Immerhin vier von sechs Rheumatikern zeigen Zeichen einer Fehl- oder Mangelernährung. Das muss nicht daran liegen, dass sie sich schlecht ernähren, es sind die übermäßigen Entzündungsreaktionen der Krankheit, die einen hohen Tribut fordern. Sie verbrauchen große Mengen an Vitaminen wie C und E, an Mineralstoffen wie Zink und vor allem an Eiweiß, denn viele Entzündungs- und Immunstoffe sind Eiweißverbindungen.
Eine ausgewogene Ernährung liefert alle diese Nährstoffe. Doch wenn die Krankheit heftig verläuft, kann es sein, dass die Nahrung nicht ausreicht. Idealerweise sollte daher der Eiweiß-, Vitamin- und Mineralstoffstatus durch Blutuntersuchungen festgestellt und bei Bedarf ergänzende Präparate eingenommen werden. Man sollte aber nicht auf eigene Faust und ohne vorherige Messungen verschiedene, hoch dosierte Mittel einnehmen. Die wichtigste Maßnahme ist jedoch sicherlich, mehr Fischfett zu verzehren. Darin stecken größere Mengen der beiden entzündungshemmenden Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA. Sie wirken sich zudem günstig aufs Immunsystem und auf die Gefäßgesundheit aus. Vor allem EPA ist ein direkter Gegenspieler der Arachidonsäure (Omega-6-Fettsäure), aus der im Körper entzündungsfördernde Stoffe entstehen. Sie sollte aus der Nahrung weitestgehend eliminiert werden. Das bedeutet, Butter und Eier nur sehr maßvoll zu genießen und Schweinefett weitgehend zu meiden. Zwar könnten wir ohne Arachidonsäure gar nicht leben und der Körper stellt sie selbst in geringen Mengen her, doch bei Rheumapatienten ist die Bildung von Entzündungsstoffen aus Arachidonsäure extrem erhöht.
Wird mit der Nahrung weniger Arachidonsäure und dafür mehr EPA, sei es in Form von Fischfett oder Nahrungsergänzungsmitteln, eingenommen, kann in etlichen Fällen nach etwa zwei bis drei Monaten in Absprache mit den Ärzten die Dosierung entzündungshemmender Medikamente allmählich reduziert werden. So lange dauert es, bis in den Zellmembranen ein Teil der Arachidonsäure durch EPA ersetzt ist. Weniger Medikamente einzunehmen, ist erstrebenswert, weil so Neben- und Wechselwirkungen möglichst gering gehalten werden können. Die Ernährung kann hier Hilfestellung leisten und ausgleichen. Allerdings stellt eine Ernährungsumstellung beziehungsweise eine Ergänzung mit bestimmten Nährstoffen immer eine zusätzliche Option dar. Sie kann notwendige Medikamente oder andere Therapien nicht ersetzen. Die Diät für Rheumapatienten hat also Grenzen, aber eben auch Potenzial, das vielfach noch ungenutzt bleibt.































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