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Das international besetzte Comic-Symposium der HBK



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Saarbrücken
„Wir sind frei, alles zu tun“
Das international besetzte Comic-Symposium der HBK

Von SZ-RedakteurTobias Kessler,  13. Juni 2013, 00:00 Uhr
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Eine Seite aus Birgit Weyhes zum Teil autobiografischer Familiengeschichte „Im Himmel ist Jahrmarkt“. Foto: Avant-Verlag Foto: Avant-Verlag
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Ein Blick auf die Ausstellung im Pingusson-Bau. Fotos: tok
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Die Autoren Sascha Hommer, Marijpol und Ulli Lust (v.l.).
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Im Lese-Café der Ausstellung liegen 100 Comics aus, die bei uns noch nicht erschienen sind.
Die Hochschule der Bildenden Künste (HBK) hat am Montag zu einem Symposium geladen: „Autorencomics zwischen Bildgedicht und Graphic Novel“. Künstler aus Deutschland, Frankreich, Österreich, Finnland und den USA sprachen im Kulturministerium über ihre Arbeiten. Die sind dort zurzeit in einer Ausstellung zu sehen.


 
Nanu, wo waren denn die HBK-Studenten? Im Kulturministerium am Montagmorgen jedenfalls nicht. Dort, im Pingusson-Bau, begann das eintägige HBK-Symposium „Autorencomics zwischen Bildgedicht und Graphic Novel“. Wobei auffiel, dass der leicht krampfige Begriff „Graphic Novel“, den vor allem Verlage benutzen, um das mit Vorurteilen besetzte Wort „Comic“ zu vermeiden, kaum in den Mund genommen wurde. Internationale Künstler waren angereist, um über ihre Arbeit, manchmal auch die Arbeitsbedingungen zu sprechen. Zum Beispiel die Wienerin Ulli Lust. Für Suhrkamp hat sie Marcel Beyers Roman „Flughunde“ über die NS-Zeit als Comic adaptiert – und sich dabei von jeder „Werktreue“ verabschiedet. „Gut am Buch fand ich, dass man locker ein Drittel streichen kann.“ Ein Comic funktioniere anders als Texte, man müsse sich „freimachen“ von ihnen. Eine Herangehensweise, die der adaptierte Autor am Ende zu schätzen wusste. Bekannt ist Lust vor allem für ihren autobiografisch getönten Band „Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens“. Der ist mittlerweile international verlegt, auch Interesse seitens des Kinos besteht. Lust sieht das vor allem praktisch: „Das ist die einzige Möglichkeit, von seiner Kunst zu leben.“

Ebenfalls Literatur adaptiert hat Sascha Hommer; aus Erzählungen von Brigitte Kronauer gestaltete er den Band „Dri Chinisin“. Sein größtes Problem: Wie können Bilder Kronauers äußerst artifizielle Sprache umsetzen? Hommer entschied sich für eine sehr schematische Optik – die dann nicht langweilig wirken zu lassen, ist ein anderes Problem. Die Situation des Comic und seine Akzeptanz als Kunstform sieht Hommer weder rosig noch finster: „Der große Durchbruch ist noch nicht da – aber es öffnen sich Türen.“

Die Kollegin Marijpol („Eremit“) sieht das anders. Gerade im Kontakt zu Galeristen spüre sie Vorurteile, auf Comics werde herabgeschaut. Genau wie auf die Profession des Comiczeichners, findet Birgit Weyhe. Bei Elternabenden ernte sie stets konsternierte Blicke, wenn sie ihren Beruf erwähne. Weyhe beschrieb ihre Arbeitsweise, die sich unterscheidet etwa von der Marijpols, bei der ein Bild der Anstoß einer ganzen Geschichte sein kann. Weyhe schreibt ihre Geschichte komplett als Text, der wie ein Gedicht aussieht und dann 1:1 im fertigen Band erscheint. Der sprachliche Rhythmus sei wichtig, möglicherweise sogar wichtiger als die Bilder. „Ich setze mich mit dem Comic nicht so recht auseinander.“

Der Nachmittag wurde international: Der Finne Marko Turunen berichtete von seiner Heimat, dessen Comic-Markt zu klein sei, um von ihm zu leben. „Deshalb sind wir frei, alles zu tun“. Dass die Comic-Kunst in Finnland aber sehr geschätzt wird, zeigt Turunens Lebenssituation zurzeit: Seine Heimat unterstützt ihn mit einem Dreijahres-Stipendium.

Der französische Zeichner Jean-Christophe Menu zeigte in seinem Vortrag exemplarisch die Wirkung von Farbe, Zeichnungen und Schraffur: Ein Blatt aus George Herrimans klassischem Comic „Krazy Kat“ malte er immer wieder neu, mit mal subtilen, mal gravierenden Unterschieden. Eine schöne Lehrstunde.

Den Abschluss des Symposiums machte der neue HBK-Gastprofessor und Zeichner Eric Drooker: Er projizierte seine Werke auf eine Leinwand, spielte dazu Musik mit Banjo und Mundharmonika, deklamierte Slogans wie „Kunst muss immer funktional sein“ und erzählte aus seinem politisch linken Leben in New York. Dann las er aus Allen Ginsbergs Gedicht „Howl“, begleitet von eigenen Animationen aus dem gleichnamigen Film. Ein schöner Schlusspunkt.



Die Ausstellung mit Arbeiten der Künstler des Symposiums und von Kurator/Moderator Kai Pfeiffer im Kultusministerium läuft bis zum 23. Juni. Geöffnet von 10 bis 18 Uhr.



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