Sie sind hier: HomeKarriereTop-News

Vom Holzkreuz bis zum Messgewand: Kirchenmesse Gloria bietet Produkte rund um den Glauben





Augsburg
Vom Holzkreuz bis zum Messgewand: Kirchenmesse Gloria bietet Produkte rund um den Glauben
SZ.RedakteurLothar Warscheid,  26. Februar 2016, 02:00 Uhr
Nicht nur für Autos und Möbel, auch für kirchliche Produkte gibt es eine Messe: Alle zwei Jahre zeigen Aussteller auf der Messe Gloria in Augsburg Neuheiten von der LED-Liedtafel bis zum abstrakten Kruzifix.


 
Die Mutter Gottes vom Guten Rat, 1,40 Meter groß, kostet bei Albert Comploj als geschnitztes Vollholz-Modell 6800 Euro, Papst Franziskus ist schon für 404 Euro zu haben. Comploj, ein gestandener Holzschnitzer aus St. Ulrich im Grödnertal (Südtirol), ist Stamm-Aussteller auf der Kirchenmesse „Gloria“ in Augsburg. Alle zwei Jahre findet dieses Messe-Unikat statt. Diese Mischung aus Kommerz und Kirchentag zieht ein buntes Völkchen von Leuten an, die mit all dem, was um Gotteshaus, Messe und Andacht gebraucht wird, ihr Auskommen haben oder ihre Erfüllung finden. Mit von der Partie sind Glocken- und Orgelbauer, Anbieter von Liedanzeige-Tafeln – mittlerweile mit LED-Birnchen –, Kunstverlage oder Finanzdienstleister wie die Evangelische Bank.

Es sind nicht nur die althergebrachten Holzschnitzereien mit sauber fallenden Heiligen-Gewändern und verklärten Gesichtern oder die klassischen Kruzifixe, die in Augsburg gezeigt werden. Bei Hannes Conrad sind sie abstrakt-elegant. Conrad verdankt dem Holz sein neues Leben. Der Heilpädagoge hatte sich vor 17 Jahren bei seiner Arbeit mit behinderten Menschen in Hierarchien zerrieben. Im Holzschnitzen fand er wieder seinen Frieden. Perfekt im klassischen Sinne sind seine Exponate nicht. Da ist ein Kreuz, bei dem das Holz im Inneren gerissen ist. Anderswo durchbricht ein Ast-Knoten die ebenmäßige Maserung. Seine größte Figur, die Engelsmutter aus Ahorn, ist so geformt, dass der ehemalige Baumstamm und die Gabelung der Äste noch zu sehen sind. Doch Conrad, der am Stadtrand von Augsburg lebt, erzielt mit seinen Schnitzereien nicht nur gute Preise. Er findet die größte Freude darin, den Menschen in Seminaren näherzubringen, was die Arbeit mit dem Natur-Werkstoff bei ihm bewirkt hat. „Es reinigt die Seele. Durch die Arbeit mit dem Material prägt das Holz den Menschen. Es ermöglicht ein rasches Abschalten und ein tiefes Wohlgefühl.“

Seiteneinsteiger scheinen in diesen kirchennahen Branchen nichts Ungewöhnliches zu sein. So hat Thomas Schmitt, der in Leiwen bei Trier aufgewachsen ist, den sehr weltlichen Beruf des Herrenschneiders erlernt. Da er nur einen Steinwurf von der katholischen Kirche St. Stephanus aufgewachsen ist und er den Pfarrern bestens bekannt war, „fragte mich irgendwann jemand von ihnen, ob ich ihm nicht ein Messgewand schneidern könnte“. Inzwischen hat er zwei große Geschäfte – in Köln und in Kevelaer. Er näht und schneidet alles zu, was an Textilien in Kirchenkreisen getragen wird: Messegewänder, Priesterhemden mit Rundkragen, passende Kopfbedeckungen für Bischöfe oder andere Würdenträger sowie Soutanen – „mit den 33 Knöpfen, die die Lebensjahre Jesu symbolisieren“. Paramente ist der Oberbegriff für diese spezielle Art von Bekleidung und so heißt seine Firma Schmitt-Paramente.

Auch ein Aussteller aus dem Saarland ist auf der Messe „Gloria“ vertreten. Es ist die Saarlouiser Firma Havener, die auf Sitzbezüge für Kirchenbänke spezialisiert ist. „Beheizbare Sitzkissen sind sehr gefragt“, sagt Juniorchef Ronny Havener. In der Tat: eine angenehme Gesäßtemperatur hat etwas für sich, zumal sich die Stromkosten mit 300 Euro pro Jahr für eine ganze Kirche in Grenzen halten.

Die Balance von Körper und Geist spielt auf der Augsburger Kirchenmesse eine große Rolle. Dafür müssen die Saarländer nicht weit fahren – und zwar nur bis ins Kloster St. Maria im pfälzischen Esthal. Dort bietet eine kleine, neunköpfige Gemeinschaft der Niederbronner Schwestern in der Abgeschiedenheit des Pfälzer Waldes alles an, was hilft, wieder zu sich selbst zu finden: Zeiten der Besinnung, Exerzitien, Meditationswochenenden oder Rosenkranzknüpfen. „Solche Angebote sind voll im Trend“, sagt Jean-Pierre Gillardin. Der Belgier ist Sales & Marketing Manager der rührigen Schwestern und sorgt für die Auslastung von insgesamt drei Klöstern. Neben dem kleinsten in der Pfalz sind das noch Maria Hilf in Bühl (Baden) und St. Joseph in Neumarkt in der Oberpfalz.

Schnelle Linderung menschlicher Gebrechen verspricht Kräuterpfarrer Benedikt Felsinger, der ein breites Angebot von Essenzen und Teemischungen auf seinem Stand verkauft. Sie sollen für eine „schöne Haut“, einen „klaren Kopf“ oder einen „kräftigen Atem“ gut sein. Das Interesse der meist schon etwas betagten Messebesucher ist groß.

 

Zum Thema:

HintergrundDie Kirchenmesse „Gloria“ ist nach Angaben der Organisatoren die einzige Veranstaltung dieser Art im deutschsprachigen Raum, Aussteller aus acht Ländern sind dafür gekommen. Früher fand die ökumenisch ausgerichtete Messe im österreichischen Dornbirn statt, vor einigen Jahren ist sie nach Augsburg umgezogen. Doch die Bedingungen sind schwierig. Im Vergleich zur vorhergehenden Messe ist die Zahl der Aussteller von 105 auf 85 zurückgegangen, und die Zahl der Besucher war damals im Oktober 2014 mit rund 3000 auch nicht überragend. Diesmal soll es besser werden, auf jeden Fall nicht schlechter. „3000 Besucher müssen wir erreichen“, sagt Messe-Chef Gerhard Reiter. Dafür ordnete er für den letzten Messetag am Samstag freien Eintritt an. dpa
 


Anzeige
Neu für Vereine:
SaarZeitung

Termin melden

Text schicken


ANZEIGE
Beilagen






Anzeige