Mehr als 100 Wissenschaftler unter anderem von Universitäten aus aller Welt haben in dem gemeinsamen Bericht erstmals die dramatische Situation der Frühgeburten auf der Erde dargestellt. «Damit sind Frühgeburten die zweithäufigste Todesursache für Säuglinge nach Lungenentzündungen», sagte Joy Lawn, eine der Autorinnen, der Nachrichtenagentur dpa.
Im Schnitt wird weltweit etwa jedes zehnte Kind vor der 38. Schwangerschaftswoche - und damit zu früh - geboren. Deutschland steht dem Bericht zufolge mit 9,2 Frühchen pro 100 Geburten schlechter als viele Nachbarstaaten da. In Industrieländern gelten vor allem ältere Mütter und Wohlstandserscheinungen wie Bluthochdruck und Rauchen als Ursachen für Frühgeburten.
Auch Mehrlinge erhöhen das Risiko auf eine Frühgeburt. «Durch künstliche Befruchtung haben die Mehrlinge deutlich zugenommen», sagte Professor Ulrich Gembruch von der Uniklinik Bonn, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe für den Bereich Pränatalmedizin, der dpa. Da häufig ältere Frauen auf diese Weise schwanger würden, kämen zwei Risikofaktoren zusammen. «Dadurch haben wir mehr "kranke" Schwangere», sagte Gembruch.
Weltweit die ungünstigste Quote hat das südostafrikanische Land Malawi mit 18,2 Prozent, die günstigste demnach Weißrussland mit 4,1 Prozent. «Einen Prozentpunkt kann man vielleicht runter», sagte Gembruch zu den Perspektiven in Deutschland. Allerdings ist die Sterblichkeit dank guter medizinischer Technik in den entwickelten Ländern deutlich geringer.
Die südafrikanische Epidemiologin Lawn, die für die Hilfsorganisation Save the Children arbeitet, forderte entschiedene Maßnahmen vor allem in den ärmeren Ländern. Hier könnten durch einfache und kostengünstige Maßnahmen erhebliche Fortschritte erzielt werden. Der Report habe gezeigt: «Es ist machbar.»
So könnten viele Todesfälle vermieden werden, wenn man zum Beispiel Müttern zeige, wie man Frühchen warmhalte. Auch Spritzen für Frauen zum Vermeiden von Infektionen könnten laut Lawn Babys retten.
In Industrieländern sei es schwieriger, die Quoten groß zu senken. Einfache Mittel reichten dazu nicht, vielmehr müssten Frauen mitunter ihr Leben umstellen. Ähnlich äußert sich Gembruch: «Frauen in Deutschland planen ihr Kind eher nach dem Studium, sind dann schon 30, 35 Jahre alt. Da haben sie schon eher mehr Krankheiten.»































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