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Der New Yorker Künstler Eric Drooker im Saarbrücker KuBa





Saarbrücken
Das Politische, die Kunst und die Botschaft
Der New Yorker Künstler Eric Drooker im Saarbrücker KuBa

Von SZ-RedakteurTobias Kessler,  22. Juni 2013, 00:00 Uhr
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Staatsgewalt bricht sich ihre Bahn. Eine Seite aus dem 92er Band „Flood!“, der jetzt bei uns erscheint. Foto: Drooker / Avant-Verlag Foto: Drooker / Avant-Verlag
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Schönheit des Urbanen? Oder eher ein Gefängnis aus Hochhäusern? Das Gemälde „Upwardly Mobile“. Foto: Drooker Foto: Drooker
Das Saarbrücker Kulturzentrum am Eurobahnhof (KuBa) zeigt Arbeiten des New Yorker Künstlers Eric Drooker. Der HBK-Gastprofessor hat unter anderem Gemälde mitgebracht, die das Cover des Magazins „The New Yorker“ geschmückt haben. Zu sehen ist auch die druckfrische deutsche Erstausgabe seines Comic-Romans „Flood!“, die in Zusammenarbeit mit der HBK entstanden ist.


 
Furios war er, sein Einstand als Gastprofessor an der HBK vor zwei Wochen: Da erzählte Eric Drooker, Jahrgang 1958, bei einem Comic-Symposium vom Werdegang als Künstler in New York und von seiner Politisierung durch Polizisten, die auf Hausbesetzer einknüppelten. Dazu spielte er Banjo und Mundharmonika, zeigte Animationen seiner Werke und las mit viel Dramatik aus Allen Ginsbergs legendärem Gedicht „Howl“. Das hat er in einem Buch und im gleichnamigen Film von 2010 in traum- und albtraumhafte Bilder umgesetzt. Knapp 30 von Drookers Arbeiten sind jetzt im KuBa zu sehen.

„Kunst sollte funktional sein“, das hatte Drooker beim Symposium mehrmals gesagt. Dass er dies vor allem politisch meint, sieht man seinen farbstrotzenden Gemälden an – allerdings erst auf den zweiten Blick, denn die Botschaft verbirgt sich hinter der Schönheit. Da ist etwa das Bild „Tropical City“, in dem ein Papagei und drei Affen aus dem Dschungel herab auf eine Stadt blicken – eine liebliche Szenerie, scheinbar mit der Arglosigkeit naiver Malerei auf die Leinwand gebracht. Doch die Stadt ist New York, das unter Wasser steht; so schön wurde eine Klimakatastrophe noch nie gemalt.

Oder „Children's Games“: Spielende Kinder bemalen eine New Yorker Straße mit Kreide, eine Szene reiner Freude – doch die wird dadurch getrübt, dass eines der Kinder zwei Kampfbomber kritzelt. Der Terror und der Krieg gegen den Terror toben längst auch in Kinderseelen. Da verwundert es nicht, dass das Magazin „The New Yorker“, das sonst immer wieder Drookers Gemälde als Cover druckt, sich hier zurückhielt. Da war Drookers erklärte Taktik, den „Mainstream zu infiltrieren“, wie er es nennt, einmal nicht aufgegangen.

Zweierlei hat Drooker grundlegend inspiriert, sagt er: „Einmal die Werke des belgischen Künstlers Frans Masereel, die ich durch meinen Großvater kennenlernte. Und dann die sozialen Unruhen im New York der 80er Jahre.“ Ein Schlüsselmoment war ein Zusammenstoß mit der Polizei, die eine nächtliche Versammlung im Tomkins Square Park mit aller Gewalt auflöste. Diese Zeit in New York schlägt sich nieder in Drookers erster Bilderzählung „Flood!“, die auch bei der Ausstellung präsentiert wird. Die Geschichte des entfremdeten Lebens in einer erdrückenden Stadt und der Hoffnung auf bessere Zeiten hat wenig gemein mit der trügerischen Schönheit seiner Gemälde für den „New Yorker“. Die Bilder erinnern mit ihren rohen Linien an Masereels Holzschnitte, mit den manchmal klobigen Figuren an die Welt des Kollegen Robert Crumb. 20 Jahre nach seiner gefeierten US-Erstauflage erscheint „Flood!“ jetzt auf Deutsch (Drooker: „keine Ahnung, warum erst jetzt – aber ich freue mich sehr) – in Zusammenarbeit mit der HBK und begleitet von einem Vorwort des Zeichners Art Spiegelman („Maus“).

Zurzeit trägt Drooker seine Kunst in ein anderes Medium. Nach den Animationen zum Allen-Ginsberg-Film „Howl“ arbeitet er an einer Kino-Adaption seines zweiten Comicbandes „Blood Song“, einer Reise vom Paradies in den Moloch Stadt. Außerdem hat ihn Steven Spielbergs Studio Dreamworks kontaktiert, das sich Entwürfe zu einem Animationsfilm wünscht. Mal sehen, wie weit Drooker da den Mainstream wird infiltrieren können.

Bis 21. Juli im KuBa. Geöffnet Dienstag bis Freitag 10 bis 15 Uhr, Donnerstag und Sonntag 15 bis 19 Uhr. Eintritt frei.

Der Band „Flut!“ erscheint am 1. Juli im Avant-Verlag (192 Seiten, 19,95 Euro); es gibt ihn aber bereits im KuBa.





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