Da diese Erkrankung in der Regel chronisch verläuft und recht schmerzhaft sein kann, müssen die Patienten über viele Jahre Medikamente einnehmen. Zum Glück hat die Medizin hier große Fortschritte erzielt. Neben schmerzsenkenden Mitteln und dem entzündungshemmenden Kortison gibt es heute auch Medikamente (DMARDS), die die zugrunde liegenden fehlgeleiteten Reaktionen des Immunsystems hemmen. Reicht dies nicht aus, stehen noch sogenannte Biologika zur Verfügung, die sehr gezielt in einzelne Signalwege eingreifen und so die überschießenden Entzündungsreaktionen dämpfen können. Nach den Erfahrungen des Rheumatologen Professor Dr. Ulf Müller-Ladner von der Kerckhoff-Klinik im hessischen Bad Nauheim sollte die Behandlung so früh wie möglich beginnen, und es sollten alle Register gezogen werden. Denn hält die Entzündung lange an, zerstört sie unumkehrbar die Gelenke. Dazu kommt, das Rheumatiker anfälliger für Arterienverkalkungen, Lungenfibrose und Knochenschwund sind.
Wie es zu den überschießenden Entzündungsreaktionen kommt, die an den Gelenken nagen, ist noch immer nicht vollständig geklärt. Als sicher gilt nur, dass mehrere Faktoren zusammenkommen müssen und dass es eine erbliche Veranlagung gibt. Es gibt allerdings auch einen wesentlichen Risikofaktor, den jeder selbst beeinflussen kann. Rheuma-Experte Müller-Ladner sagt dazu klipp und klar: "Falls Sie Raucher sind, können sie einen ganz entscheidenden Risikofaktor stoppen, indem Sie sofort damit aufhören." Rauchen erhöht nicht nur das Risiko, an rheumatoider Arthritis zu erkranken, Rheuma verläuft bei Rauchern auch erheblich schwerer als bei Nichtrauchern. Es geht also auch bei Rheuma um das Thema Lebensstil. Und so wundert es nicht, dass auch zur Frage der Ernährung zahlreiche Hypothesen aufgestellt wurden. Doch weder das tierische Eiweiß noch Fleischkonsum konnten als Rheuma fördernd oder gar als verursachend dingfest gemacht werden. Man kann sich also kein Rheuma "anessen".
Wenn es um die Vorbeugung geht, also um die Frage, ob sich Rheuma durch bestimmte Lebensmittel oder eine bestimmte Ernährungsform vermeiden lässt, bleiben nur wenige Hinweise, die hinlänglich plausibel sind. So weiß man etwa, dass die rheumatoide Arthritis rund ums Mittelmeer seltener vorkommt und vermutet, dass ein hoher Fisch-, Gemüse- und Olivenölkonsum dafür verantwortlich sein könnte. Möglicherweise spielt auch ein moderater Alkoholkonsum eine Rolle. Plausibel daran ist, dass diese Lebensmittel unter anderem entzündungshemmende Eigenschaften aufweisen. Zudem kann kalt gepresstes Olivenöl die Verwertung der besonders günstigen Fischfette unterstützen.
Wie sieht es aus, wenn eine rheumatische Erkrankung festgestellt wurde? Viele medizinische Abhandlungen zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis oder anderer Rheumaformen verlieren kaum ein Wort über Ernährung. Das ist schade. Denn auch wenn es keine Diät gibt, die Rheuma heilen kann, so haben die Patienten mit dem, was sie täglich essen, doch eine gute Möglichkeit, die Therapie zu unterstützen, etwas für ihre Herz- und Knochengesundheit zu tun und Mangelzustände zu vermeiden.
Einer, der sich schon seit Jahrzehnten dafür einsetzt, in der Rheumatherapie auch die Ernährung angemessen zu berücksichtigen, ist der Münchner Ernährungsmediziner Professor Dr. Olaf Adam. Ihm ist es zu verdanken, dass entsprechende diätetische Maßnahmen von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und von der Deutschen Rheuma-Liga anerkannt und empfohlen werden. Auch im Ausbildungskatalog für angehende Ernährungsmediziner ist die Rheuma-Diät, die maßgeblich Adams Handschrift trägt, etabliert. Was kann die Ernährung bei Rheuma leisten? Sie kann nicht heilen, so viel ist klar. Aber sie kann Entzündungsprozesse dämpfen, den Knochenabbau vermindern, die Herz- und Gefäßgesundheit erhalten helfen, Über- und Untergewicht vermeiden sowie Fehl- und Mangelernährung ausgleichen. Darüber hinaus, so Olaf Adam, vermindere eine sinnvolle Ernährungsumstellung "die notwendigen Medikamente auf ein Minimum".
Dieser letzte Punkt ist nicht zu unterschätzen. Denn die segensreichen Wirkungen der verordneten Arzneien können aufgrund der meist jahre- oder gar jahrzehntelangen Einnahmezeit durch Nebenwirkungen getrübt werden. So greift das Rheumamittel Methotrexat in den Stoffwechsel der Folsäure ein, was je nach Dosis und Einnahmedauer des Medikamentes eine zusätzliche Gabe des B-Vitamins notwendig machen kann. Von Vitamin E ist bekannt, dass es einen milden schmerzsenkenden Effekt ausübt und helfen kann, Schmerzmittel einzusparen, die den Magen angreifen können.
Die bekannteste Nebenwirkung ist vermutlich der ungünstige Effekt von hoch dosiertem Kortison auf die Knochen, die bei Rheumatikern schon durch die Entzündung schneller entkalken. Daher kommt der Zufuhr von kalziumreichen Lebensmitteln wie Milch, Milchprodukten und Käse - sofern sie vertragen werden -, aber auch grünen Gemüsen und kalziumreichen Mineralwässern eine besondere Rolle zu. Noch wichtiger ist die Versorgung mit Vitamin D, das der Körper nicht nur für starke Knochen und Muskeln benötigt, sondern auch für ein gut funktionierendes Immunsystem. Da nur wenige Lebensmittel wie fette Fische genug Vitamin D enthalten und der Körper bei ungenügender Sonneneinstrahlung und im Alter zu wenig davon herstellt, kann eine Verabreichung von Vitamin-D-Tabletten oder -Tropfen nötig werden. Allerdings sollte zuvor der Vitamin-D-Spiegel im Blut bestimmt werden, um die richtige Dosierung zu finden.































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