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Ein unterhaltsames Buch kämpft gegen die üblichen Männer- und Frauen-Klischees





Für immer Barbie und Superboy?
Ein unterhaltsames Buch kämpft gegen die üblichen Männer- und Frauen-Klischees

Von  Ruth Rousselange, 
25. Juni 2014, 00:00 Uhr
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Die Thesen im Buch „Die Rosa-Hellblau-Falle“ mögen nicht ganz neu sein. Aber eine derart flotte und gleichzeitig engagierte Bestandsaufnahme der gängigen Rollenklischees von Jungen und Mädchen gab es zuvor noch kaum zu lesen.
Können sich Kinder unabhängig vom Geschlecht entwickeln – oder werden sie von klein auf von Rollenklischees dominiert? Was ist überhaupt geschlechtergerechte Erziehung, und wie können sich Eltern dem gesellschaftlichen Drang zu konformen Männer- und Frauenbildern entgegenstellen?

Diesen Fragen gehen in ihrem Buch „Die Rosa-Hellblau-Falle. Für eine Kindheit ohne Rollenklischees“ Almut Schnerring und Sascha Verlan aus Elternsicht nach. Schnerring ist Kommunikationswissenschaftlerin, Verlan Literaturwissenschaftler, Regisseur und Journalist, das Paar hat drei Kinder. Sie wissen aus eigener Erfahrung, wie schon ab der Kindergartenzeit mehr oder weniger bewusst nach Geschlechtern getrennt wird. Rosa Spielbereich mit Puppenstube und Kochecke für die Mädchen, Werkelraum und Superman-Kleiderhaken für die Jungs. Auch später in der Schule würden Klischees eher bestätigt als umschifft, Jungs in Naturwissenschaften gefördert, Mädchen in Sprachen. Gegen solche Stereotype und ihre bedenkliche Verharmlosung kämpfen die Autoren an, denn diese hätten deutliche Nachwirkungen bei Beruf, Bezahlung und Lebensgestaltung überhaupt.

Die Wirtschaft setzt auf „Gendermarketing“ und spaltet bewusst in männliche und weibliche Produkte, was nachweislich zu höheren Verkaufszahlen insgesamt führt. Spielzeug für Jungs ist durchweg martialischer als das für Mädchen; deren Spielewelt zielt oft auf Empathie und träumerische Anlagen ab. Dabei haben heute Erziehungsberechtigte die Wahl, was die Lebensmodi betrifft; doch, so argumentieren die Autoren, je mehr das der Fall sei, desto stärker rücke wieder ein Wunsch nach deutlichen Regeln in den Vordergrund – eine Rolle rückwärts. Jungs und Mädchen würden nach wie vor angeblich angeborene Eigenschaften zugeschrieben, die bloß von frühauf antrainiert seien. Die Autoren befragen Neurobiologen, Soziologen, Psychologen, Pädagogen und Professoren für Geschlechterstudien, decken fehlerhafte Analysen zum Unterschied der Geschlechter und Mythen zu Familienmodellen und Rollenverteilung auf, erläutern diverse Einflüsse auf die kindliche Entwicklung.

Sicher: Viele dieser Thesen sind länger bekannt, hier aber gut recherchiert, locker erzählt und mit Fachwissen fundiert dargelegt. Ein Buch gegen Beschränkung und für mehr gegenseitiges Verständnis. Nicht Gleichmacherei, sondern gleichwertige Erziehung ist das Ziel von Schnerring und Verlan; Jungs und Mädchen sollten alle Angebote wahrnehmen können, die das Leben bereithält.

Almut Schnerring, Sascha Verlan: Die Rosa-Hellblau-Falle. Für eine Kindheit ohne Rollenklischees. Kunstmann, 256 Seiten, 16,95 Euro.


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