"Das CEval entstand 2002 aus der Konkursmasse der Soziologie, die die saarländische Landesregierung im Rahmen einer Strukturreform an der Saar-Uni abgeschafft hatte", erzählt Stockmann. Doch Potenzial habe man beim Thema Evaluation gesehen und Recht damit behalten. "Wir haben fast sämtliche Standardwerke zur Evaluation und die zentralen Lehrbücher veröffentlicht." Außerdem sei das Centrum Herausgeber der einzigen deutschen Fachzeitschrift, der "Zeitschrift für Evaluation". "Wir haben eine Nische besetzt. In Deutschland gibt es nichts Vergleichbares", erklärt Stockmann nicht ohne Stolz. Auch finanziell sei man sehr gut aufgestellt. 2002 sei ein Eigenfinanzierungsanteil von 50 Prozent angestrebt worden. Dieser sei bereits im Gründungsjahr übertroffen worden und liege heute bei rund 90 Prozent. Die Drittmitteleinwerbung liege mittlerweie bei rund 800 000 Euro pro Jahr, gemessen an anderen deutschen Soziologie-Fakultäten weit über dem Durchschnitt.
Abhängig von der Auftragslage arbeiteten zirka 15 wissenschaftliche Mitarbeiter und zehn bis 15 Hilfswissenschaftler am CEval, berichtet der Soziologe. Doch die sitzen nicht nur am Schreibtisch und werten Tabellen aus: "Meine Leute sind ständig unterwegs. Wir fahren immer ins Feld." Egal ob evaluiert wird, wie die Weiterbildungsmaßnahmen der Dillinger Hütte greifen, ob in Kenia, Ghana, Peru und Indien die Armut durch fair gehandelte Produkte gemindert wird oder das neue Trainingsprogramm eines Sportvereins Früchte trägt. Der persönliche Kontakt sei in der Regel wichtig, da, um Ängste zu mindern, erstmal eine Vertrauensbasis geschaffen werden müsse. "Die Arbeit eines Evaluators hat oft etwas Detektivisches", erklärt der Soziologe. Mit einem Online-Fragebogen sei es oft nicht getan.
Auch wenn sie nicht gerade Projekte evaluieren, sind Stockmann und seine Mitarbeiter in der Welt unterwegs. In den nächsten drei Jahren sollen sie, im Auftrag des Bundesministeriums für Entwicklungsarbeit, einen Masterkurs in Uganda aufbauen. Professor Stockmann selbst berät die Regierung Costa Ricas: "Wir sind so was wie Missionare. Wir tragen die Evaluation in die Welt."
Obwohl Evaluierung boome, werde noch relativ wenig investiert, bedauert Stockmann. Um zu prüfen, ob Programme oder Projekte nachhaltig sind, sollten drei bis fünf Prozent der Ausgaben für Evaluierung ausgegeben werden: "Bei Entwicklungsprogrammen liegt es bisher im Promillbereich." Doch über mangelnde Nachfrage kann sich der Experte nicht beklagen: "Evaluation ist ein Managment-Instrument. Überall, wo Wirkungsfragen gestellt werden, braucht man uns. Egal ob bei Informatikern, Medizinern, Pädagogen oder Sportlern: Evaluiert wird überall."
Deshalb bildet das CEval auch aus. Neben mehreren Weiterbildungsprogrammen gibt es den zweijährigen berufsbegleitenden Studiengang "Master of Evaluation". Diesen gibt es seit acht Jahren, pro Jahrgang gibt es Platz für 20 Studenten. Alle zwei Wochen finden von Donnerstag bis Samstag die Lehrveranstaltungen statt. Einer der Studenten ist Krisjanis Veitners. Der 38-jährige Lette, der in seiner Heimat schon im Verteidigungs- und im Finanzministerium gearbeitet hat und seit 2005 als Evaluator selbstständig ist, ist froh über das theoretische Wissen, das ihm in Saarbrücken vermittelt wird. Auch wenn er mit 2000 Kilometern die wohl längste Anreise aller Saar-Studenten zur Vorlesung hat.Foto: Ceval

































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