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Frankfurt/Main

Bewegung kann den Medikamentenbedarf senken

Von Christian Vey, dpa

Wer körperlich fit ist, hat weniger gesundheitliche Probleme. Deshalb ist Bewegung wichtig, um gar nicht erst krank zu werden. Aber auch Menschen, die bereits an einer chronischen Krankheit leiden, können von körperlicher Aktivität profitieren. (Veröffentlicht am 08.02.2012)

Regelmäßige Bewegung hilft

Regelmäßige Bewegung verbessert den körperlichen Gesamtzustand - chronisch kranke Menschen sollten ihre Belastbarkeit aber vorher vom Arzt ausloten lassen. (Foto: Techniker Krankenkasse)Foto:

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Millionen Menschen leiden an den sogenannten Wohlstandskrankheiten. Viele von ihnen werden mit teuren Medikamenten behandelt, obwohl Experten sicher sind, dass es auch anders gehen kann. «Die großen Zivilisationserkrankungen sind mit Bewegung gut therapierbar», meint etwa Prof. Winfried Banzer vom Institut für Sportwissenschaft der Universität Frankfurt.

Es sind vor allem Beschwerden des Herz-Kreislauf-Systems und Stoffwechselstörungen, die Banzer mit körperlicher Aktivität behandeln würde. «Sie sind für etwa 70 Prozent der frühzeitigen Sterbefälle in Deutschland verantwortlich», sagt er. «Und für einen Großteil der Kosten im Gesundheitswesen.»

Es sei erstaunlich, dass die relativ kostengünstige Alternative Sport immer noch relativ wenig beachtet werde. Banzer verweist auf eine englische Untersuchung aus dem Jahr 1958. Darin wurde nachgewiesen, dass die Fahrer der Londoner Doppeldeckerbusse deutlich stärker vom Herzinfarkt bedroht waren als ihre Schaffner, die im Bus hin- und herliefen.

Der Sportmediziner Bernd Wolfarth vom Klinikum der Technischen Universität München ergänzt, es sei auch eindeutig nachweisbar, dass die Ausgaben für Medikamente durch konsequentes Bewegen gesenkt werden können. Als Beispiel führt er Diabetes-Patienten an. Je mehr Zeit sie regelmäßig aktiv an der frischen Luft verbrachten, desto geringer die Ausgaben für Medikamente und andere Behandlungen.

Es geht also darum, die Bewegungsleistung im Alltag zu steigern. Wolfarth versichert: «Mit Sport anzufangen, lohnt sich tatsächlich. In jedem Lebensalter.» Selbst bei 70-Jährigen träten noch gesundheitliche Verbesserungen ein, die weniger aktive Altersgenossen nicht mehr erreichen. Chronisch Kranken rät er aber, immer erst mit einem Arzt zu sprechen. Der Arzt sollte die Belastbarkeit feststellen, ein genaues Sportprogramm erstellen und es auch überwachen: ein Rezept wie bei Medikamenten, nur eben für Bewegung.

Regelmäßiger Sport verbessere den Zustand der Blutgefäße und könne sogar bereits entstandene Schäden reparieren. Auch senke er den Blutdruck besser als so manches Medikament. So können Herzpatienten Sport gezielt einsetzen. Zwar sei nicht garantiert, dass die Präparate abgesetzt werden können, aber die Chance, dass die Dosis nicht gesteigert werden muss, ist groß.

Gleiches gilt für Diabetiker. «Körperliche Bewegung verbessert die Wirkung des blutzuckersenkenden Hormons Insulin», erklärt Prof. Andreas Fritsche von der Deutschen Diabetes Gesellschaft in Berlin. Ein direkter Effekt regelmäßiger körperlicher Aktivität ist, dass die für die Insulinproduktion verantwortlichen Zellen der Bauchspeicheldrüse angeregt werden. Darüber hinaus reagiert der Körper sensibler auf das Hormon und steigert die Zuckerverwertung.

«Heute weiß man auch, dass Metformin, der Wirkstoff in Medikamenten, die Typ-2-Diabetikern oft gegeben werden, ähnlich wie Sport wirkt», sagt er. Der Wirkstoff nutzt im Körper des Menschen die gleichen molekularen Signalwege wie körperliche Aktivität. «Mit Bewegung kann die Wirksamkeit des Metformin also unterstützt werden.» Er warnt allerdings vehement vor dem Trugschluss, dass Zuckerkranke, die mit Sport anfangen, sofort auf die Medikamente verzichten können.

Tatsächlich sei es so, dass Sport als Therapie nicht bei jedem gleich gut wirkt, schränkt Fritsche weiter ein. In einer Studie haben sich 400 Menschen mit erhöhtem Diabetes-Risiko einem Fitnessprogramm zur Vorbeugung unterzogen. Mit Pulsuhren und Bluttests wurde die Entwicklung des Körperzustands kontrolliert. «Bei den meisten hat sich die Insulinwirkung durch bessere Fitness tatsächlich erhöht. Bei etwa 20 bis 30 Prozent allerdings nicht.»

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