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Entwicklung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Wadern und Tbilissi/Kutaissi





Wadern
Wiedersehen nach fast 20 Jahren
Entwicklung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Wadern und Tbilissi/Kutaissi

Von  Erich Brückert, 
27. Februar 2016, 02:00 Uhr
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Ein Prosit aufs „Familientreffen“: Hanns Peter Ebert, Mikheil Janelidze, Friedrich Ebert (von links). Fotos: Erich Brücker
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Eintrag ins Goldene Buch der Stadt: Mikheil Janelidze und Waderns Bürgermeister Jochen Kuttler.
Vom Austauschschüler zum Außenminister von Georgien, eine tolle Karriere hat Mikheil Janelidze hingelegt. Am Freitag war er in Wadern, und traf unter anderem seine Gastfamilie.


 
Interesse am Land Georgien wurde in Wadern durch den früheren Intendanten des Saarländischen Staatstheaters Hermann Wedekind geweckt, der im Stadtteil Wedern in seiner so genannten „Kulturscheune“ häufig georgische Künstler zu Gast hatte. Wedekinds Sekretär war der georgische Germanist Dr. Tamaz Gvenetadze von der Akaki-Tseretelli-Universität in Kutaissi.

1996 wurden für sechsmonatige Sprachaufenthalte deutschen Familien und Schulen gesucht. So kam der Schüler Mikheil Janelidze in das Haus der Familie Ebert in Wadern und besuchte das Hochwald-Gymnasium Wadern. Eine Folge dieses Aufenthaltes war eine Einladung an die Eberts nach Georgien. Die erste Waderner Aktion zugunsten von Georgien war die Finanzierung von Glocken für die Heilige Nino-Kirche des Kloster Matkhodshi im Jahr 2000. Durch diese Aktion wurde umgekehrt die Wiederherstellung der nicht mehr kompletten alten Kronleuchter der Pfarrkirche Allerheiligen möglich. 2002 suchte Dr. Teimuraz Nadiradze, Chef einer Klinik für Mutter und Kind in Kutaissi, nach noch funktionsfähigem, aber ausgemusterten medizinischen Gerät, das in seiner Klinik zum Einsatz kommen könnte. Einiges Gerät konnte durch das Engagement Waderner Bürger zusammengetragen werden. In 2004 erfolgte eine Einladung nach Georgien, in deren Rahmen auch die Klinik besucht wurde. Weitere Hilfsaktionen wurden geplant. In den nächsten Jahren erfolgten mehrere Lkw-Transporte mit humanitären Gütern, teils medizinischem Gerät, Betten, Rollstühlen, Rollatoren und Kücheneinrichtungen, etwa für das Krankenhaus und ein Altenzentrum. In den letzten Jahren wurden erfolgreich Spenden gesammelt, die zum Kauf humanitärer Güter in Georgien genutzt und an besonders bedürftige Menschen verteilt wurden. Als wichtiger Partner in Georgien fungiert das Georgisch-Deutsche Zentrum in Kutaissi.



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Der 34-Jährige Mikheil Janelidze gehört seit 30. Dezember vorigen Jahres der Regierung von Georgien an. Bei einem dreitägigen Deutschland-Besuch stattete er am Freitag auch dem Saarland und insbesondere Wadern einen Besuch ab, der im Rahmen des 20. Jahrestags der Gründung des Georgisch-Deutschen Zentrums in Kutaissi erfolgte.

Ellen Küneke, Direktorin m Hochwald-Gymnasium (HWG) begrüßte den besonderen Gast. Nicht alltäglich sei ein Außenminister in der Schule als Besucher. Und wenn dieser Gast dann noch genau diese Schule besucht habe, sei dies umso mehr eine große Freude.

Ein halbes Jahr lang hatte Janelidze das Hochwald-Gymnasium im Schuljahr 1996/97 besucht, um die deutsche Sprache zu lernen. Gewohnt hatte bei der Familie Ebert in Wadern. „In jungen Jahren habe ich georgische Reisegruppen im Südwesten Deutschlands betreut, und dabei stets warmherzige und temperamentvolle Menschen kennen und schätzen gelernt“, blickte die Schulleiterin auf ihre ersten Erfahrungen mit dem Menschen aus dem Osten Europas zurück.

Wadern war wohl Teil Ihrer Heimat, denn ich habe Ihre leuchtenden Augen bemerkt, als sie das HWG wieder betreten haben“, begrüßte Bürgermeister Jochen Kuttler den Ehrengast. Man freue sich im Hochwald über den Besuch, denn Wadern habe schließlich eine besondere Beziehung zu Georgien. „Unsere Partnerschaft wird getragen von vielen Menschen, die ihre Freizeit hierfür opfern. Geistig und mental ist eine Freundschaft über viele Jahre gewachsen“, sagte der Verwaltungschef.

Georgien sei im Umbruch und suche neue Wege und den Dialog Richtung Europa, habe er ausgemacht. Und dabei könne Wadern mithelfen. Spaßeshalber wünschte er Janelidze, die gute Waderner Luft wie damals wieder zu schnuppern. „Für mich ist es eine große Ehre, Ihnen zum 20. Jahrestag der Gründung des Georgisch-Deutschen Zentrums in Kutaissi zu gratulieren und dieses Jubiläum im Kreise meiner georgischen und deutschen Freunde feiern zu dürfen“, sagte der Staatsgast. Er sei stolz darauf, dass die Stadt die lange Tradition der georgisch-deutschen Freundschaft bewahrt und würdigt. Dem Georgisch-Deutschen Zentrum komme eine wichtige Rolle zu, wenn es sich um die Vertiefung der Beziehungen beider Länder handelt.

Mit Hermann Wedekind, dem hervorragenden und berühmten deutschen Schauspieler und Theaterintendanten, habe diese Freundschaft einen Urheber, der zum Aufbau der Partnerschaft zwischen Saarbrücken und Tbilissi entscheidend beigetragen hat. Durch seine Tätigkeit habe Professor Wedekind die Beziehungen zwischen Georgien und Deutschland gestärkt und bereichert, wurde 1995 zum ersten Ehrenbürger in Georgien ernannt. „Seit Anfang der 1990er Jahren steht uns Deutschland ständig bei, indem es einen wichtigen Beitrag zum demokratischen, sozialen und wirtschaftlichen Wandel in unserem Land leistet“, sagte der Außenminister. Vor allem in Bildung und Wissenschaft investiere Deutschland. Vielen georgischen Studenten und Wissenschaftlern werden Stipendien zuteil, so dass sich die Beziehungen in etlichen Bereichen wie Politik, Wirtschaft, Verteidigung und Sicherheit bis zu Kultur, Bildung und Wissenschaft vertiefen. Er gab der Hoffnung Ausdruck, dass die zwischenmenschlichen Beziehungen beider Länder noch mehr vorangetrieben werden.

Friedrich Ebert erzählte von unvergesslichen Erlebnissen, die er zusammen mit Wedekind bei diesen Besuchen in Georgien hatte. „Diese waren anstrengend und irrsinnig interessant und Teile meines Lebens“, erzählte Ebert. Vor allem die herzliche Umarmung des Großvaters von Mikheil Janelidze, der schließlich als Soldat gegen die Deutschen gekämpft hatte, sei eine unvergessliche emotionale Begegnung gewesen. Zum Abschluss des Festaktes trug sich der georgische Außenminister ins Goldene Buch der Stadt Wadern ein, ebenso in das Gästebuch des Hochwald-Gymnasiums. Obligatorisch war der Austausch von Gastgeschenken. Die Schülerinnen Anna Karina Barthel und Jana Urbanus sowie Schüler Dennis Hero hatten den Festakt musikalisch umrahmt.



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