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Saarlandkrimi "Arme Leute": Weg ist das Ohr





Saarlandkrimi "Arme Leute": Weg ist das Ohr
23. September 2009, 00:06 Uhr
Saarbrücken. Wenn auf der Vernissage zu einer Ausstellung mit Plagiaten ausgesuchter Meisterwerke dem Künstler ein Ohr abgeschnitten wird, darf man ein Happening vermuten. Aber was wie eine Reminiszenz an Van Gogh aussieht, bringt den Attentäter Klaus Pirrmayer für drei Jahre hinter Gitter. Das Motiv bleibt im Unklaren
Saarbrücken. Wenn auf der Vernissage zu einer Ausstellung mit Plagiaten ausgesuchter Meisterwerke dem Künstler ein Ohr abgeschnitten wird, darf man ein Happening vermuten. Aber was wie eine Reminiszenz an Van Gogh aussieht, bringt den Attentäter Klaus Pirrmayer für drei Jahre hinter Gitter. Das Motiv bleibt im Unklaren. Nach seiner Entlassung genießt Pirrmayer seine Freiheit mit der Nachbarin. Bis er ermordet wird. Wer war's?

Dieter Paul Rudolph, Literaturwissenschaftler und Multimedia-Entwickler aus Blieskastel, zeigt die aus den Fugen geratene saarländische Kleinstadtidylle aus drei Perspektiven und spielt mit den klassischen Komponenten des Genres. "Arme Leute" kommt ohne offiziellen Ermittler aus, einzig die Dorfbewohner bringen Licht ins Dunkle. Rudolph legt sein Augenmerk nicht auf die akribische Gestaltung eines möglichst spannenden Handlungsbogens, er konzentriert sich vielmehr auf die Schilderung des sozialen Milieus, dem der "Armen Leute". Die sprachliche Umsetzung des stellenweise originellen Plots gelingt jedoch nur bedingt: Sätze, die das Ausmaß von 19 Zeilen annehmen, sind weder innovativ noch postmodern.

Diese nicht enden wollende Parataxenreihen, denen als Variante hin und wieder auch innere Monologe in vergleichbaren Proportionen zur Seite gestellt werden, wirken mühsam konstruiert. Selbst, wenn diese Satzmonster nur in den unteren zweistelligen Zeilenbereich kommen - mehr als das Attribut "Lesespaßbremse" verdienen solche Experimente nicht. Und über der Suche nach dem Heil bringenden, erlösenden nächsten Punkt und der Frage, ob es der Satz noch ein letztes Mal zum Zeilenumbruch schafft, hat man beinahe wieder vergessen, warum man "Arme Leute" überhaupt in die Hand genommen hatte. Schade, denn neben all diesen Kapriolen tritt Rudolphs Talent, seine Charaktere glaubhaft und authentisch zu entwickeln und den Regionalkrimi aus dem Dunstkreis der Tourismuswerbung fernzuhalten, allzu oft in den Hintergrund. chh

Dieter Paul Rudolph: Arme Leute. Conte, 205 S., 12,90 €



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