berichterstattung weitgehend verabschiedet und sind Kriegspartei geworden. Mit einer geradezu grotesken Personalisierung auf den Dämon Putin, dem die gesamte Eskalation in die Schuhe geschoben wird. Bei dem auch nach fünf Wochen noch unaufgeklärten Absturz der MH17 wird das besonders deutlich: Alle Welt zeigt auf Putin, niemand verlangt von Kiew und den USA Aufklärung der wirklichen Ursachen und Offenlegung der Flug- und Funkdaten. Das ist, mit Verlaub, Kindergarten, aber einen solchen Schwarz-Weiß-Märchenfilm, in dem wir (USA/Nato/EU) immer die Guten, und die anderen (Putin/Russland) nur die Bösen sind, führen uns die Medien als Realität vor. Die geopolitischen Interessen der USA werden dabei völlig ausgeblendet. Wir sind immer die Guten, weil wir uns „Demokratie“ und „Menschenrechte“ auf die Fahnen schreiben. Dass die Kriege, die USA/Nato/EU seit dem 11. September 2001 überall auf der Welt geführt haben, diese Parolen nicht eingelöst, sondern eine Schneise des Chaos, zerstörte Staaten und Berge von Leichen hinterlassen haben, hindert uns daher auch nicht, einen weiteren in der Ukraine anzuzetteln.

Das Buch erscheint am Montag: Mathias Bröckers & Paul Schreyer: Wir sind die Guten. Ansichten eines Putinverstehers oder wie uns die Medien manipulieren. Westend Verlag, 208 Seiten, 16,99 Euro.



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